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Januar 2011

31.1.2011

Ja, wie das halt so ist in Afrika, sind wir heute dann doch nicht umgezogen, es wurde auf morgen vertagt.

In der Schule angekommen zeigte mir Siprose die Perlen, die sie zum Basteln gekauft hatte. Für heute hatte sie schöne Rechenarbeitsblätter für die Vorklassenkinder, und für die Kleinen bereiteten wir ein Haus vor, das sie anmalen durften.
Heute war Merels letzter Tag in der Schule, Naum dankte ihr und benannte noch einmal, was sie alles für die Schule erreicht hatte. Sie zeigte mir noch ein paar wichtige Tipps am Computer.

Merel verabschiedete sich dann zuerst von den Lehrern, und jeder durfte sich was Süßes nehmen. Dann ging sie von Klasse zu Klasse, und alle Kinder erhielten einen Lolli; normalerweise bin ich ja -was süße Sachen betrifft- eher sehr zurückhaltend, aber völlig gegen meine Gewohnheiten freute ich mich für die Kinder, die doch sehr selten so etwas Süßes bekommen und ihren Lolli in vollen Zügen genossen.

Heute gingen Merel, Bob und ich das letzte Mal gemeinsam essen. Merel wird zuerst alleine, dann mit einer Freundin und später mit ihrer Mutter ein paar Trips unternehmen, und dann am 28.2. am Tag ihres Abfluges sich endgültig von uns verabschieden.

Heute begleitete mich Siprose auf ihren eigenen Wunsch hin nach Hause, um die Bäder und mein Zimmer zu reinigen, dafür werde ich ihr im Laufe der nächsten Monate erstmal die Baby-sitterin sponsern, was ihr Schulleiter aber nicht wissen darf.

Die Nachbarin kam dann auch bald vorbei und sagte, sie sei so traurig, dass wir wegziehen würden, und sie wollte meine Mailadresse, damit wir uns ev. mal verabreden können. Sie fragte, ob sie mir denn nichts helfen könnte. Da ich müde war, verneinte ich erstmal, später dann ging ich rüber zu ihr und fragte ihren Mister, ob es in Ordnung sei, wenn sie morgen uns beim Umziehen ein wenig helfen würde. Er hatte nichts dagegen, er bat mich hereinzukommen, und ich erzählte ihm ein wenig über meine Arbeit in der Slumschule. Er arbeitet als Manager bei Hyundai und pendelt zwischen Kenia hin und her. Er meinte, wenn er einen Antrag von der Schule bekäme über ein geplantes Projekt können er vielleicht ein wenig Geld locker machen. Morgen werden sie Publikums wirksam

im Kibera-slum Fußbälle verteilen. Er meinte für Kenia allein hätten sie 20.000 Fußbälle gesponsert.

Er gab mir seine berufliche und seine private E-mail-adresse, und ich könne mich gerne an ihn wenden. Von seiner Hausangestellte wollte er sich dann auch noch meine E-Mail-Adresse geben lassen. Mal sehen, ob sich hier für die Schule irgendetwas Positives bewirken lässt.



30.1.11

Heute sollte also Naum mit seiner Frau und seiner Tochter kommen. Gegen 10 Uhr fing ich mit Kochen an, und ich brauchte doch -sage und schreibe- knapp 3 Stunden insgesamt. Zwischendurch ging ich noch mal schnell in unser Lädchen und holte für den Nachtisch noch 4 süße Teilchen. Naum rief mich dann an und bat mich, sie vor dem Estate abzuholen. Da er nicht genau gewusst hatte, wo unsere Wohnung war, hatte er doch gleich noch Virginia und deren dreijährigen Sohn Brian mitgebracht. Na klasse, darauf war ich jetzt wieder mal nicht eingestellt gewesen. Ich hatte nämlich mit deutscher Gründlichkeit mir vorher genau überlegt, ob ich eher 300 oder 400 gr. Spagetthis kochen wolle, hatte bereits die 4 Becher hingestellt und mit frischem Wasser gefüllt. Für das Töchterchen ein kleines Geschenk bereit gelegt... Na ja,..

Ich habe dann von den Spagetthis einfach weniger gegessen, die süßen Stückchen haben sich die Kinder geteilt, und ich habe auf meines verzichtet- esse eh' lieber kräftig. Die Bolognesesauce und das asiatische Gemüse mit Hähnchen und Reis war Gott sei Dank reichlich vorhanden. Zum Glück fand ich bei meinen Sachen auch noch ein Überraschungsei und als Brian es auspackte zeigte sich zu seiner Freude ein Auto zum selbst zusammen basteln. Das machten Naum und er dann auch zusammen. Danach ließ Brian dann ständig sein winzig kleines Plastikauto auf dem Boden hin- und herfahren, und wir machten Fotos von ihm. Die Kinder waren natürlich auch begeistert vom Kaninchen. Allen schmeckte es ausgezeichnet, und ich hatte den Eindruck, dass die viele Arbeit wenigstens nicht umsonst gewesen war. Nach dem Essen waren meine Gäste erstaunlich ruhig; man hatte den Eindruck, dass jeder jetzt ein kleines Nickerchen hätte gebrauchen können. Um 15 Uhr machten sie sich dann alle wieder auf, denn Naum wollte noch mal zur Schule, wo momentan Arbeiten geschrieben wurden. Nachdem ich alles gespült hatte, war ich mal wieder müde in mein Bett gesunken, als Stimmen mich weckten. Es wurde an unsere Tür geklingelt. Wieder waren Leute da, die unsere Wohnung besichtigen wollten und wie sich später herausstellte, war es die Frau und die Mutter des Inders, der am Tag vorher bereits da gewesen war. Danach musste alles eingepackt werden, weil ja morgen der Umzug stattfinden soll. Ansonsten ist von dem Tag nichts besonderes mehr zu berichten, außer dass wir abends noch mit Peter und seiner Freundin Karin zusammen saßen, und die Reste vom südostasiatischen Gericht aufaßen. Freyja kam dann auch gegen Abend, und sie berichtete, dass Kela (nach dem Auswahlverfahren) tatsächlich Präsident(in) von AIESEC in Kenia geworden sei.


29.1.2011

Heute wurde erstmal lange ausgeschlafen (bis 8 Uhr), dann das übliche Ritual, Duschen (Wasser ist wieder da, auch in der Küche), Frühstücken, dann den Bericht von gestern noch nachholen. Für den heutigen Tag hatte ich mir bewusst nicht viel vorgenommen, außer, dass ich meine Simkarte registrieren lassen wollte. Bevor ich loslief, kam der Hausverwalter mit einem neuen potentiellen Mieter vorbei (ein Inder, der hier in Kenia lebt). Bei der Unordnung und dem Dreck, die hier herrschen, fand ich das ganze ja schon ziemlich peinlich. Aber der Herr wollte wohl offensichtlich vor allem den Grundriss der Wohnung studieren. Er fragte mich dann noch einiges in Bezug auf Ausfall der Elektrizität, und wie sicher ich mich hier gefühlt hätte. Als alle wieder weg waren, machte ich mich auf in Richtung Mobassaroad, wo links ein großes Hochhaus sein soll, wo ich mein handy registrieren lassen kann. Eine Dame empfing mich gleich am Anfang und nachdem ich mein Anliegen vorgetragen hatte, geleitete sie mich hinaus zu einem kleinen Tischchen und der Vorgang ging ziemlich schnell von statten. Auf dem Rückweg (durch knallige Hitze) kam ich an mehreren Schreinern vorbei, die gerade dabei waren überwiegend Betten und (seltener) auch Stühle herzustellen. Da das Wetter im Dezembe, Januar und meist auch noch Februar hier doch sehr schön ist, braucht man keine eigene Werkstatt, sondern man arbeitet einfach am Straßenrand unter freiem Himmel. Zu Hause angekommen wusch ich dann doch die 3 Badezimmermatten in der Waschmaschine und kochte mir was Einfaches (Karotten mit Kartoffel und 2 Spiegeleier). Danach war ich dann so müde, dass ich erst mal wieder 1,5 Stunden Siesta halten musste. Wieder erwacht schaute ich mir die Fotos an, die mir Merel auf meinen USB-Stick überspielt hatte. Die Fotos, die sie mit Naums Kamera gemacht hatte, konnte ich leider nicht öffnen; Vielleicht lässt sich da am Montag noch was retten, bevor sie einen Monat weg sein wird. Am 28.2. wird sie dann zum allerletzten Mal in der Schule erscheinen und noch am selben Tag nach Hause fliegen.

Ich schnippelte auch wieder einen bunten Karton klein, da ich ja leider nicht allzu viel Buntpapier aus Deutschland mitgebracht hatte, die Kinder das aber für viele Bastelarbeiten brauchen. Schon bald war es wieder Zeit fürs Abendessen, wo ich meine Reste vom Mittag und später noch 2 Toasts mit Wurst und Käse aß. Jetzt heißt es wieder E-Mails beantworten und Bericht schreiben (mein übliches Abendprogramm). Für morgen Mittag habe ich den Schulleiter und seine Frau mit 11jährigem Töchterchen zum Essen eingeladen, da weiß ich natürlich ganz genau, was ich morgen Früh machen werde; vielleicht kaufe ich in unserem Lädchen noch ein paar süße Stückchen zum Nachtisch- let' see!?

Wenn die Gäste sich morgen dann verabschiedet haben, werde ich alles zusammenpacken müssen, denn am Montag soll ja schon der Umzug sein. Da wir schon bald so nah an der City wohnen werden, hatte ich mich auch gegen meine ursprüngliche Idee heute das Karen Blixen-Museum und das Giraffenzentrum anzuschauen, entschieden. Außerdem wollte ich mich wegen meiner angegriffenen Gesundheit heute lieber ein wenig schonen, zumal es morgen ja auch wieder ein anstrengender Tag werden wird.


29.1.2011

Gestern (28.1.) habe ich es nicht geschafft, meinen Tagesbericht zu schreiben. Erst war der Strom weg und dann hatte ich doch einige E-Mails zu beantworten und dann war es auf einmal 0:30. Seit gestern habe ich wieder einen leichten Erkältungsrückfall, zum Glück habe ich mir eine weit gefächerte kleine Hausapotheke mitgenommen und konnte deshalb z.b. auf, Halsschmerztabletten zugreifen. Zum Glück habe ich kein Fieber, aber an solchen Abwehrschwächen sehe ich, dass mein Leben hier doch anstrengend ist.

Außerdem haben wir den 2. Tag kein Wasser; nur gut, dass wir beim letzten Mal als wir gut 2 Tage kein Wasser hatten, danach 3 Wassertanks abgefüllt hatten, so habe ich mir heute Morgen den Luxus erlauben können, einen Drittel Eimer voll lauwarm gefüllten Wassers inklusiv einer kleinen Schale mit unter die Dusche zu nehmen und mich mit geschöpftem Wasser zu duschen. Der Wasserdruck in der Küche reicht immer noch nicht aus, dass man sich Teewasser abfüllen konnte- geschweige denn größere Mengen, um sich den täglichen Wasserbedarf abzukochen. So waren wir mal wieder auf das Wasser der netten Hausangestellte von Haus Nr. 32 angewiesen, denn das Wasser aus den Wassertanks schmeckt doch zu eklich und ist zum Trinken nicht gut geeignet. Außerdem bot sie sich an, in meiner Abwesenheit, meine Wäsche zu machen, was ich gerne annahm, da unsere Waschmaschine sich in der Küche befindet, und ich nur sehr umständlich hätte Wäsche waschen können.

Insgesamt war ich heut ziemlich spät und kam erst zur Pause in der Schule an. Im office bot Naum sofort an, verschiedene Kopien für uns zu machen. Ich begriff später erst, was dieser Umstand bedeutete: Da wieder mal Stromausfall war (wie so oft), hatte er den Drucker nach Hause zu schleppen (da er dort Strom hätte) und dort die Kopien auszudrucken. Außerdem wollte er das Geld sparen, was ich sonst ausgegeben hätte, wenn ich den den Kopieshop gegangen wäre. So viel Aufwand und so viel Entgegenkommen anzunehmen, damit hatte ich schon ein Problem, aber es ist ja nicht persönlich für mich, sondern es kommt den Kindern zu Gute.

Merel war auch wieder in der Schule, und wir gingen später gemeinsam zum Essen – schmeckte lecker für einen sehr geringen Preis. Wir unterhielten uns über die Reisen, die sie jetzt demnächst machen wolle und über Zanzibar, wohin ich gerne mit einer Freundin im Juni für eine Woche reisen würde. Sie gab mir ein paar gute Tipps, und ich machte mir einige Notizen. Ich bin ein wenig traurig, dass am Montag ihr letzter Tag sein wird, weil ich mich mit ihr wirklich gut verstanden habe. Die in absehbarer Zukunft zu erwartenden „volunteers“ sollen wohl alles Jungs sein- möglicherweise auch aus Holland, ob die wohl (von Bob mal abgesehen) auch Lust haben werden mit mir ab und zu in der Stadt essen zu gehen?

Nachdem ich mich von Merel verabschiedet hatte, ging ich dann doch in den Kopieladen, da ich gespannt war, ob sie von den verschiedenen Übungsblättern, die auf der CD waren, ev. einige Drucke machen könnten und siehe da nach einigem Hin und Her gelang es tatsächlich, und ich ließ 18 verschiedene Kopiervorlagen erstellen, die wir sicher prima verwenden können, und Naum kann uns dann wieder die entsprechende Anzahl von Kopien machen. Am Nachmittag machte ich mit den älteren Kindern an der Blume weiter, die sie am Vortag zuvor ausgeprickelt hatten, nun musste Buntpapier, dahintergeklebt und der Stiehl der Blume angemalt werden. Bei den meisten sah es schon sehr schön aus und die Kinderaugen blickten begeistert. Am Montag wollen wir dann mit Hilfe von verschiedenen Buntpapierresten, die Blätter der Blumen gestalten. Heute hatte ich den Foto dabei und machte ein paar schöne Aufnahmen von den Kindern, wie sie sangen und beteten, und ich versuchte mit Hilfe des Fotos auch zu filmen – weiß aber noch nicht, ob mir das wirklich gelungen ist. Siprose hatte ich Geld für Leuchtstifte, Fäden und Perlen gegeben und im Laufe der nächsten Woche, werden die Kinder dann sicher schöne Perlenarmbänder oder Halskettchen machen.

Später zu Hause angekommen freute ich mich wieder auf meine warme Dusche, denn ich komme immer total verdreckt und verschwitzt hier an. Meine Füße kriege ich schon nicht mehr richtig sauber, da ich aus Eitelkeit mehrere Tag ohne Söckchen herumgelaufen war. Das Resultat war, dass ich so schmutzige und trockene Füße bekam (trotz 2x mal Duschen am Tag), dass mir mein rechter Fuß vor Trockenheit aufriss und eine klaffende Wunde entstand, die ich auch erstmal wieder zu pflegen hatte. Zum Glück fand ich in meinem Rucksack noch ein Blasenpflaster, das
ich nach gründlicher Reinigung aufklebte.

In der Nähe vom Kopieladen hatte ich mir Nagellack gekauft, der dann auch an den Fußnägeln seine Verwendung fand, damit die Füße wenigstens von oben her schön aussahen. Mit den Berichten ist es oft gar nicht so einfach, sowohl gestern 3 Stunden als auch heute ab halb acht abends hatten wir keine Elektrizität. Da ist auch nichts mit Internet... E-Mails, die konnte ich dann abends zwar bei Kerzenlicht schreiben, aber losschicken kann ich sie erst, wenn der Strom wieder da ist und so ist das natürlich auch mit dem Bericht, den ich vermutlich aber dieses Wochenende noch losschicken werde. Falls es mir gelingt- auch mit den ersten Fotos. Let' see... Heute Abend war ich gerade beim Kochen, als der Strom ausfiel. Auch an dieser Stelle kann ich nur betonen, wie froh ich bin, dass wir einen Gaskocher (wenn auch nur mit einer Flamme) haben. Ich stolperte dann im Stock-dunklen in mein Zimmerchen und holte meine winzig kleine Taschenlampe, die man an ein Buch befestigen kann und damit abends noch ein wenig lesen kann und klemmte sie mir oben an meinen Halsauschnitt. Dann kam einer meiner Mitbewohner Peter auf die Idee, noch schnell im nahen Lädchen ein paar Kerzen zu besorgen. Dann verzog er sich schnell wieder in sein Zimmer, wo seine Freundin auf ihn wartete. Ob die wirklich heute Abend Licht brauchen, das frage ich mich ja schon....?

Um 20:30 hatten wir zwar wieder Strom (Ausfall dauerte 1 Stunde), aber das Internet funktioniert mal wieder nicht- wie fast immer nach Stromausfall.


27.1.11

Nachdem ich gestern Abend dann erst nach 24 Uhr in mein Bett entschwunden bin, war ich merkwürdigerweise schon früher als sonst aufgewachte (6:30). Da ich mir vorgenommen hatte, noch schnell was in der Stadt zu kopieren, war ich dann schon weit vor 9 Uhr in der Schule. Als ich dann im office auf den Schulleiter traf, denn dort stelle ich morgens immer meine Tasche mit meinen Wertsachen (Fotokamera, handy und Geld) ab, bot dieser an, die Kopien im Kopierer zu machen. Dann stellte sich heraus, dass Siprose Gott sei es getrommelt und gepfiffen, doch da war. Wie sie mir mitteilte, hatte sie ihrem Sohn Tabletten gekauft und er machte wieder einen ziemlich fitten Eindruck. Am Abend hatte ich Fäden zurecht geschnitten, da ich die Idee hatte, mit den älteren Kindern, Perlenarmkettchen zu machen. War ich froh, dass Siprose da war, denn selbst mit ihr kam ich an die Grenze meiner Belastbarkeit mit Nadeln einfädeln, dann waren manche Korkscheibchen zu schwierig mit der Nadel zu durchstoßen und eine Nadel war vorne so stumpf, dass man sie gar nicht verwenden konnte. Zum Schluss stellte sich dann heraus, dass ich die Fäden zu kurz berechnet hatte, und die Kinder sie nicht über ihre halt dickeren Händchen (als Handgelenke) kriegten. Aber insgesamt war es ein Versuch wert gewesen und das nächste Mal soll Siprose noch ein paar Perlen und andere und bessere Fäden besorgen, dann wird die Sache bestimmt ein Erfolg. Die Kinder sind meist sehr eifrig und ehrgeizig und vom Leistungniveau, was die 5 Jährigen hier können auch nicht schlechter als unsere deutschen Kinder. Insgesamt war es die letzten Tage allerdings ziemlich stressig, da wir zur Zeit 42 Kinder haben, inklusiv den 2jährigen Travers, der ständig auf die Köpfe der anderen Kinder haut und zusätzlich seit 2 Tagen ein geistig behindertes Kind von etwa 8 Jahren, wo wir beide völlig mit überfordert sind, denn von dem, was er kann, ist er Travers teilweise noch unterlegen. Meist ist er still und von angenehmem Wesen, aber heute fing er auf einmal an zu wimmern und zerknüllte die Arbeitsblätter seiner Nachbarn. Wir werden diesen Jungen nicht behalten können, da wir nicht darin geschult sind, ihn kompetent zu fördern.

Allzu viel will ich jetzt nicht auf alle Einzelheiten des Unterrichts eingehen, aber berichtet werden muss auf jeden Fall, dass wir endlich 5 neue Bänke haben, so dass nur noch die Nurcerykinder zu viert sitzen und die Größeren überwiegend nur noch zu dritt.

Georg erhielt heute das Geld für Gladis, die ab Montag die Secondary School besuchen wird, und alle sind sehr stolz auf sie. In der Mittagspause war es richtig gemütlich : Merel war wieder da, und heute ging es ihr zum Glück wieder besser, Georg, Naum und ich und wir unterhielten uns, z.B. über den geistig behinderten Jungen, und außerdem erklärte ich ziemlich deutlich, dass es nicht möglich sei, mehr als 40 Kinder im Alter von 2-6 Jahren zu unterrichten, ansonsten müsse man alternativ einen Kindergarten anbauen und eine Erzieherin einstellen, die sich ausschließlich um die Kleinen kümmert. Ich hatte Georg schon einige Tage vorher darauf aufmerksam gemacht, dass man dann- falls man dieses Ziel verfolge- einer Erzieherin auf keinen Fall mehr als 20 Kleinkinder zumuten dürfe und dann parallel der Vorklassenleiterin nicht mehr mehr als maximal 25 Kinder (was in Deutschland völlig unvorstellbar wäre). Ich fragte, ob Merel mit all den Neuerungen, die sie für die Schule hatte erreichen können, zufrieden sei, und sie strahlte und sagte Ja! : ein neuer, großer und abschließbarer Schrank, 15 neue desks und neue Schulbücher, und frisch gestrichene Tafeln für alle, das ist doch schon mal was.

Wir sprachen auch noch mal über die Schwierigkeiten der Erstellung einer neuen internationalen homepage; dieses soll ein Hauptthema für das nächste Meeting am Montag sein, wo dann Bob auch anwesend sein wird. Merel wird am Montag dann das letzte Mal aktiv dabei sein, und wird dann erstmal alleine und ab Mitte Februar gemeinsam mit ihrer Mutter auf Reisen gehen. Morgen wollen wir vielleicht noch mal gemeinsam essen gehen, oder dann spätestens am Montag. An diesem Tag werden meine HausgenossInnen und ich dann auch umziehen, der Möbelwagen ist bestellt; wir wissen aber noch nicht die genaue Uhrzeit, wann alles abgeholt wird.

Zum Mittagessen gab es heute was Besonderes : außer Sukuma Wiki (was so was ähnliches wie unser Römisch Kohl ist, und dem üblichen Ugali, gab es auch ein wenig Goulaschfleisch – vom Geschmack zwar recht gut, aber wieder diese Art von Fleisch, die wir zu Hause Suppenfleisch nennen und die sich für Goulasch (weil zu zäh) meiner Meinung nach nicht eignen.

Als ich dann um 15:30 nach Hause kam, die Hiobsbotschaft : kein Strom und kein Wasser, na klar wenn ich waschen will, funktioniert mal wieder gar nichts; also da kann man sich nur in Geduld üben. Als dann gegen 17 Uhr wieder Strom da war, bat mich Freyja nicht zu waschen, weil man ja nicht wisse, wie lange das mal wieder mit dem Wassernotstand dauern würde. Eine Nachbarin, der wir gestern mit Wasser ausgeholfen hatten, kam dann rüber und bot an, dass ich Wasser bei ihr holen könne, sie hätten Wasser. Also ging ich rüber. Die Nachbarin stellte sich als Hausangestellte heraus und der Nachbar machte auf mich einen ausgesprochen guten Eindruck. Er wirkte so als käme er vom Aussehen vom Iran oder aus der Nähe, und er ist wirklich ausgesprochen gut aussehend; ich unterhielt mich dann ein wenig mit ihm über meinen Beruf in Deutschland und meine Aufgabe hier und dann brachte die nette Hausangestellte mir einen großen Eimer mit gutem Wasser zu unserer Wohnung.

Nachdem der Strom wieder da war, war das Internet weg. Freyja telefonierte 2 Stunden lang mit dem Kundenservice, bis es endlich wieder funktionierte. Danach gab es nur noch Abend, Mails beantworten, Bericht schreiben und heute früher Bett. Vorher will ich aber noch mal probieren, ob meine Tochter Mima, die sich für längere Zeit in Argentinien aufhält, online ist, einmal haben wir erst geskypt seit ich in Afrika bin, und ich vermisse sie sehr.

26.1.2011

Jetzt ist es schon 22:30, und ich beginne jetzt erst mit meinem Tagesbericht. Von der Schule will ich heute nur so viel berichten, dass Bob, der chinesische volunteer Zeit hatte, und uns etwa 1 Stunde in der Vorklasse unterstützte. Er ist wirklich ein ausgesprochen angenehmer Mensch mit brillianten Umgangsformen. Obgleich Merel heute nicht mit uns Mittagessen gehen konnte (es ging ihr erneut schlecht, so dass ich- wenn es ihr morgen nicht besser geht- mir ernsthafte Sorgen um sie mache), ging der 19 jährige Bob treu und brav mit mir essen, und er bestand auch hinterher darauf, dass er mich wieder in Richtung Schule (wo mein Matatu losfuhr) begleitete. Nahezu jeden Schritt von mir beäugte und bewachte er mit Argusaugen. So viel Höflichkeit und Großherzigkeit habe ich wirklich selten in diesem Alter erlebt.
Morgen will ich Merel meinen Stick mitbringen, und sie will mir ihre Fotos auf den stick überspielen, so dass ich diese ebenfalls für die deutsche homepage benutzen kann. Morgen will sie dann auch mit Georg die fehlenden Schulbücher kaufen gehen. (Ich hoffe wirklich sehr, dass es ihr morgen endlich wieder gut geht!!)

Ebenfalls werde ich morgen 20.000 KS Georg übergeben, damit das Schulgeld für die 14 jährige Gladis schon mal für ein Jahr für die Secondary School bezahlt ist. Die nächsten 20.000 sollen dann noch folgen, sobald der nächste Brief (für den 16 Jährigen) angekommen ist.

Ich war heute nachmittag um 15 Uhr mit Freya und Kela an der Universität von Nairobi verabredet, weil wir unser neues Domizil mal anschauen wollten. Wir fuhren also hin, die Gegend gefiel uns schon recht gut (2 Kirchen in der unmittelbaren Umgebung – ein gutes Omen -wie wir hoffen). Die Wohnung ist zwar ebenerdig gelegen, aber sie gefiel uns ganz gut. Mein Zimmer wird sogar ein wenig größer sein, als vorher. Und keine Lampe, die nachts in mein Zimmer scheinen wird, allerdings näher dran am Wohnzimmer, so dass ich von zukünftigen Parties natürlich jetzt mehr mitkriegen werde. Im Grunde freue ich mich aber über den Umzug – wir werden dann näher an der Stadt wohnen und das hat ja auch seine Vorteile. Ich hoffe nur, dass vormittags, das Verkehrsaufkommen nicht so stark ist und dass ich nicht wesentlich früher aufstehen muss.

Den Rückweg habe ich wieder gut gefunden, und da ich in der Stadt vorher noch ein wenig einkaufen war, hatte ich bei Gluthitze 20 Minuten lang mal wieder ganz schön zu schleppen. Naja, ich mache hier ja auch keinen Sport, und das Hin- und Herlaufen zum Slum oder von der Haltestelle (kommend aus der City, was wesentlich weiter ist), und das Springen im slum von Stein zu Stein, ist sozusagen mein Sport hier. Auch meine Gymnastik im Bett, die ich zu Hause bisher immer regelmäßig gemacht habe, geht hier nicht (schwierig wegen des Mosquitonetzes).Vielleicht muss ich demnächst doch Kelas Angebot annehmen und mir ihre Yogamatte zum Üben ins Wohnzimmer legen.

Zum Glück nehmen es bisher weder meine Knie noch mein Rücken übel (trotz der wirklich skandalösen Matratze, die sich so langsam in ihre Bestandteile auflöst). Ein weiterer Vorteil bezüglich der neuen Wohnung besteht darin, dass ich ziemlich vehement um eine neuere Matraze (alle meine MitbewohnerInnen haben, z.B. 2 sehr annehmbare Matrazen jeweils in ihrem Zimmer) gebeten habe und neue Bettwäsche und ev. auch schöne dunkle Gardinen werde ich mir dann auch noch zulegen.

Als wir gerade bei der Wohnungsbesichtigung waren, rief mich Siprose an, um mich darauf vorzubereiten, dass ich Morgen bis 11 Uhr mit den (heute) 42 Vorklassenkinder alleine sein werde. Das werde ich nur leisten können, wenn mich z.B. Merel unterstützt und wenn wir einen älteren Schüler zur Übersetzung haben. Dieses Mal habe ich wenigstens die Möglichkeit mich vorzubereiten.

Na, dann mal auf in den Kampf morgen. Ich hoffe, dass ich morgen auch noch ein paar schöne Fotos schießen kann.


25.1.2011

Zum Glück ging es mir heute Morgen wieder so weit gut, dass ich zur Schule fahren konnte. Musste allerdings ziemlich lange auf einen Matatu warten und das ist, wenn es morgens noch kalt ist und auch noch windig, dann nicht sehr angenehm. Siprose lächelte glücklich, mich zu sehen, und wir nahmen unser Teamteaching wieder auf. Sie hatte einige Blätter aus dem Vorklassenbuch kopiert, und so erhielt jede Gruppe jetzt ein Blatt und für einige Minuten waren tatsächlich alle beschäftigt.

In der Mittpause unterhielt ich mich für längere Zeit mit Naum und Bob, unserem chinesischen Freiwilligen, z.B. sprach ich die Abfallsituation mal an, Naum meinte, wenn ich bereit sei, jede Woche 300KS zu bezahlen, könnten sie den Unrat ganz offiziell abholen lassen. Ich sagte erstmal zu, wäre allerdings schön, wenn sich hier ein Sponsor auf Dauer der Sache annehmen würde. Mit Bob sprachen wir auch noch ein wenig über die neu zu erstellende internationale Homepage. Merel war leider wieder krank, sie leidet unter den Nebenwirkungen der Malariaprophylaxe, die sie wegen des Mombasaaufenthaltes einnehmen musste.

Mir geht es zum Glück wieder besser. Ich bin noch etwas schwach, aber nicht mehr krank.

Als ich heute nach Hause kam, eröffnete mir Kela, dass wir bereits Ende diesen Monats aus dem Haus heraus müssen, da der AIESEC Organisation die Unterhaltung auf Dauer zu teuer wird, und man mittlerweile in der Nähe der City ein Appartement gefunden habe, das 10.000 KS in der Unterhaltung weniger kostet. Ich könne mich jetzt entscheiden, ob ich mit den dreien gemeinsam dort hinziehe; ich könne auch ein eigenes Zimmer haben, oder ob ich hier im Estate bleiben würde mit eigenem Appartment (etwa 280 E) oder mit einer fremden Familie zusammen in einem ähnlichen Haus wie hier und auch wieder in dem kleinen Räumchen außerhalb, dann aber mit gemeinsamer Küchen- und Badbenutzung, eine vierte Möglichkeit sei dann das andere AIESEC Haus. Morgen um 15 Uhr soll ein Termin vor Ort sein. Kela hat mir genau beschrieben, wo ich mich dann mit Freya treffen sollte. Momentan tendiere ich dazu mit meinen 3 Hausbewohnern umzuziehen, wenn es auch ziemlich umständlich für mich werden wird, jeden Morgen meine Schule zu erreichen. Let's see!!

Im Laufe des Nachmittags hatte ich mit Merel telefoniert, ihr ging es heute wirklich gar nicht gut, aber morgen will sie wieder kommen, und wir haben uns (mit oder ohne Bob) zum Essen verabredet. Darauf freue ich mich schon; es ist immer sehr nett mit ihr essen zu gehen. Ich will auch die CD mitnehmen und versuchen herauszufinden, ob man im Internetcafe nicht einige Arbeitsblätter ausdrucken lassen kann.

Schon wieder ist es nach 22:30 und mich verlangt langsam nach Bett. Bin mal gespannt, was der morgige Tag so bringen wird.


24.1.

Heute Morgen fühlte ich mich jetzt dann doch so schwach, dass ich nicht zur Schule gehen wollte. Ich hatte ein wenig Husten und ein bisschen Schnupfen und außerdem regnete es draußen in Strömen. Den Knatsch im slum wollte ich mir weder vorstellen noch hautnah erleben, also rief ich Naum an und sagte ab.

Nachdem ich das Bett dann erst um 12 Uhr verlassen hatte, fühlte ich mich schon wieder so gut hergestellt, dass ich entschied, die Kleider, die dringend gewaschen werden müssten, in die Waschmaschine zu stecken. Danach gab es den Rest von gestern zum Mittagessen. Unser Kaninchen Taifa war besonders scharf auf die Spagetthis, so dass ich für sie immer mal wieder einen für sie abzwackte.

Jetzt ist es 17 Uhr hier in Kenia, und ich habe seit 15 Uhr erneut das Bett gehütet und fühle mich aber noch sehr benommen. Georg war zwischendurch da, um mir die Kamera, die ich in der Schule gelassen hatte, zu bringen Ich hatte so was schon befürchtet: auf der einen Seite natürlich sehr nett von ihm, aber ich war zu müde, um ihn hereinzubitten. Er hatte sich wohl Sorgen um mich gemacht, weil Naum überall herum erzählt hatte (auch Merel gegenüber), ich sei im Hospital. So was kann ich echt nicht leiden. Ich hatte Naum am Morgen ja von ein wenig Husten und Schnupfen erzählt und nicht mehr. So bat ich Georg sehr bald wieder, nach Hause zu gehen, damit ich weiter schlafen könne.

Die Wäsche ist bis auf ein Stück jetzt trocken, und ich komme nicht in die Gänge... Ich werde mir jetzt sogleich eine 2. Dusche genehmigen und mir die Haare waschen- vielleicht hilft das ja ein wenig. Hat geholfen. Am Abend gab es dann nur Sandwiches, aber immer- hin mit 2 Spiegeleiern und Speck und das andere Brot war mit Avocado belegt; ich bin halt ein Gourmet. Mein Appetit kommt wieder, also werde ich wohl bald wieder gesund sein.

Außer E-Mail beantworten und Bericht schreiben gibt es für den Abend nichts weiter zu berichten. Bin mal gespannt, ob es mir morgen wieder so weit gut geht, dass ich wieder zur Schule gehen kann.


23.1.2011

Als ich dann am Morgen das Wohnzimmer betrat, sah es schlimmer aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Ich machte mir aber nicht all zu viele Sorgen, da ich wusste, dass meine Mitbewohnerinnen es schon rechtzeitig wieder sauber machen würden; sie wussten ja, dass ich Besuch bekommen würde.

Das dänische Paar war auch noch am Frühstücken, und wir unterhielten uns sehr nett miteinander. Sie erzählte mir von Machu Pichu (keine Ahnung, wie man das schreibt) und dass sie im Februar da waren und dass man am besten mindestens 5 Monate vorher bucht, damit man bei der Haupttour mitmachen kann (würde ungefähr 200 E kosten). Da sie den Nachmittag über sich die slums anschauen wollten, stellte ich Ihnen in Aussicht, dass möglicherweise Georg sie führen könnte. Sie waren beide sofort gleich begeistert. Dann kam ihr Taxi, und auch ich musste mich aufmachen, um Georg und Familie
am verabredeten Ort zu treffen. Wir hatten dann doch (mit nicht ganz so super bequemen Schuhen noch ein ziemliches Stück bis zur nächsten Busstation zu laufen. An der Station, wo wir ausstiegen, war dann auch schon gleich die Kirche.

Die Messe gefiel mir ausgesprochen gut: sehr schöne Gesänge, eine sehr gute Predigt(auf Englisch) eine Gemeinde, die mitging und mitklatschte und voll und ganz dabei war. Ich hätte den Gottesdienst noch wesentlich intensiver genießen können, wenn nicht sämtliche 8 Türen permanent offen gestanden hätten und ein furchtbarer Durchzug geherrscht hätte. Als der Gottesdienst dann geendet hatte, suchten wir erst mal die Kinder von Georg und seiner Frau. Diese hatten sich, da sie Englisch ja nicht so gut verstehen, ziemlich bald verkrümmelt und man musste jetzt erstmal ihrer habhaft werden. Gregory ist 5 Jahre und wird im März 6 Jahre alt und Rebecca ist 9 Jahre alt. Der 13 jährige Bruder war zu Hause geblieben.

Unterwegs kaufte ich dann noch ein wenig Gemüse (Erbsen, Tomaten, Karotten und Zwiebeln), Georg Frau wollte unbedingt den Beutel tragen. Zu Hause angekommen bot ich zuerst einmal gekühltes Wasser an und machte mich in die Küche, um die Vorspeise zu erwärmen. Die beiden farbigen Damen, die heute Nacht hier geschlafen hatte, machten sich leider ebenfalls auf dem Sessel und dem Sofa breit, so dass meine Gäste gar nicht so genau wussten, wo sie sich denn hinsetzen könnten, außerdem waren auch noch 2 meiner Hausbewohnerinnen anwesend -also alles in allem ziemlich ungemütlich und eng.

Den 1. Gang aßen alle (auch die Kinder) ganz gerne, der 2. Gang war den Kindern zumindest zu scharf, wohingegen die Erwachsenen begeistert waren. Zwischendurch meldeten sich die beiden dänischen Bekannten von Freya und gaben durch, wann mit ihnen zu rechnen sei. Georg war einverstanden noch so lange zu warten. Ich hatte versprochen meinen Computer zu holen und den Kindern, Spiele auf einer bestimmtem CD zu zeigen, aber leider konnte man die Spiele nur öffnen und sich nicht darin bewegen. Meine Hausgenossinnen kamen später dann auf die Idee, dass man sie im Internetcafe, die auch Kopierer haben, ausdrucken lassen und dann als Arbeitsblätter verwenden könne.

Rebecca hatte eine kleine Kamelpuppe mit sehr netter Verzierung, die hier irgendwo herumgelegen hatte, in ihr Herz geschlossen, und nachdem ich Freya gefragt hatte, durfte sie sie behalten. Gregory bekam dafür einen noch ziemlich gut funktionierenden Fußball, den ich hinter der Mülltonne hier schon länger entdeckt hatte, und der ganz offensichtlich niemandem gehörte. Die Kinder gingen sogleich nach draußen, um mit ihm zu spielen. Dann kamen bald die jungen Dänen Sarah und Peter, und die Familie verabschiedete sich.

Als die Dänen dann später wieder zurückgekommen waren, erzählten sie tief beeindruckt von den 3 verschiedenen slums, in die Georg sie geführt hatte. Sie hatten auch in seinem Haus gesessen und Tee getrunken und Georg hatte ihnen ebenfalls die Schule gezeigt. Zum Abschluss hatten sie Georg für die Führung dann doch mehr gegeben als vorher besprochen. Ich meine 1200 KS und für die Schule auch nochmal etwas über 2.000 KS. Georg war wohl sehr gerührt gewesen, und die Dänen hatten versprochen ihren Freunden von der Schule zu erzählen und sie über den Namen der homepage (inklusiv der Kontonummer) zu informieren.

Danach- wieder mit uns zusammen- verlangte es Sarah nach Kontrastprogramm. Sie meinte, sie habe die ganze Zeit seit ihres Aufenthaltes sich überwiegend von Fisch ernährt und jetzt brauche sie mal ordentlich Fleisch. Sie hatten die Adresse von einem sehr guten Restaurant erhalten, das wohl eines der besten in ganz Nairobi sein sollte. Da auch mir nach einer leckeren Mahlzeit verlangte, fragte ich, ob ich sie begleiteten dürfe, sie stimmten beide gerne zu. Um 19:45 wurden wir dann von einem Taxi abgeholt und zum Restaurant gefahren. Dort angekommen gab es ein riesiges Salatbüffet und etliche Bedienstete kamen immer wieder mit Spießen mit leckerem Fleisch vorbei und man erhielt solange von allen möglichen Sorten, bis man sein Schildchen umdrehte, um erstmal in Ruhe essen zu können. Sobald man dann wieder auf „grün“ drehte ,kamen sie erneut mit Köstlichkeiten an. Allerdings fand ich nicht alles wirklich überzeugend gut: die Hähnchenkeule war angekohlt, ein Fleischstück war sehr fett und ein anderes mit Knorpel durchsetzt. Ich glaube, ein richtig schönes großes Steak mit Kartoffeln wäre mir dann doch lieber gewesen, als die vielen kleinen Fleischstücke, die man in rasender Geschwindigkeit immer wieder hintereinander auf den Teller gelegt bekam. Aber ich denke, das Restaurant verdient trotzdem noch mal eine Chance bei mir: erstens weil ich abends schon ein wenig krank war und gar nicht alles so genießen konnte, zweitens werde ich den Mayonaisensalat zukünftig weglassen, drittens auf keinen Fall mehr Fruchtsaft zum Essen trinken, viertens mehr Pausen machen und nur ausgewählte besondere Fleischstücke mir auf den Teller geben lassen.


22.1.2011

Nach dem Frühstück erledigte ich sofort mal wieder 1 Partie Weißwäsche und wartete dann auf Kela (ihr richtiger Name ist Rachel) bis sie zum Losfahren bereit war. Sie hatte mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, mit dem Motorrad erst mal ein Stück zu fahren, bevor wir dann mit dem Matatu in die Innenstadt weiterfahren würden. Na, das wird was werden.....! Zum Glück habe ich derartige Erlebnisse auch schon auf den Philippinen hinter mich gebracht, so dass mir nicht gar zu sehr davor graust.

Also um 11:30 ging es dann tatsächlich los. Die Fahrt mit dem Motorrad (zu dritt) war weniger schlimm als erwartet, und wir kriegten als Anschluss, dann nachdem wir abgestiegen waren, sogar für den selben Preis einen gemütlichen Bus. Kela brachte mich zu einem riesen großen Einkaufszentrum ganz in der Nähe der Universität. Wir verabredeten einen Treffpunkt. Zuerst ging ich in eine Apotheke, aber von Abwehrkräfte stärken hatten die noch nichts gehört: entweder man ist krank, dann braucht man natürlich sofort Antibiotika, oder man ist gesund, dann braucht man nichts. Was dazwischen gibt es in diesen Köpfen nicht. Zuerst wollte sie mir doch tatsächlich Omega3-Fettsäuren verkaufen, dann versuchte sie es mit einem Multivitaminpräparat Ü55, aber so was wie Umkaluabo, oder Meditonsin oder Eupatorium ist hier völlig unbekannt.

Im „richtigen“ Supermarkt erhielt ich dann wenigstens Echinacea, was dem Eupatorium wohl ähnlich ist.

Bis auf Fingerfarben, Buntpapier und Sauerteigbrot erhielt ich alles, was ich brauchte.

Ich traf mich dann wieder mit Kela und lud sie zum Essen ein; es gab mal wieder Hühnchen mit einem asiatischen Reis, und es schmeckte eigentlich recht gut- wenn mir auch die Fleischportion -wie immer zu klein- war. Danach wartete ich erneut auf einen Motorradfahrer, der mich zu der Busstation bringen sollte. Dieses Mal empfand ich die Fahrt als wirklich abenteuerlich. Ich bin eigentlich nicht sehr ängstlich und von meinem Temperament eher ein „sensation seeker“, aber ich musste doch ab und zu die Augen schließen, um nicht vor Angst vom Motorrad zu fallen so gewagt waren manche Überholmanöver, die der sicher erfahrene Motorradfahrer tätigte.

Als ich dann bei der Matatustation angekommen waren, dauerte es noch eine ganze Weile bis es endlich losging. Von meiner Station (Diamondpark), wo ich aussteigen musste, hatte ich bestimmt noch 15 Minuten Rückweg. Es ist doch eine Umstellung, wenn man seine Einkäufe nicht mehr bequem nach Hause fahren kann, sondern schwer beladen, sich durch unebene und unglaublich staubige Wege, sowie Nachmittagshitze nach Hause durchschlagen muss.
Seit heute morgen fühle ich mich ein wenig schlapp und kämpfe mit einer Erkältung. Vermutlich wäre es besser gewesen, sich heute zu Hause ein wenig zu pflegen, und solche Strapazen zu vermeiden. Naja, da hatte mich mal wieder der Ehrgeiz gepackt, denn am Sonntag zum Mittagessen erwarte ich Georg und seine Frau, und da wollte ich natürlich was Leckeres bieten, und einige Zutaten fehlten mir halt noch- von den Schulsachen einmal abgesehen.

Als ich dann ziemlich geschafft zu Hause ankam, bemerkte ich, dass ich den Hausschlüssel zu Hause vergessen hatte, zum Glück hatte ich wenigsten den Schlüssel für mein kleines Zimmer mit. Somit hatte ich Gelegenheit meine Mails zu chequen, und mein Bett ordentlich zu machen. Danach rief ich Freya an und fragte, ob sie sich ev. in der Nähe befände. Sie sagte, sie sei im Haus und mache mir sogleich die Türe auf. So konnte ich mit Essen vorbereiten für den nächsten Tag anfangen: als Vorspeise soll es Spagetthi mit Soße Bolognese geben und als Hauptgericht: ein asiatisches Gericht mit Hühnchenfleisch, Gemüse und Kokosmilch mit Ingwer und Curry abgeschmeckt. Mir schmeckte es ganz ausgezeichnet. Freya, die alles mal probierte, war vor allem von der Bolognesesoße begeistert.

Heute Abend hat Kela zwei Mädchen eingeladen, die ebenfalls heute irgendeine Prüfungssituation wegen einer Bewerbung hatten (sie hatten ein Interview).
Außerdem sollen heute Nacht wohl auch 2 dänische StudentInnen hier schlafen. Da bin ich doch mal wieder froh, dass mein kleines Zimmerchen ein wenig außerhalb der eigentlichen Wohnung sich befindet, und ich somit doch ein wenig meine Ruhe habe.

Morgen früh um 10 Uhr will mich Georg bei der Baptisten-Schule treffen und dann mit mir gemeinsam zur Kirche fahren, die dann von 11-13 Uhr dauern wird. Anschließend werden wir dann alle zu mir zum Mittagessen gehen.

Ich hoffe nur, es wird Ihnen schmecken; als Nachtisch habe ich aus Deutschland mitgebrachte besonders leckere Plätzchen vorgesehen. Heute werde ich mich mal ziemlich früh zurückziehen, erstens bin ich ziemlich müde und fühle mich immer noch ein wenig krank und zweitens wollen die jungen Leute ja auch mal unter sich sein.

Die jungen Leute waren dann insgesamt ziemlich laut, außer den 3 regelmäßig hier lebenden Hausbewohnern waren nämlich das schon bereits erwähnte dänische Studentenpaar anwesend und 2 farbige Ladies feierten auch noch kräftig mit. Dieses Mal achteten sie allerdings peinlich darauf sofort nach Benutzung der Küche das Licht auszumachen. Also insgesamt schlief ich mehr schlecht als recht, aber dafür etwas länger als sonst.


Freitag, den 21.1.2011

Die Nacht war wieder den Umständen entsprechend gut (taghell im Zimmer). Auch Duschen, Frühstück und alles andere ganz wunderbar und „oh, Wunder“ das Wasser in der Küche hatte endlich auch wieder ausreichenden Druck, so dass man problemlos spülen, kochen und – was das Wichtigste ist- Wasser abkochen konnte, um es für den Tag über in den slum mitnehmen zu können.

Nahezu überall auf meinem Weg zur Schule werde ich freundlich mit: „How are you?“ oder Mzungo, (Weißer) how are you?“ begrüßt.

Gestern hatte ich eine der Ziegen auf dem Weg zur Schule gestreichelt, sogleich kam der Besitzer angewetzt und fragte mich, ob ich sie nicht kaufen wolle. Das fand ich natürlich echt witzig, denn was hätte ich wohl mit einer Ziege anfangen können? Er dachte wohl, dass ich sie schlachten und dann ein großes

Fest machen und Leute einladen wolle, aber von solchen Plänen hatte ich natürlich nichts im Sinn.

Als ich dann ich der Schule angekommen war, erwartete mich eine echte Überraschung: Siprose war nicht da. Da stand ich nun einsam und allein vor 17 nurcerykids von 2-4 Jahren plus 20 Preclasschildren. Ein wenig half mir, dass ich die Wochen vorher bei ihren Liedern dabei gewesen war und mittlerweile einige auswendig kannte, außerdem sangen wir natürlich auch wieder unseren sailor, den die Kinder heiß und innig lieben. Es gab dann wieder eine Kneteinheit nacheinander für beide Gruppen, aber ich hatte mit 2 Kindern sehr große Schwierigkeit (sie wollten sich partout nicht hinsetzen, störten nur und wollten sofort die Knete und nicht erst, wenn sie an der Reihe waren). Ein Problem ist natürlich, dass ich nicht ihre Sprache spreche, und sie mein Englisch noch nicht vollständig verstehen. Es reichte mir dann irgendwann, und ich warf 2 besonders nervige Kinder raus. Daraufhin schmiss sich einer von beiden immer wieder von außen an die Tür, so dass diese dann jedes Mal aufflog und mit Getöse an die Wand krachte. Daraufhin bemühte ich mich, die Tür von innen zuzuhalten, woraufhin er unaufhörlich an die Tür polterte und an Unterrichten war kaum noch zu denken. Endlich um 9:30 war die Pause da, und ich konnte die Rasselbande dann erst mal rausschicken. Im LehrerInnenaufenthaltsraum (etwa 3m2 groß) fragte ich dann nach, wo Siprose denn sei und erhielt die Antwort, dass sie mit dem Baby ins Krankenhaus gefahren sei zur anstehenden Routineuntersuchung. Sie hatte mir aber am Tag vorher vergessen zu sagen, dass sie nicht da sein würde, und ich hatte so nicht die Chance mich vorzubereiten, dazu kommt ja auch das schon erwähnte Sprachproblem. Also verkündete ich dann erst mal, dass ich nicht mehr alleine in die Klasse gehen werde. Man überlegte hin und her und schließlich bot sich die Lehrerin der 1. Klasse an, mit mir zu gehen. Ihrer Klasse gab sie vorher kurz Instruktionen und das klappte auch recht gut. Ich wäre lediglich bereit gewesen mit einer älteren Schülerin, die mir als Übersetzerhilfe zur Seite gestanden hätte, wieder die Klasse zu betreten. Die Lehrerin der 1. Klasse ließ dann ein paar gellende Schreie los, und ich unterstützte sie in ihren Bemühungen, in dem ich mit Mimik und Gestik einzelne Kinder in ihre Bänke manövrierte. Nach 20 Minuten war dann Siprose Gott sei Dank wieder da, und wir konnten unser gewohnheitsgemäßes Teamteaching wieder aufnehmen. Nun will ich natürlich nicht jeden Tag auf jedes einzelne Unterrichtsgeschehen eingehen. Mittags gab es dann wieder Ugali und Gemüse, und eine Stunde später erhielt ich als besondere Spezialität ein Gericht mit kleinen roten Linsen – schmeckte wirklich lecker und hierzu überreichte man mir doch tatsächlich einen Löffel zum Essen. In der Pause unterhielt ich mich mit einigen Lehrern, und Benedikt, der vertretende Schulleiter, erzählte mir, dass normalerweise kleine Kinder mit 2 Jahren natürlich noch nicht in den Kindergarten gehen. Als dann Naum kam, gab ich ihm erneut 1000 KS, da er mich darum gebeten hatte, mir Geld für 40-50 Pencils für die älteren SchülerInnen zu geben; außerdem hatte ich ihn gebeten, mir Buntpapier zu besorgen.

Alles andere auch die Rückfahrt verlief dann ohne nennenswerte Ereignisse.

Endlich eine Mail von meiner Freundin Gerlinde, auf die ich schon so lange gewartet hatte. Ich freue mich doch sehr über persönliche Mails und warte jeden Tag sehnsüchtig immer wieder drauf.

Hatte ich übrigens erwähnt, dass wir hier mit einem Kaninchen zusammenwohnen. Es ist ja ein total süßes Tier, aber sie macht natürlich gelegentlich auch ganz schön viel Dreck und hat auch schon 2x -wie das Kaninchen halt so tun- verschiedene Kabel angeknabbert. Als ich dann mal Wäsche waschen wollte kam dann aus einem solch beschädigten Kabel eine Stichflamme. Ganz schön gefährlich. Das hätte, wenn so was in unserer Abwesenheit passiert wäre auch einen Zimmerbrand geben können.

Gegen 22 Uhr hat es mit einem Telefonanruf mit Manuela dann doch noch geklappt. Ich habe die teuerste Variante gewählt, und sie in Uganda auf ihrem handy angerufen; natürlich konnten wir deshalb nur einige Minuten miteinander sprechen, weil dann mein Guthaben verbraucht war. Trotzdem war es sehr schön für mich mal wieder mit jemandem auf deutsch zu sprechen- wenn auch nur kurz.

Morgen früh werde ich mit Kela wieder in die Nairobi Innenstadt mit dem Bus fahren und einige Einkäufe tätigen (einige Utensilien für die Schule, z.B. will ich versuchen, Fingerfarben und Buntpapier für die Schule zu erhalten).


Donnnerstag, den 20.1.2011

Die Nacht war zum Glück wesentlich besser als die letzte Nacht. Beim Toilettengang in der Nacht hatte ich bereits realisiert: Gott sei Dank, es ist wieder Wasser da. Also wieder Duschen möglich!! Über so Kleinigkeiten kann man sich hier so richtig freuen. Dann aber die Enttäuschung beim Frühstück machen. Der Wasserdruck in der Küche reicht nicht aus, um größere Mengen an Wasser im Wasserkocher heiß zu machen, zum Glück hatte ich mir am Abend noch 2 kleine Flaschen gekauft, und es gab noch einen Rest. Für die anderen würde es jetzt nicht so gut aussehen, deshalb ließ ich wenigstens einen Teil meines gekauften Wassers zurück.

In der Schule angekommen, begrüßte ich wie jeden Morgen zuerst mal Naum und die anderen LehrerInnen falls sie mir denn begegneten. Dann wieder ab in die Vorklasse.

Die Kindergartenkinder bekamen heute auf Vorschlag von Siprose von mir auf ein Blatt je ein Dreieck und einen Kreis gemalt, die sie dann mit Buntstiften ausmalen durften; später gab es dann ein Arbeitsblatt anhand dessen sie Bälle (also Kreise) und Autoreifen nachmalen durften. Siprose vermerkte überall die Namen auf den Zeichnungen der Kinder, so konnten wir sie später dann wieder in die Mappen der Kinder einsortieren- bis auf 2 Kinder haben jetzt alle Kinder ihre eigene Mappe.

Um 10 Uhr war wieder ein kurzes meeting: Ein junger „Freiwilliger“ Bob -ein Chinese- war den ersten Tag in der Schule und erhielt einen netten Einführungsvortrag von Naum im Sinne von alle Erfolge, die man hier in der Schule zukünftig haben werde, seien nur auf
gemeinsame Anstrengungen zurückzuführen. Er gab auch Beispiele über die Erfolge, die Merel und ich bereits zu verzeichnen hätten. Die jungen Leute verabschiedeten sich heute schon sehr früh um 12 Uhr. Merel hatte vorher noch eine Englischstunde gegeben. Sie klagte erneut über starke Kopfschmerzen und erhielt eine Iboprophem von Naum.

Wieder in der Klasse erhielten die „richtigen“ Vorklassenkinder erneut ein Arbeitsblatt, das sich zu einem netten Bild abzeichnete, wenn die kids die jeweiligen Punkte zwischen eins und zwei und so weiter richtig vervollständigten. Dann arbeiteten wir wieder mit den bunten „Pfeifenputzern“. Dieses Mal versuchten sich die „Großen“ an Flechtübungen; gelang einigen schon recht gut. Siprose möchte sich gerne ein wenig Geld zusätzlich verdienen, sie wird einmal im Monat zu uns kommen, um das Haus, in dem ich mit den Studentinnen zusammen wohne, sauberzumachen.

In der Mittagspause, nachdem ich den üblichen Ugali mit dem meist üblichen Gemüse gegessen hatte, nahm ich mir alle Arbeitsblätter und Mappen vor. Gemeinsam mit ein paar älteren SchülerInnen verzogen wir uns in den Klassenraum der Klasse 7, und sie halfen mir bestimmt eine halbe Stunde lang, alles in Mappen einzuordnen. Den Rest der Mittagszeit setzte ich mich in den Vorraum vor dem „office“ und unterhielt mich ein wenig mit dem Sozialarbeiter, der hier manchmal vorbeikommt und dem älteren Lehrer (Mister Owiti). Später zeigte ich dem Sozialarbeiter auch das Bandolino, von dem er sehr begeistert war. Als er es allerdings selbst versuchte, stellte sich heraus, dass er wohl halb blind sein müsse. Ich riet ihm ganz dringend zu einem Spezialisten zu gehen, da ich befürchte, er könnte sonst bald erblinden. Um 14 Uhr ging ich in die Klasse und fing an mit der Klasse ein paar Lieder zu singen. Zum Glück machten die Kinder gut mit, denn Siprose verspätete sich ein paar Minuten.

An dieser Stelle will ich nicht ausführlicher auf den Nachmittag eingehen, aber stattdessen-wie ich versprochen habe- auf das Schulsystem.
Die Kindergartenstufe beginnt mit 3 Jahren, ist aber freiwillig. Mit 4 spätestens mit 5 Jahren kommen die Kinder in die Vorklasse; hier gehen alle Kinder hin- wenn sie denn überhaupt in die Schule geschickt werden. Der große Unterschied zwischen unserem Schulsystem und dem kenianischen besteht darin, dass die afrikanischen Schüler bevor sie in die 1. Klasse kommen, die wichtigsten Grundkenntnisse im Lesen, Schreiben und im Rechnen erworben haben müssen. Sie müssen auch schon Schreibschrift schreiben können und nicht nur bis 100 zählen, sondern auch schon rechnen können. Die Primary School geht bis zur 4 Klasse, die Mittelschule bis einschließlich Klasse 8, ab Klasse 9 geht dann die Secondary School los, ich weiß aber nicht so genau, ob bis Klasse 12 oder 13 und dann -wer es schafft- noch bis zur Universität.

Da so viele Kinder in der Klasse sind und eine unglaubliche Enge herrscht, ist es fast nicht möglich, bis zu den letzten Bänken heranzukommen, um z.B. Bleistifte zu verteilen. Diese werden vor jeder Arbeit ausgegeben und dann sofort wieder eingesammelt, da die Kinder nichts wieder mitbringen würden. Außer Frühstück (manchmal in kleinen Rucksäcken) und total dicken Pullovern oder Westen bringen die Kinderkinder und auch die Vorklassenkinder nichts mit. Auch die Übungshefte bekommen sie gestellt.

Heute blieb ich bis 15:30 in der Schule. Zuhause dann angekommen, war es zwar wieder möglich zu duschen, aber in der Küche kam nur ein winziges Rinnsal aus dem Wasserhahn und als ich dann später kochen wollte, musste ich mir mit einem Eimer Wasser aus der Dusche holen, dann in den Wasserkocher geben, um das Wasser für den Reis heiß zu machen. Kaltes Wasser im Topf auf den Gasbrenner zu stellen, würde zu viel Energie verschwenden. Als ich gerade beim Kochen war (ich hatte noch von gestern Kokosmilch-soße mit Hühnchen, Zucchini und Karotten da, die ich nur aufwärmen musste) ging auf einmal das Licht aus (Strom auf einmal weg- passiert in der Schule übrigens ständig), da dachte ich so bei mir, dass es doch ein Riesenvorteil ist, auf Gas zu kochen -solange der Behälter voll ist....Heute gab es dann Reis statt Nudeln dazu.
Danach begann ich alle Wassertanks, die es im Haus gab, unter den Wasserhahn in die Dusche zu stellen und mit Wasser zu füllen. Nachdem Freya nach Hause gekommen war, nahm sie die beiden Eimer, holte aus dem Badezimmer Wasser, erhitzte eine ganze Menge davon und fing an, alles, was herumstand, in einem Eimer zu spülen und in dem anderen nachzuspülen – ziemlich mühsam und das alles dann auch noch in gebückter Haltung, ich spülte dann den Rest und reinigte die Eimer. Manuela hat mir mittlerweile geschrieben, dass sie nicht versteht, warum es gestern Abend nicht mit dem Telefonieren geklappt hat. Ich hatte, wie sie gewünscht hatte, zuerst ihre Nummer in Uganda angerufen, aber ich bekam unter egal welcher Nummer nie einen Anschluss. Nun will ich es heute erneut versuchen. Hoffe, es klappt.

Leider klappte es wieder nicht. Die Telefonnummer, die ich erhalten hatte was permanent besetzt, daraufhin schickte ich ihr eine sms, in der ich darlegte, dass ich immer wieder versucht hatte, sie zu erreichen. Sie mailte mir zurück, dass sie für dieses Phänomen auch keine Erklärung hätte, und bot mir für den nächsten Abend an, dass wir es mit einer 3. Telefonnummer versuchen könnten. Nun hoffe ich natürlich sehr, dass wir am nächsten Abend endlich Verbindung bekommen können.


Mittwoch, den 19.1.2011

Diese Nacht hatte ich große Probleme mit dem Einschlafen. Erstens war Vollmond, zweitens hatte ich 4 Stunden nach meinem Abendessen schon wieder Hunger, und drittens ließen meine lieben MitbewohnerInnen bis spät in die Nacht das Licht in der Küche an, dass es nahezu taghell in meinem Zimmer war, und ich brauche einfach Dunkelheit zum Einschlafen. Da mein Zimmerchen außerhalb des Hauses ist, sah ich mich also genötigt, zweimal aufzustehen, das Haus aufzuschließen und darum zu bitten, dass man doch das Licht in der Küche ausmachen solle. Also, ich denke vor 12:30 war ich sicher nicht eingeschlafen.

Dann am nächsten Morgen schon vor 6 Uhr war auch wieder einer meiner Hausbewohner am herumkruschbeln und Waschwasser ausschütten und die Außentür auf und zumachen. Also war an nicht mehr als an maximal 5,5 Stunden Nachtschlaf zu denken; Gott sei Dank ist das nicht jede Nacht so.
Der Morgen fing dann auch wieder superklasse an... Peter machte mich darauf aufmerksam, dass es kein Wasser gibt. Na klasse, also kein Duschen! Zum Glück habe ich aus Deutschland Feuchttücher mitgebracht, die mir über das Gröbste hinweghalfen. Peter fand dann draußen auch noch einen Tank mit Wasser, und ich konnte mir wenigstens ein wenig Tee machen. Naja, ein Gutes hatte die Sache- ich war wenigstens ein wenig früher als sonst in der Schule. Heute probierten wir mit beiden Gruppen hintereinander mit den Pfeifenputzern Figuren aus (z.B. einen Kreis, und eine Schlange, bzw. Wellen und später Zickzacklinien); war für die meisten Kleinen eher schwierig, außer dem Kreis. Mit der Knete machten wir auch wieder alle Formen durch und Siprose rechnete mit den Älteren. Zwischendurch ging ich mal mit einem besonders begabten Schüler heraus, da bei intensiver Förderung, er vielleicht in 1 Monat in die 1. Klasse springen könnte.

In der Pause saß ich dann mit Merel auf dem Schulhof, und wir plauderten nett. Sie erklärte sich bereit, mich nach der Schule zur Matatustation, von wo man dann zur Innenstadt gelangen kann, zu begleiteten; vorher gingen wir dann wieder essen; dieses Mal in einer anderen Gaststätte; schmeckte so recht lecker, nur die kleinen Fleischbröckchen hatten keine Qualität. Merel meinte, nebenan sei ja ein Metzger und vielleicht, würde man hier die Fleischabfälle verarbeiten- kein besonders schöner Gedanke. Ich meinte, bei uns sei halt so ein Fleisch Suppenfleisch und kein Gulaschfleisch. Das Gemüse und der Reis war aber lecker und für umgerechnet 1,5 E gab es dann zu dem Essen auch noch eine Cola. Da sieht man mal, was Coca Cola normalerweise verdient; so eine Flasche Cola hätte in Deutschland alleine schon so viel gekostet und hier war noch ein leckeres (bis auf das Fleisch) Mittagessen dabei.
Danach gingen wir zur Matatustation, von wo aus der Bus in die Stadt starten sollte. Ich hatte Glück und erwischte gerade noch den Bus. Nach etwa 20 Minuten war ich an der Busendhaltestelle angekommen. Merel hatte mir freundlicherweise einen kleinen Plan gemacht, wo ich die größten Supermärkte finden könne und nachdem ich mich erst einmal bei einem Obstverkäufer, welcher kleine Schalen mit kleingeschnittenem Obst verkaufte, aufgehalten hatte (sehr lecker!!!) und noch 2 mal gefragt hatte, fand ich auch problemlos alle Supermärkte und konnte das meiste besorgen. Da ich mich relativ früh dann wieder auf den Rückweg begeben konnte, kam ich nicht in die rushhour und kam nach etwa einer halben Stunde wieder bei der Station an, die zu meinem Estate führt. Leider hatte ich dann aber noch 20 Minuten mit schwerem Rucksack, noch schwererem Beutel und Einkaufstüte (mit Schulmaterialien) zu tragen und dies bei mindestens 25 ° C – das war schon eine echte Herausforderung!!

Als ich dann zu Hause ankam, verkündete Freja sogleich die Botschaft, dass wir immer noch kein Wasser hätten. Wunderbar, den ganzen Tag kein Wasser. Zum Glück hatten wir etwa 3 Liter kaltes Wasser im Kühlschrank, aber wenn es morgen immer noch kein Wasser gibt, müssen wir uns wirklich was einfallen lassen. An Toilettenspülung war den ganzen Tag natürlich auch nicht zu denken, nur gut, dass ich erst um 17 Uhr nach Hause kam. Natürlich haben sich meine Mitbewohnerinnnen sofort bei der richtigen Stelle beschwert. Man stieß auf Unverständnis, und es hieß, alle anderen rings um hätten aber Wasser – ein schwacher Trost!! Dann ließ man sich endlich abringen zu verkünden, dass wir heute Nacht ab 24 Uhr wieder Wasser hätten- ist allerdings zum Duschen ein bisschen spät!!!! Ja, so sind hier die kenianischen Verhältnisse. Nun ein anderes Thema:
Was ich, z.B. ganz schrecklich finde: in der Schule in der Mitte des Schulhofes gibt es eine kleine Vertiefung, wo jeder Schüler, wie Lehrerkollegium seinen Dreck reinwirft. Auf meine Frage hin, ob denn die Müllabfuhr nicht käme, um den Abfall abzuholen, kriegte ich nur die Antwort, man würde es dann nur 3 Meter weiter an den Fluss schmeißen. Nairobi erstickt im Abfall, überall selbst an der Straße, wo ich jeden Morgen entlang fahre, Berge von Abfälle und herumfliegende Plastiktüten. Als „grüner“ Mensch kriegt man hier echte Zustände. An diesem Thema bleibe ich mit Sicherheit dran und werde demnächst mal mit dem Schulleiter ein sehr ernstes Gespräch führen: schließlich geht es bei den SchülerInnen ja auch um die Grundhaltung, und wenn man als kleines Kind schon vorgemacht bekommt, dass man seinen Dreck überall hinschmeißen kann, wie soll man dann als Erwachsener ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass eine saubere Umwelt für alle wünschenswert ist.

Leider hat es mit meinem geplanten Telefonanruf nicht geklappt, obwohl ich mich sehr darum bemüht habe. Ich vermute, dass etwas dazwischen gekommen ist -oder dass es vergessen wurde; vielleicht meldet sie sich ja noch im Laufe des Abends.


Di., den 18.1.2011

Ja, wie war der heutige Tag eigentlich? Habe den Eindruck so langsam wird das Leben für mich hier schon zur Routine. Zuerst ging ich heute morgen -nachdem ich wieder etwas länger auf das Matatu gewartet hatte- und dann endlich im slum angekommen mich von Stein zu Stein springend durch den Unrat und die stinkenden Rinnsale zur Schule hin bewegt hatte, dann wieder in die Vorklasse. Heute begleitete mich die eine Sozialpädagogik-studentin Yoice und half mir beim Knete austeilen und übersetzte, was die kleinen Mäuse modellieren durften. Siprose konnte in dieser Zeit prima mit den Älteren arbeiten. Was nur ziemlich blöd war, dass immer noch die entwendete Bank fehlte, die gestern ein anderer Lehrer aus heiterem Himmel einfach der Vorklasse weggenommen hatte (ohne größere Begründung). So mussten 4-5 Kinder auf einer Bank seitlich an der Wand sitzen ohne Tisch, was sich insbesondere später besonders negativ auswirkte, weil die Kleinkinder sich dann in den Dreck knien mussten, um auf der Bank (auf der sie vorher gesessen hatten), das Blatt zu bemalen. Die „Großen“ durften mit Hilfe von vorgezeichneten Blättern mit den neuen Scheren heute ausschneiden, was die meisten (oh Wunder) nach anfänglichen Schwierigkeiten bis auf eine Ausnahme tatsächlich hinbekamen.

Um 10 Uhr war ein ganz kurzes Meeting, und ich übergab Georg -wie versprochen- die 7000 KS. Vorher hatte ich noch einen Lehrer mit 1000 KS gesponsert, weil vor gar nicht langer Zeit sein Haus abgebrannt war, und er alles verloren hatte und nur noch die Kleider, die er auf der Haut trug, ihm geblieben waren.
Alles klappte in der Schule heute ganz gut, die Kinder sangen auch wieder mit Begeisterung das Sailorlied (Ein kleiner Matrose...von mir auf Englisch übersetzt).

Ich fand es heute allerdings ziemlich anstrengend, und hatte den Eindruck, dass mich die liebe Siprose ganz schön schaffen und rotieren ließ. Unter anderem wurden von mir heute in der Pause vielleicht 40 Buntstifte gespitzt, und wir haben, die neuen Zeichnungen (die Großen sollten einen Bausteinbau so anmalen, dass nur immer die Quadrate bunt angemalt wurden), dann in die neuen Mappen gesteckt.

Ich war um 12:20 dann ziemlich froh, endlich eine Mittagspause zu haben. Merel und ich waren verabredet, und wir gingen wieder in die Gaststätte, wo uns neulich der Reis mit der Soße so gut geschmeckt hatte, und ich musste (da ich ja abends so selten Fleisch zu essen kriege) natürlich unbedingt ein Hähnchenteil dazu essen). Zum Glück ging es Merel heute wieder besser und die Malariahypothese war mit dem heutigen Tag wieder ein wenig mehr in den Hintergrund getreten. Ich verstehe mich mit ihr recht gut, und erzählte ihr während des Essens ein wenig über meine Arbeit in Deutschland als Schulpsychologin.

Danach musste ich den Weg von unserem Ort des Speisens wieder alleine durch den slum zur Schule finden, was mir aber noch nicht gänzlich gelang, so musste mir Georg also wieder Virginia schicken, die mich abholte, dieses Mal kriegte sie von mir aber 100 KS, weil sie mich ja schließlich schon öfters abgeholt und quasi „gerettet“ hatte. Nach der Schule und anschließender Matatufahrt ging ich dann noch zu der Barclaybank, die Georg mir gezeigt hatte und „Oh, Wunder“ ich kriegte tatsächlich meine 200 E umgetauscht und nicht mal zu einem schlechten Kurs. Jetzt hoffe ich, dass ich für 1-2 Wochen mal wieder flüssig bin. Es sei denn, ich werde für das große Klassen-Aufstockungsprojekt bald „zur Kasse“ gebeten (aber dafür bin ich ja auch hier). Natürlich ist mein Budget hier nur sehr begrenzt (bisher stehen mir von Freundinnen und Freunden insgesamt „nur“ knapp 1000 E zur Verfügung, die in diese für die Schule sehr notwendigen Projekte gesteckt werden können.
Danach zu Hause ging alles wieder seinen gewohnten Gang : Duschen, ein wenig Lesen, E-Mails beantworten, Abendessen zubereiten (meist warm), dann Bericht schreiben – manchmal auch mit den HausbewohnerInnen ein wenig was erzählen. Ja, das Fernsehen fehlt mir ja schon manchmal ein wenig...Morgen Abend soll dann ein wenig Abwechslung in mein Leben kommen, da ich mit Manuela Müller (die zur Zeit in Kampala, der Hauptstadt von Uganda weilt) für einen Telefonplausch verabredet bin.

Die anderen Internen, die in dem anderen AIESEC Haus wohnen (unter anderem Merel) wollen am Wochenende nach Mombasa mit dem Bus fahren. Da wäre ich natürlich auch sehr gerne mitgefahren. Merel will fragen, ob es möglich ist, für mich noch eine Busfahrkarte zu besorgen, bzw. ein Einzelzimmer zu buchen. Das wäre natürlich super, bin mal gespannt, ob es noch klappt. Ich werde den jungen Leuten dann dort bestimmt nicht am „Schürzenbändel“ kleben, sondern mich am Strand abseits legen, aber so ein wenig Anbindung (bzw. wenn ich mich an was bereits Organisiertes mit gemeinsamer Hin- und Rückfahrt dranhängen könnte) wäre echt toll.

So, jetzt ist es bereits 23 Uhr, und ich habe eine Stunde auf meinem Bett sitzend (auf echt skandalöser Matratze völlig durchgelegen und löst sich bereits in seine Bestandteile auf) den heutigen Tag in groben Zügen beschrieben. Dann Morgen auf ein Neues!!! – vielleicht getraue ich mich doch alleine nach Nairobi in die City reinzufahren, um das eine oder andere noch im Supermarkt einzukaufen. Dann muss ich allerdings früher von der Schule aufbrechen und damit rechnen, dass ich etwa 2,5 Stunden (wegen der Rushhour) für den Rückweg brauche.


Montag, den 17.1.2011

Heute um 10 Uhr hatten wir ein meeting mit Georg (dem Manager der Schule), dem Schulleiter Naum, Merel und mir.

Im meeting heute habe ich mal ein paar kritische Worte bezüglich Abhängigkeit auf Dauer (insbesondere, was die Kosten für die Mittagsspeisung betrifft) einfließen lassen, ist aber bei Naum nicht gerade auf Begeisterung gestoßen. Im Gegenteil - er wollte mir schon fast frech kommen: 3000 KS für die Woche inklusiv Ugali, Gemüse und insbesondere Heizmaterial sei zu wenig. Er hätte quasi noch 1200 zu bekommen. Mag ja sein, hatte er vorher aber nicht so deutlich gesagt. Ich meinte, sie sollten auf jeden Fall versuchen, mehr foundraising zu betreiben und schauen, dass sie jemanden finden, der auf Dauer die Kosten für das Mittagessen übernimmt. Georg stellte dar, wie schwierig es sei und dass sie maximal mal für einen Monat von einem Geschäftsmann die Kosten für das Mittagessen übernommen bekommen würden.

Dem holländischen Mädchen Merel ging es mal wieder nicht so gut, sie beschrieb sich als benommen und schwindelig. Naum hatte die Hypothese, sie könnte Malaria haben, obgleich sie Malariaprophylaxe durchgeführt hatte. Ich glaube eher an einen Sonnenstich, da sie immer ohne Sonnenhut herumläuft. Wenn es ihr in 2 Tagen nicht besser geht, soll sie Antibiotica einnehmen. Also, weil es ihr nicht so doll ging, sagte sie auch nicht so viel zu der ganzen Diskussion. Auf jeden Fall wird momentan ein neuer abschließbarer Schrank gebaut, damit dann von Merel anzuschaffende neue Bücher in diesen verstaut werden können.
Georg legte einen Kostenvoranschlag für ein weiteres Projekt und die Kosten für die zukünftige zu erledigende Arbeit (Teilung der Küche...) vor und stellte dar, dass das Geld von Manuela (7000 KS) nicht ausreiche, und er noch ingesamt 6.600 KS brauche. Ich fand die Aufstellung eigentlich ziemlich glaubwürdig. Naum bekam (dann ohne Rechnung- hoffe ich bekomme sie noch..) erneute 1000 KS für ein festes Schloss für die Vorklasse, damit keiner die Materialien aus dem (neuen) Schrank der Vorklasse entwenden kann. Ich fand sowohl den Preis als auch die Vorsichtsmaßnahme übertrieben, aber ich ließ mich drauf ein.
In der Vorklasse lief es heute stellenweise ziemlich gut, und es gab Momente, wo fast alle mal am Schaffen waren. Die Kleinen haben sich mittlerweile ganz gut an mich gewöhnt, und ich denke, dass ich eine echte Entlastung für die Vorklassenleiterin darstelle. Sie freute sich total über das Papier (zum Malen für die Kleinen), die 10 Scheren und die vielen Mappen, so konnten wir heute beginnen, die Arbeiten und Zeichnungen, in die Matten hereinzulegen. Jeder der älteren SchülerInnen hat nun so eine und wenn ich das nächste Mal im Supermarkt sein werde, werde ich noch 18 neue mitbringen.

Zum Mittagessen bekam ich dann Ugali (Maisbrei) von ziemlich fester Konsistenz und Gemüse (mit viel Kohl) zu essen – schmeckte ziemlich gut. Dann nach 2 Uhr gab es noch mal Arbeitsblätter für die Älteren (ein nettes Zahlenbild mit Clown) und eine Knetübung (Schlange in S-Form natürlich) für die Kleinen.
Das nächste Mal werde ich dann ein wenig was zum Schulsystem in Afrika erzählen.

Um 15 Uhr verabschiedete ich mich, und eine junge afrikanische Dame wartet bereits auf mich. Es war ausgemacht, dass sie bei uns im Haus heute einiges sauber machen wollte – insbesondere die Bäder (was mich natürlich besonders freute) Außerdem wollte mir Gela (eine Mitbewohnerin) wohl zeigen, dass sie auch saubrer sein kann, denn sie putzte heute (dem Plan gemäß) das ganze übrige Haus, so dass man sich heute so richtig wohl fühlen konnte.
Leider war meine phantastische Toilettenbürste bei einer der ersten Benutzungen schon zu Bruch gegangen (war wohl eine schlechte Qualität, aber was will man für 70 Cent auch erwarten) und Freya versprach eine neue recht bald zu besorgen. Ich bot ihr an, mich an der neuen auf jeden Fall beteiligen zu wollen.
Meine HausbewohnerInnen haben leider fast gar kein Geld und mein Vorschlag, doch jede Woche, eine Dame, die sauber macht, zu beschäftigen, stieß deshalb nicht auf sofortige Zustimmung. (In Euro umgerechnet würde es für jeden pro Woche nur 1 E kosten, aber selbst das ist ihnen leider zu viel, und ich möchte auch nicht allein finanziell für die Sauberkeit aufkommen.

Nach dem Duschen hörte ich mir die jazzartigen Musikstücke von der Musikgruppe von meiner Tochter Mima an, nachdem ich sehnsüchtig alle ihre online-gestellten Fotoalben angeschaut hatte: sie fehlt mir schon sehr, auch wenn sie auf den Fotos meistens sehr glücklich aussieht und ich mich deshalb richtig für sie freuen sollte.

Um 19 Uhr machte ich mir mein Abendessen: heute gab es Karotten mit Reis und 2 Eier - alles schmeckte super, hält nur leider alles nicht so lang bei mir vor, und ich habe hier ständig Hunger. Muss bald schon wieder einkaufen gehen, scheue mich aber nach Nairobi direkt in die city alleine reinzufahren, obgleich es ziemlich nahe an der letzten Bushaltestelle einen ziemlich großen Supermarkt gibt. Heute Abend haben sich hier alle ziemlich früh zurückgezogen. Freya war den ganzen Tag arbeiten und braucht dann um von der Stadt zurückzukommen etwa 2,5 Stunden und muss von ihrer Arbeitsstelle zur Halte stelle noch 25 Minuten laufen.

So jetzt ist es 22:30 und nachdem ich brav alle meine Mails beantwortet und auch meinen Bericht geschrieben habe, werde ich mich schulisch noch ein wenig auf den morgigen Tag vorbereiten.

Morgen um 7:15 heißt es dann wieder aufstehen, Duschen, Anziehen, Frühstück machen, zur Matatubushaltestelle laufen und zur Schule fahren.


Sonntag, den 16.1.2011

Das Wetter ist meist erträglich -vergleichbar unseren Sommern, doch meist nicht über 30°, morgens ist es sogar häufig noch recht kühl. Gerade sitze ich jetzt, z.B. auf der Terasse unseres winzigen Gartens, wo unser Hauskaninchen sich gerade am Gras gütlich tut, und hier sind es um 10 Uhr Ortszeit (8 Uhr in Deutschland) gefühlte 15 °. Was nicht so schön ist, ist der permanente Blick auf den Stacheldrahtzaun, denn unsere Estate (vergleichbar einem kleinen Dorf, aber ohne Dorfmittelpunkt -eigentlich nur eine Häuseransammlung von Neubauten) ist von Wachpersonal permanent beobachtet und umgeben von Stacheldraht.

Ich habe hier mein eigenes -wenn auch sehr kleines Zimmer (schätze 5-6 m2, in das ich mich bei Bedarf jeder Zeit zurückziehen kann. Allerdings ist das selten notwendig, die StudentInnen hier sind meist sehr leise. Es gibt viele Stunden am Tag, wo jeder vor seinem Computer hockt.

In der Mittagszeit fing ich dann wieder mal mit Waschen an. Dieses Mal dunkle Wäsche und nach der bereits beschriebenen Methode und die 2. Maschine galt der Badezimmermatten, die ich so verdreckt nicht mehr ertragen konnte. Mit dem Schleudern klappt es noch nicht so gut, da hole ich mir dann immer mal wieder negatives feed-back, bzw. Belehrungen meiner Mitbewohnerinnen, da sie Angst haben, dass die Maschine kaputt gehen könnte. Der Tag ging so schnell herum mit Waschen, kochen, Vorbereitung für den nächsten Tag in der Schule und Kleineinkauf, dass ich kaum weiß, wo der Tag geblieben ist.


Samstag, den 15.1.11

Heute wollen wir mit der Hausgemeinschaft gemeinsam in die Stadt fahren, ein wenig bummeln und einen Kunsthandwerkermarkt besuchen. Ich will mir in einem Supermarkt auch ein paar Sachen kaufen: Marmelade, einen Avocado, und eine Mango,mehr brauche ich zur Zeit nicht, da ich gestern ja erst einkaufen war und Karotten, Tomaten, Bananen, Brot, Spagetti und Öl im Haus sind. Also erst mal genug zu essen für die nächsten Tage.
Gegen 12: 30 waren dann alle ausgeschlafen und startklar. Da ich bereits um 8 Uhr gefrühstückt hatte, hatte ich gegen 12:15 schon wieder Hunger und aß meinen Rest Spagetthis mit Hackfleischsoße noch von gestern. Dann ging es los! Zuerst mussten wir ein ziemlich langes Stück die Mobassaroad entlang laufen, dann als wir fast an der Bushaltestelle waren, zeigte mir Freya noch einen Obststand, an dem man sehr gutes Obst erhalten kann. Dann stiegen wir in einen für afrikanische Verhältnisse wirklich sehr komfortablen Bus ein. Wir brauchten etwa 1 Stunde bis wir in Nairobi ankamen. Nairobi ist halt eine echte Großstadt mit vielen Hochhäusern, sehr vielen Autos und Menschengewimmel, stickig und dreckig. Heute waren wir insbesondere wegen der Kunstgewerbeartikel losgezogen, die wir uns in verschiedenen Märkten anschauen wollten.

Mich nervt ja ziemlich, wenn ich auf den Märkten ohne Ende von allen Seiten angequatscht werde und man dann mehr oder weniger versucht, mich in irgendwelche Geschäfte hineinzukomplementieren, um mich dann erst mal in ein Gespräch zu verwickeln und dann versucht mir irgendwas aufzuschwätzen, was ich eigentlich gar nicht haben will.

Das erbarmungslose „Herunterhandeln“ der Kundschaft finde ich auch nicht sympatisch, weil die armen Leute ja auch irgendwie ihr Auskommen haben müssen.

Einiges habe ich mir dann doch an Schmuck neu zugelegt, u.a. 2 runde Türkisohrhänger und einen schönen Armreif – alles sehr günstig. Zum Schluss gingen wir noch in einen größeren Supermarkt und kauften, was wir alles so für die nächsten Tage brauchen werden und am Ende waren wir alle ziemlich kaputte. Weil wir insgesamt 8 Leute waren (inklusiv zweier afrikanischer girls, die Kela kannte) handelte Kela mit dem Fahrer aus, dass wir bereit wären, einiges mehr zu zahlen, wenn er uns bis nach Hause fahren würde- und es klappte tatsächlich, und wir wurden bis zu unserer bewachten Estate gefahren. Heute Abend soll jetzt eine Party steigen.

Peter hat sich bereit erklärt, Chiabatti zu machen und dazu gibt es ein aus Gemüse bestehend aus Zwiebeln, Tomaten, grünen Paprikas, Avocados und. Bin mal gespannt, wie alles zusammen schmecken wird. Drinks gibt es auch- es war Wodka und Limonen, sowie Weißwein gekauft worden. Nachdem ich die Paprikas kleingeschnitten hatte, habe ich mich erstmal für ein paar Minuten zurückgezogen. Jetzt habe ich Hunger, wie ein Bär und bin gespannt auf das leckere Essen und die anschließende Party. Ich finde es natürlich klasse, dass ich von den jungen Leuten akzeptiert werde -trotz meines fortgeschrittenen Alters.

Naja, ne richtige Party war's dann nicht. Aber das Essen war prima. Peter war fast den ganzen Abend mit dem Formen und Ausbacken der Chiabatis beschäftigt. Spät am Abend entschieden sich die jungen Leute noch zu einer Bar zu gehen und als ich dann schlafen wollte, war das Licht mal wieder in der Küche an, und es gab lautstarke Unterhaltungen, dann später auch noch mal, als man dann von der Bar nachts um 4 nach Hause kam, aber ich steckte mir die Ohrenstöpsel in meine Ohren und da ich ziemlich müde war, schlief ich wieder schnell ein. Ein wenig mehr Schlaf brauche ich hier schon als in Deutschland, aber ich habe ja auch viel an neuen Eindrücken zu verarbeiten.


Freitag, den 14.1.11

Heute war ich nur sehr kurz in der Schule. Zuerst ging es schon so los, dass kein Matatu kam, und ich ziemlich lange an der Straße warten musste und das, was dann endlich kam war natürlich propper voll, so dass ich mich der Not gehorchend an einen ziemlich wuchtigen farbigen Herren quetschen musste – die Alternative wäre gewesen noch länger zu warten oder zu laufen. Ich glaube, er fand das Gequetsche auch nicht so toll – „but they are used to that.“
In der Schule traf ich bald Georg, und ich bat, ihn zu fragen, was das Kollegium davon hält, einen CD -Rekorder anzuschaffen. Georg rief dann eine spontane LehrerInnenkonferenz ein.

Merel hatte dann aber die Idee, dass ihre Mutter, die Mitte Februar kommen will, einen, den sie nicht brauchen würden, mitbringen könnte. Jeder durfte dann ganz kurz seine Meinung dazu sagen. Es erinnerte mich schon an normale Lehrerkonferenzen. Leider war der Krach draußen so schlimm, dass ich kaum etwas inhaltlich verstehen konnte, von dem was gesagt worden war. Schließlich ging ein Lehrer raus und sorgte ein wenig für Ruhe. Als ich dann in die Klasse zurückkam, war ein älterer Schüler bei der Vorklasse, und sie waren ganz manierlich. Ich versuchte dann mit 37 Kindergarten- und Vorklassenkindern mit dem Unterricht zu beginnen und merkte, dass dies überhaupt nicht möglich war, also eilte ich Cypris zu holen. Wir hatten besprochen, dass wir heute den Kopf mit allen Bestandteilen besprechen wollten. Cypris kennt dazu sehr nette Singspiele als Vorbereitung, und es war ausgemacht, dass ich den Kleinen, dann Papier und Buntstifte gebe, dass sie ein Gesicht malen sollten. Das klappte bei den 3-4 jährigen noch nicht so besonders- also an dieser Stelle will ich nicht noch ausführlicher auf den Entwicklungsstand der Kleinen eingehen. Auf jeden Fall machte es ihnen Freude. Gegen 11 brach ich dann mit Georg auf, weil ich Geld umtauschen wollte, und er mir dabei beistehen wollte und auch eine Supermarkt zeigen wollte, wo ich einige Materialien für die Schule besorgen wollte.

Zuerst versuchten wir unser Glück bei einer Bank. Der nette Bankangestellte nannte uns den Wechselkurs, und dann hatten wir zu warten. Nachdem wir mindestens 20 Minuten gewartet hatten, sagte mir dann ein weiterer netter Bankangestellte, dass er mir leider das Geld nicht wechseln könne, weil ich ja kein Konto bei der Bank hätte. Das fanden wir echt klasse, also wieder mal gut ne halbe Stunde Lebenszeit verschwendet; also auf zur Wechselstube – die hatte Urlaub bis Montag; na dann halt zur nächsten Bank und hier kriegte ich tatsächlich mein Geld mit einem recht guten Kurs. Dann suchten wir uns einen Matatu in Richtung Supermarkt. Dort kaufte ich 500 Blatt Computerpapier (zum Malen für die kids), 10 Scheren für Ausschneidübungen und 22 Mappen, so dass dann am Montag die Mappen, das Papier und alle Bastelmaterialien in den kleinen neuen Schrank kommen können, der dann- wie ich hoffe in der Vorklasse aufgestellt werden wird. Außerdem kaufte ich in einer anderen Abteilung noch einige Nahrungsmittel, die ich dringend brauchte. Georg bestand darauf, alles zu tragen. Wir liefen dann durch den slum bis zu seinem Haus. Dort stellte er die Schulmaterialien erst mal alle bei seiner Frau unter. Dann machten wir uns auf zu einem Restaurant. Leider konnte seine Frau uns nicht begleiten, weil sie ihren Laden nicht unbesetzt lassen konnte. Ich sagte Georg, dass er ja vielleicht mal mit seiner Frau zu einem Essen vorbeikommen könnte, und er meinte, dass Sonntag nach der Kirche bei ihnen am besten passen würde, da dann der kleine Laden geschlossen sei. Von Georgs Wohnung war es gar nicht besonders weit zu meiner Wohnung und Georg schleppte mir tatsächlich alles nach Hause. Von meinem Ort aus war es nicht sehr weit zu einem Restaurant. Ich bestellte was mit T-Bone und dachte an ein wunderbares Steak mit Reis und Gemüse, aber was ich serviert bekam, war so hart und hautig, dass man es in Deutschland vermutlich nicht mal einem Hund angeboten hätte. Georg hatte Hühnchen und Ugali (Maisbrei) bestellt und war damit sehr zufrieden – sah auch echt gut aus. Hier in Kenia isst man den Maisbrei und die anderen Beilagen immer mit der Hand, deshalb haben wir uns vorher natürlich erst mal die Hände gewaschen. Witzigerweise wird Reis auch mal mit einer Gabel oder einem großen Löffel gegessen.

Ich muss hier viele Sachen neu lernen, z.B. mit einer mir völlig unvertrauten Waschmaschine, wo man eigenhändig mit einem Teekocher 2-3x Wasser erhitzen und dann in die Waschmaschine kippen muss. Jeden einzelnen Gang, waschen, Wasser entleeren, spülen, schleudern muss man einzeln anwählen und tätigen. Nach getaner Arbeit muss ich dann sagen, ging es gar nicht so schlecht und war gar nicht so kompliziert. Schön wäre wir hätten mehr Wäscheklammern; heute habe ich mal einen gescheiten Spülschwamm und eine Klobürste gekauft. Der Spülschwamm war doch gar zu eklig. Aber mit meinen Hausbewohnerinnen komme ich gut aus und zur Zeit ist eine sehr friedliche und freundschaftliche Atmosphäre. Aber ich finde es ziemlich anstrengend den ganzen Tag Englisch zu sprechen, und ich bin ziemlich froh, dass in unser Haus seit gestern Abend eine Freiwillige aus Holland angekommen ist mit der ich wenigstens ein paar Worte Deutsch sprechen kann.


Donnerstag,den 13.1.2011

Mittlerweile habe ich mich an mein neues Leben schon ganz gut gewöhnt, und den Hin-und Rückweg zur Schule selbständig gefunden. Ja, so eine Fahrt im Matatu ist schon ein Abenteuer. Meist sitzt man eng auf eng neben einem völlig fremden Menschen, es zieht wie Hechtsuppe und gelegentlich wird einem Geld anvertraut, das man dann vertrauensvoll dem Türöffner/schließer weiterreichen darf. Gelegentlich wird einem dann das Wechselgeld zum Weiterreichen auch wieder gegeben.

Mit der Vorklassenleiterin komme ich recht gut klar; von den meisten meiner Anregungen ist sie begeistert und lässt mich gewähren. Heute hatte ich für die Nurcery (Kindergartenkinder zwischen 2-4 Jahre) Dreiecke gemalt und die Kleinkinder malten diese mit Buntstiften aus. Cypris (die Vorklassenleiterin) schrieb die einzelnen Namen der Kinder darauf, und ich ergänzte später, als sie fertig waren, noch das Datum.

Unser Sailorlied sangen wir auch wieder. Merel war heute auch für einige Zeit in der Klasse und half ein wenig mit. Sie machte Fotoaufnahmen, als die Kleinen Kugeln, danach Bananen, dann Schnecken und zum Schluss Tassen aus der mitgebrachten Knete machten. Die kids waren alle voller Begeisterung bei der Sache. Wie schade, dass kein Platz da ist, die kleinen Kunstwerke irgendwo aufzustellen.

In der Frühstückspause machte ich den Fehler das „Bandolinospiel“ mit nach draußen zu nehmen. Innerhalb der nächsten Minuten war ich umringt von einer Traube von SchülerInnen jedes Alters, die mich fast erdrückten, weil sie alle das Spiel machen wollen. Bandolino hier ist ein echter Renner. Irgendwann war es mir zu viel, und ich entfloh der ungewollten Enge und Wärme.

In der Mittagspause ging ich mit Merel essen in einen nahe gelegenen Imbiss. Es schmeckte gar nicht schlecht davon abgesehen, dass das Hühnchen noch ein wenig roh und die Pommes eher lauwarm waren. Danach zeigte sie mir, wo ein Copyladen ist, und ich machte erst mal 100 Kopien. Danach holte Virginia mich ab und lotste mich wieder in die Schule zurück. Als ich dann in den Klassenraum zurück kam, waren etwa 6 Kinder am Schlafen. Es war einfach zu heiß, vielleicht hatten sie auch zu wenig getrunken, oder das Mittagessen hatte sie schläfrig gemacht.

Georg berichtete mir, dass sie unter anderem den Plan momentan verfolgen, die Küche in 2 Räume aufzuteilen und einen Teil als abschließbare Vorratskammer zu benutzen und an diesen Teil dann, von außen ein kleines Räumchen anzubauen, wo der Sand und Steine und ev. Werkzeuge untergebracht werden können. Das ist natürlich manchmal nicht so einfach zu entscheiden, was mehr Priorität haben sollte, das Aufstocken von einem Gebäude, um verwaiste Kinder dort übernachten zu lassen, oder der kleine Anbau, um Lagerplatz zu schaffen.

Wir haben momentan eine Holländerin, Merel, ebenfalls an der Schule als Freiwillige da, (ich erwähnte sie bereits) die erneut bereit ist, Schulbücher zu kaufen. Man sollte, doch meinen, dass die Schule irgendwann mal genug davon hätte, aber das scheint wohl nicht so zu sein. Naum hat jetzt vom Geld von Merel, 15 neue „desks“ in Auftrag gegeben. Diese will der Schreiner dann nächste Woche vor unseren Augen machen. Allein 4 soll davon die nurcery bekommen. Das ist auch dringend notwendig, da die Kinder zu viert teilweise zu fünft auf Bänken sitzen (kombiniert mit befestigtem Tisch), die eigentlich für nur 2 SchülerInnen gedacht sind. Heute haben auch wieder 4 Kinder auf dem Boden sitzen müssen. Ich hatte extra Folie in die Klasse mitgebracht, damit sie nicht auf Steinen, bzw. im Dreck sitzen mussten, aber nach der Pause war alles mal wieder verschwunden und blieb unauffindbar. Da braucht man wirklich Langmut, Humor und Geduld!!

Außerdem ist ein kleines Schränkchen für die Vorklasse momentan in Arbeit, damit man die ganzen Bastelmaterialien, Buntstifte und Hefte unterbringen kann. Sinnvoll wäre auf jeden Fall, wenn jeder Lehrer in der Klasse einen Tisch (Pult) hätte, damit man auch mal was ablegen kann. Meine Materialien fangen auch schon an, eine braune Patina anzunehmen, da man im Grunde nur alles auf den schmutzigen, staubigen Boden legen kann. Heute fiel z.B. eine mit Milch gefüllte Tasse von einer sehr schmalen Bank, die wir uns draußen organisiert hatten und die schönen Übungshefte, die natürlich auf dem Boden lagen, wurden mit Milch beschmutzt. Da könnte ich wirklich Zustände kriegen, auch wenn ich mich bemühe, es nicht so nach außen zu zeige.

Ein anderer kleiner Vorfall beschäftigte mich ebenfalls noch nachhaltig. Ein kleiner Junge aus der Vorklasse hatte mich gerufen. In einer Ecke saß ein kleiner Junge (wie sich später herausstellte aus der 1. Klasse) und wurde von vielen Kindern umringt, gehänselt ausgelacht und sogar von allen Seiten angespuckt. Fliegen umkreisten ihn. Er hatte in die Hose gemacht und wurde von den anderen Kindern dafür geächtet. Ich wollte den Jungen zur Toilette bringen, aber er bleib apathisch sitzen und man merkte, wie sehr er sich schämte. Dann kam eine ältere Schülerin, und ich bat sie den anderen Kindern zu sagen, sie sollen damit aufhören. Ich holte dann ein Läppchen und wischte ihm die Spucke der anderen aus dem Gesicht und sagte einer Lehrein Bescheid. Wie sich später herausstellte, konnte der Junge (da niemand zu Hause war) nicht von der Schule nach Hause gehen. Er musste dann noch bis zur Mittagspause vor der Klasse sitzen, weil niemand ihn drinnen haben wollte. Was für eine Schmach für den armen kleinen Kerl!

Ich regte an, dass es doch gut wäre, Wechselkleider für solche Fälle in der Schule zu haben, denn sicher würde so etwas ja auch mal einem kleinen Kind aus der Vorklasse passieren. Nur leider ist es im Direktoriat so eng und chaotisch, dass bestimmt niemand im Bedarfsfall die Wechselklamotten finden würde.
Für morgen habe ich angeregt, dass das Lehrerkollegium diskutiert, ob sie gerne einen kleinen günstigen CD- Recorder angeschafft haben wollen. Ich habe nämlich 3 LernCDs für Frühenglisch mitgebracht, die man dann sehr gut benutzen könnte. Natürlich könnten die anderen Lehrer ihn dann auch benutzen, man müsste ihn dann allerdings bei Naum einschließen. In seinem Raum könnte man eine Schranktür an den Schrank machen, den er -wie ich es verstanden habe- vor einiger Zeit geteilt hatte.

Abends ist es meist sehr nett mit den Studentinnen und Peter im Wohnzimmer zusammenzusitzen: auch wenn nicht immer super viel Kommunikation stattfindet. Aber meist kocht jemand in der Küche irgendwas und es duftet interessant und manchmal findet auch ein gemeinsames Essen statt. Häufig sitzen wir aber alle auch nur schweigend hinter unseren labtops und jeder checkt seine Mails, oder die Studenten machen ihre Arbeit, und ich schreibe meine Berichte, wie man sieht.


12.1.2011

Mittlerweile finde ich sehr gut zur Slumschule. In der Vorklasse erwartete mich eine Überraschung, der Steinhaufen war weggeräumt, dafür saßen jetzt vier Mädchen vorne an der Tür auf dem Boden – ist einfach zu wenig Platz da. Heute wollte ich mit den Kleinen ein bisschen malen, aber wie soll man das machen, wenn 4 der Kinder keine Bank haben und also auf dem schmutzigen Boden malen müssten. Also mussten einige von den größeren Kindern Platz machen und herumstehen, so dass die Kleineren malen konnten. (meist Kopffüßler-wenn überhaupt was in dieser Art). Das machten dann die 5-6 jährigen schon wesentlich besser und kleine Männchen waren wirklich zu erkennen. Nach der Pause waren dann die Älteren mit Kneten dran und auch hier war ein großer Unterschied zu merken fast allen gelang auf Anhieb die Schnecke, die zu modellieren die Aufgabe war. Außerdem hatte ich das Spiel Bandolino mitgebracht, womit auch die älteren Schüler, sich sehr gerne beschäftigten. In der ersten Pause lernte ich dann endlich auch Merel kennen und wir hatten ein Meeting mit Naum und es ging um die nächsten Schritte. Merel hat 650 E an Spendegeldern zur Verfügung, und wir überlegten gemeinsam, für was sie prioritär auszugeben seien. Auf jeden Fall sollen mindestens 10 neue „desks“ geschreinert werden. Von mir hat Naum gestern 3000 Ken. Schilling erhalten für eine Woche Verpflegung und heute 1500 für Material für ein kleines Schränkchen, wo man dann die Vorklassenmaterialien und Spiele hereingeben kann. Dann wurde auch wieder über eine Aufstockung nachgedacht, damit dort einige Kinder, die sonst auf der Straße leben würden, eine Möglichkeit haben, zu übernachten.

Heute Mittag wurde ich dann gleich von der Frau von Naum ebenfalls zum Essen eingeladen: es gab Römisch Kohl, Fisch und natürlich Ugali. Es schmeckte sehr gut. Ich nahm zwar dankend an, versuchte allerdings vorsichtig anzudeuten, dass es für mich nicht leicht sei, eine solche Einladung einzunehmen, da sie ja viel weniger hätten, als ich.

Nach dem Essen sangen wir noch mal das neue Lied und heute klappte es schon wesentlich besser.

Mit meinen MitbewohnerInne klappt es bisher recht gut – außer Sauberkeit im Bad, die zu wünschen übrig lässt, sonst sind alle sehr hilfsbereit und entgegenkommend zu mir.


11.1.2011

Nach 6 Uhr wurde ich dann zum Moskitokiller – alle waren blutdurchtränkt und nun leider nicht mehr am Leben.

Mit Naum ist ausgemacht, dass ich heute spätestens um 10 Uhr in der Schule bin, Georg will wohl auch kommen, und ich hoffe auch mir Merel sprechen zu können. Jetzt wird gleich erst mal gefrühstückt.

Nach dem Frühstück brachte mich Gela dieses Mal zur Matatustation und nachdem ich richtig bei Gill-Gill herausgelassen worden war, fand ich dieses Mal ohne Probleme die Schule.

Die Enge in der Vorklasse ist bedrückend. Auf maximal 15 m⊃2; befinden sich 37 Kinder an 6 Bänken und Tischen. In jeder Bank mit dran gezimmertem Tisch sitzen nicht- wie vorgesehen 2 kleine, sondern 4 VorklassenschülerInnen. In der hintersten linken Ecke war ein riesiger Steinhaufen, auf dem 4 Schüler sitzen müssen, weil nicht genug Platz für jedes Kind ist. Es gibt keinerlei Ablagefläche (Tisch, Regal oder ähnliches), so dass die Vorklassenleiterin immer sämtliche Hefte auf dem Boden ausbreitet- dementsprechend schmutzig sind sie – fast noch unverbraucht, aber total verdreckt. Genau wie leider auch die Kinder. Die meisten der kleinen Schüler (inklusiv der nurcery = Kindergarten) haben bessere Lumpen meist völlig verdreckt und zerrissen an. Hier in Afrika lassen sie bereits die Zweijährigen in den Bänken sitzen -mit Pausen- bis 15 Uhr. Ich finde das eine Kinderquälerei, und ich wundere mich wie z.B der Zweijährige Lehrerssohn und der drejährige Sohn der Vorklassenleiterin das überhaupt aushält.

Zuerst schaute ich ein wenig zu: in Afrika wird viel gesungen und deklamiert (oft auch auf Englisch – selbst wenn die Kinder den Text noch nicht verstehen können). Am Vormittag machte ich 3 verschiedene kleine Projekte: Zuerst gab ich den Kleinkindern (2-4 Jahre) Knete, und sie sollten z.B. eine Banane daraus machen. Das fiel den meisten schwer: vor allem an den beiden Seiten die „Verdünnung“ machte besondere Probleme. Danach war erst mal Hofpause. Nach der Pause versuchte ich den Kindern ein Lied beizubringen („Ein kleiner Matrose“), die Lehrerin mochte es, aber für die Kinder war es zu schwer, so entschieden wir sie jeden Tag eine Zeile auswendig singen zu lassen. Dann ging ich jeweils nacheinander mit 6 nurcery-Kindern von 3-4 Jahren nach draußen : mit Steinen übten wir vertikale und horizontale Striche und Kreise, wobei die horizontalen Striche am schlechtesten gelangen.

Überraschenderweise schlug Georg vor, ihn nach Hause zu begleiten. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass er ebenfalls in einem slum wohnen würde und hier auch noch unter übelsten Verhältnissen. Georg hat einen Abschluss in Jura, aber er sagte mir, um hier einen entsprechenden Job zu bekommen muss man, viel Geld zahlen, weil das System hier so korrupt ist. Er sei aber katholischer Christ und könne es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, bei solchen Geschäften mitzumachen. Selbst wenn er nicht so denken würde, müsse man das Geld schließlich erst mal haben.
Seine Frau machte uns Tomaten und Eier und dazu gab es wieder den in Kenia allseits beliebten Ugali (Maisbrei). Mich beschämte die Gastfreundschaft, denn anhand der Art- und Weise, wie so viele Menschen dort wohnen, ist ja eindeutig zu erkennen, wie bitterarm diese sind, aber gastfreundlich sind sie, das wenige, was sie haben, sind sie bereit zu teilen.


10.1.2011

Mittlerweile habe ich mein sogenanntes „Dienstmädchenzimmer“ bezogen; die warmen Sachen habe ich einfach in meinem Koffer gelassen und den Rest kriegte ich dann im winzigen Schrank unter. Alle wichtigen und nützlichen Dinge des täglichen Bedarfes lege ich einfach auf den kleinen Schrank drauf, so dass ich immer alles schnell finde. Mit meinen MitbewohnerInnen habe ich mich mittlerweile ein wenig angefreundet. Peter hat mehrfach versucht das Mosquitonetz bei mir an der Decke zu befestigen, aber heute Nacht fiel mir die Befestigung plus Mosquitonetz auf die Brust; da hieß es ab 3 Uhr nachts erstmal ohne Schutz schlafen. Dafür erwischte ich dann am nächsten Morgen 2 Stechmücken mit meinem Blut intus. Gestern zeigte mir Freya aus Island, wo ein kleiner Store ist, wo man Brot und Eier und Tee kaufen kann.
Mit Anthony wurde gestern erstmal besprochen, dass ich vorerst in dem kleinen Zimmer bleiben werde, damit er mehr Einnahmen hat und im 1. Stock an 2 Studenten vermieten kann und nicht nur an einen/e.

Tiziana – eine Brasilianerin, die hier ebenfalls zur Zeit lebt, überraschte uns gestern Mittag mit einem tropischen Essen : gebackene Bananen mit Käse und als das Gericht fertig war mit Zimt bestreut: schmeckte insgesamt köstlich. Am Abend machte Gela Nudeln mit Soße bestehend aus Tomaten, Karotten und viel Sojasoße- für meinen Geschmack zu salzig, aber ich aß alles treu und brav auf.

Eigentlich hatte ich bis auf den kleinen Zwischenfall die Nacht recht gut geschlafen und am anderen Morgen (also heute) nach einem kleinen Snack (4-5 Pumpernickel mit Margarine und Honig, sowie Apfelsaftschorle) machte ich mich mit Peter und Freya auf, um die Matatustation zur Upendo Rescue School zu erkunden. Aber es stellte sich alles als Missverständnis heraus, denn es gibt mehrere Matatustationen und natürlich unterschiedlichen Richtungen, und die beiden wollten zu der Station, die in die Innenstadt nach Nairobi führte. Also machte ich mich kurz vor Erreichen des Ziels wieder auf, denn am gestrigen Tag war mit Georg (dem Manager der Schule) ausgemacht worden, dass mich jemand gegen 10 Uhr abholen sollte. Auf dem Rückweg verirrte ich mich zuerst mal in der ungewohnten Umgebung und landete in einer Gegend, wo sich ein riesiger Abfallberg türmte und einige Menschen sich dort darauf zu schaffen machten, um in dem Dreck nach Verkaufbarem zu stochern, es in Säcke zu stecken und auf dem Rücken weg zutransportieren.

Gegen 10:20 rief mich Georg an und fragte, ob denn jemand gekommen sei, mich abzuholen; er habe nämlich jemanden geschickt. Da sich aber nichts tat entschied ich mich aus der kleinen bewachten Anlage (Banque Village Estate) herauszugeben, um dort auf meinen „Pick up“ zu warten. Dort wartete ich etwa eine Dreiviertel Stunde, aber leider kam niemand, so rief ich wieder an und jemand am Telefon sagte mir, ich solle einfach zur Hauptstraße gehen, was ich dann auch machte. Dort holte mich die Lehrerin der 3. Klasse ab, die eigentlich für die Vorbereitung des Essens zuständig gewesen wäre. Ich hatte natürlich ein schlechtes Gewissen, aber es hätte keine andere Möglichkeit gegeben. Das erste Mal musste jemand mich abholen, damit ich die Schule finden würde.

Um von der Bushaltestelle zur Schule zu gelangen, mussten wir durch Teile des Mukuruslums, der mich sehr an den slum auf den Philippinen erinnerte: winzige irgendwie zusammengeschusterte Wellblechhütten, davor Mütter sitzend mit depressivem Gesichtsausdruck und einem Baby im Schoß. Der Weg gleicht mehr einer Kloake, wo man sich verzweifelt von Stein zu Stein fortbewegen muss, um dem stinkenden Rinnsal und den Schmutzschlieren zu entgehen.

Da es auf der homepage der Schule viele Fotos und genügend Beschreibungen gibt, will ich hier an dieser Stelle nicht noch einmal ausführlich darauf eingehen. Nur ganz kurz: alle Klassenräume sind viel zu klein, die SchülerInnen sitzen dicht gedrängt, es gibt keine Schränke in den Klassenräumen Nach jeder Stunde müssen Hefte und Bücher eingesammelt werden, da sie sonst auf wundersame Weise verschwinden würden.

Zuerst sprach Naum, der Schulleiter mit mir und erklärte mir, warum die Schule überhaupt gegründet wurde; außerdem fragte ich nach den Bastelsachen, die ich für die Schule gekauft hatte, aber außer ein wenig Knete fand Naum leider nichts, aber morgen will er Georg nach den Sachen fragen. Kein Wunder sein Büro ist vielleicht 3 m⊃2;; groß, es passt gerade mal ein winziger Schreibtisch und 2 Stühle herein. Alles liegt voll, überall stapelt sich alles. Hier würde ich auch nichts finden.

Dann brachte ein Mädchen Ugali und Gemüse für mich zu essen. Da es kein Besteck gab, musste ich-wie hier üblich- die Finger benutzen.

Naum stellte mich auch den Klassen vor und in der 8. Klasse fing ich an ein Buch mit der Klasse auf Englisch zu lesen; leider nur kurze Zeit, dann war die Vorklassenlehrerin da und wollte mich sprechen. Sie hat selbst ein Baby und war erst mal nach Hause gegangen, um dieses zu stillen. Wir verständigten uns kurz und ich sagte ihr, dass ich morgen sicher erst mit Georg reden würde und dann in die Klasse käme: Wir sprachen kurz über Ideen, was man mit den Kindern alles machen könnte. Ich wollte morgen aber erst mal nur überwiegend beobachten und noch nicht allzu viel machen. Außerdem wollte ich mich mit Merel (mit einer Freiwilligen aus Holland) verständigen und mit ihr über einige Projekte und ob sie auch Geldmittel mitgebracht hat, sprechen. Diese hatte sich heute mit ihrem Freund nachmittags getroffen, so dass ich sie nicht sehen konnte.

Gegen 15 Uhr wollte ich mich dann wieder aufmachen und Virginia brachte mich zur Matatustation und sprach mit dem Fahrer, wo er mich herausschicken sollte, also stieg ich beherzt ein. Leider beförderte er mich aber an einem völlig anderen Platz, als ich wollte und von dort transportierte mich ein anderes Matatu endgültig in eine Gegend, die mir völlig fremd war. Ich sprach dann in meiner Verzweiflung jemandem vom Wachpersonal eines anderen Estades (kleine bewachte Niederlassung – ähnlich unseren Dörfern, aber gänzlich ohne Dorfmittelpunkt) an. Zum Glück hatte ich die Telefonnummer von Naum mit, so dass ich einen der Wachleute bitten konnte mit ihm zu sprechen. Er sagte mir dann und schrieb es mir auf, zu welcher Station ich fahren musste, dort sollte ich ihn dann wieder anrufen. Einer der freundliche Wachleuten geleitete mich dann auf die andere Straßenseite hinüber und zeigte mir in welchen Bus ich einzusteigen hatte.

Dort angekommen rief ich zugleich Naum an, und er sagte mir, dass er sogleich jemanden zu mir schicken würde. Ich setze mich also auf eine Erhebung und trank in Ruhe mein Wasser. Auf einmal kamen Männer mit riesigen Stangen auf mich zu; ich geriet in Panik und hüpfte schnell von meinem Sitz runter. Aber es waren nur Handwerker, die die Stangen zusammensetzten und in der Tiefe an irgendwas herum schraubten. Aber ich hatte vor Schreck beim Herunterspringen mir mein Kleid komplett nass gemacht- was hier allerdings niemanden größer zu stören schien.

Nach etwa einer Viertelstunde erschien Virginia wie ein rettender Engel und sie brachte mich nach Hause. Beim Rückweg schärfte sie mir noch genau ein, wo ich am nächsten Tag mit dem Matatu abzufahren hätte und wie die Station (Gill-Gill) heißt.

Den kurzen Weg von der Hauptstraße zur Estate (Banque Village) fand ich dann selbst. Dort ließ ich mich nachdem ich kurz einer Mitbewohnerin (Roxana) mein Erlebnis erzählt hatte, erstmal in meinem Bett nieder, um mich ein wenig auszuruhen.
Abends machte ich 2 Eier mit Tomaten in der Pfanne, was Roxana und ich gemeinsam aßen (sie allerdings nicht den Eidotter, den Afrikaner hier immer nur durchgebraten essen)- dazu gab es einige Pumpernickelbrote. Abends las ich dann noch ein wenig in einem meiner mitgebrachten Bücher und schrieb an „meinen Impressionen“ weiter. Die Nacht schlief ich gut in meiner kleinen Behausung- auch ohne Moskitonetz, aber schließlich dann doch aufgeweckt gegen 5:15 durch eine Schnake, die dringend Nahrung brauchte und mich dementsprechend lautstark und aufdringlich umsurrte.

Erste Impressionen von Afrika

Bevor unser Flugzeug am 8.1.11 in Nairobi landete (etwa 2 Stunden vorher) sahen wir viele Minuten lang einen wunderschönen Sonnenuntergang am Himmel. Zum Glück war das Flugzeug pünktlich. Dann war erst mal angesagt, Geld umtauschen, Visum beantragen und Gepäck vom Förderband holen. Dann um 22:20 kam ich in die Eingangshalle und suchte erstmal alle Schilder hoch haltende Taxifahrer nach einem Hinweis auf meinen Namen ab; da musste ich schon 2x die Reihe abklappern und ganz genau schauen bis ein großer stämmiger farbiger Mann das winzige Schild: Chrissie Upendo hoch hielt. Da war ich aber froh, dass die erste Hürde genommen war. Mit dem freundlichen Taxifahrer unterhielt ich mich ein wenig. Er hat 2 Schwestern, die beide in Frankfurt leben. Netterweise half er mir dann auch noch das Gepäck reinbringen, und er gab mir seine Telefonnummer und ich ihm 20 Dollar. Angekommen mit Gepäck gab es erstmal einen Schock, denn für diese Nacht hatte ich kein eigenes Zimmer; ich musste in einem Doppelstockbett (oben) schlafen und das Schlimmste durch das hereinscheinende Licht vom Flur und den Straßenlaternen von draußen war es sehr hell im Zimmer, außerdem war es superstickig (da das Fenster wegen der Moskitos die ganze Nacht geschlossen bleiben musste) – also eine Wolldecke brauchte man wirklich nicht!!!Ich schlief nur sehr flach und unruhig. Das Bett ist sehr wenig stabil und als meine Zimmergenossin sehr spät in der Nacht kam und sich im Bett oben umdrehte, erzitterte das ganze Gestell und jede bekam genau die Bewegung der anderen mit. Am Morgen war ich dann dankbar für eine Dusche. Danach machte ich mich mit einigen MitbewohnerInnen bekannt und frühstückte mitgebrachte Lebkuchen und Pumpernickel und Wasser mit Magnesium.

Verzweifelt versuchte ich meiner Schwester eine sms zu schicken, aber offensichtlich hatte meine Karte kein Guthaben.

Jetzt ist es halb 12. Um 12 Uhr will Anthony kommen, und wir wollen die Zimmersituation besprechen.



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