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Februar 2011

Montag, den 28.2.

Heute war alles komplett anders als sonst in der Schule.

Erstens: Bob und Merel verabschiedeten sich. Die Mutter von Merel war auch anwesend, und sie überreichte Georg einen CD-Recorder und zusätzlich ein paar Cds in Englisch für Anfänger mit einer überschwänglichen Rede an alle SchülerInnen.

Dann fing es in der Nachbarschaft zu brennen an. Siprose erschien nach der Pause nicht mehr. Wie sich später herausstellte, wollte sie Miss Mary, Lehrerin der 2. Klasse, helfen, Sachen aus ihrem brennenden Haus zu holen. Aber offensichtlich gelang das nicht und auch diese Lehrerin verlor ihr gesamtes Hab und Gut. Mit den SchülerInnen war nicht mehr viel Unterricht zu machen, und eine Zeitlang hatten wir wirklich Angst, das Feuer könnte auch auf die Schule übergreifen. Deshalb führte uns Naum auf einem anderen Weg aus den slum heraus und auf dem Rückweg trafen wir Georg. Er begleitete uns dabei ein geeignetes Restaurant zu finden, was gar nicht so einfach war, denn vermutlich durch den Brand herrschte Stromausfall und da war das dann für die Gasstätten gar nicht so einfach, was zu zaubern. Der Reis mit Lebergoulasch schmeckte dann erstaunlich gut. Georg begleitete mich anschließend zu einem Zahnarzt, da mir am Abend vorher, eine Goldblombe herausgefallen war. Zum Glück ließ diese sich wieder relativ unkompliziert einsetzen und ich bezahlte 1.500 KS und erhielt eine Quittung für die Krankenkasse.

Heute Abend fliegt Florencia wieder zurück nach Grenobel, wo sie zur Zeit wohnt. Wir hatten uns schon an sie gewöhnt und werden sie vermissen.

So., den 27.2.

Heute will ich mit Florencia, einer Argentinierin, die Umwelttechnik -oder so was ähnliches in Paris studiert und einige Tage bei uns lebt, zu „Bommers of Kenia“, wo die verschiedenen Rassen und Lebensgewohnheiten und kulturellen Unterschiede der Afrikaner in Kenia dargestellt werden. Soll sehr interessant sein, und ich bin gespannt. Ganz in der Nähe soll es auch ein Hotel mit einem wunderschönen Swimming-Pool geben, aber dafür bin ich gesundheitlich leider noch nicht genügend hergestellt.

Um 10:30 ging es dann los. Dort angekommen war ich gleich begeistert von der wunderschönen Blütenpracht der Bäume: in Rose, in Gelb, Rot, Violett und ich bemühte mich dies in gelungenen Fotos einzufangen. Nachdem wir uns erkundigt hatten, gelangten wir bald zu den ersten Hütten. Dass die afrikanische Bevölkerung früher sehr primitiv und unkonfortabel gewohnt hatten, konnte man hier sehr deutlich sehen. Interessant war auch, dass es jeweils für die erste, die zweite Frau, die Mutter, Großmutter, für die Jungenhütte und den unverheirateten Sohn von der Qualität her unterschiedliche Hütten gab. Die Hütten waren je nach Stamm entweder mit Schilf bedeckt, oder aus Lehm oder Kuhdung hergestellt. Es war einfach angenehm von „Dorf“ zu „Dorf“ zu wandern, die frische Luft hier zu genießen und sich über die Unterschiede der Hütten auszutauschen. Danach gingen wir dort erstmal in das sehr großzügig angelegte Restaurant. Hier konnte man ganz wunderbar an der frischen Luft sitzen, andere Menschen beobachten und seine Mahlzeit genießen. Wir brachten dort bis zum Beginn der Tanzveranstaltung zu, da der Eintritts-kartenpreis sonst einfach überteuert gewesen wäre, aber natürlich waren wir auf die Tänze, die Kostüme und die Trommelrythmen gespannt. So gönnten wir uns noch einen Nachtisch, dann legten wir uns noch ein paar Minuten auf die für Picnic vorgesehene Wiese und dann ging die Veranstaltung auch schon los. Es gab einen bunten Strauß von unterschiedlichen Tänzen in interessanten abwechslungsreichen Kostümen mit sehr unterhaltsamer Choreographie, auch Trommeleinlagen und zum Schluss sogar ein wenig Akrobatik. Leider konnten wir nicht bis zum Schluss bleiben, da Florencia sich noch im nahe gelegenen Frisör sich auf dem Kopf viele kleine Zöpfchen machen lassen wollte. Und alles klappte noch genauso wie geplant und eine Stunde später kam unsere kleine Argentinierin dann mit dem ganzen Kopf voller Zöpfchen nach Hause. Ihr gefiel es und das war die Hauptsache und natürlich musste ich sie dann von allen Seiten mit ihren Zöpfchen fotographierenen, um den modischen Haaartrachtwechsel sofort für sie zu dokumentieren.

Gestern Abend nützten wir dann aus, dass der Beamer noch im Haus war, und wir schauten mit allen den Film „Little Miss Sunshine“, Florencia schlief dabei. Die anderen hatten viel Spaß dabei.

Sa., den 26.2.

Auch heute musste ich mich noch sehr schonen, außer 1 Stunde beim nahe gelegenen Internetcafe E-Mails checken und beantworten, war nichts drin. Am Nachmittag kamen dann einige KollegInnen von Freya und spät nachmittags sahen wir uns den Film Reservations an (auf Englisch natürlich). Der Film war sehr ergreifend. Er handelte von einem Mädchen, das durch den Autounfall der Mutter zur Waise wurde und sich nun die Tante und sie sich Stück für Stück aneinander gewöhnen müssen.

Jetzt soll es möglicherweise noch einen Film -einen Cartoon- geben. Er handelt davon, wie ein Wikinger Junge einen Drachen zähmte. Ich hatte ihn schon einmal in Deutschland gesehen, und er gefiel mir auch dieses mal wieder gut. Danach gab es noch einen Film (aus Spanien) von einem kleinen Mädchen, das sich immer mehr in seine Traumwelt begibt; leider wollten die meisten den Film nicht zu Ende sehen; ich kannte aus Deutschland nur das letzte Drittel des Filmes und so setzte sich jetzt alles gut in meinem Hirn zusammen. Um 22:30 war ich dann allerdings so müde, dass ich dringend in mein Bett musste.

24./25.2

Am Donnerstag die Schule zu besuchen, war bestimmt ein Fehler, obgleich ich mich nur wegen des Meetings dazu entschieden hatte.
Im Meeting erklärte sich Georg bereit, das Proposal in Englisch zu schreiben und die beiden Sabrinas werden dabei unterstützen, die Bilder in seinen Text rein zu kopieren. Ich übernehme dann den Text ins Deutsche zu übersetzen.

Die Mädchen wollen sich dem Projekt annehmen, die Gebühren für die Abschlussprüfung der 8. Klassen zu beschaffen und nach der Antwortmail von Manuela, sich mit den damals zuständigen Personen in Verbindung setzen. Die Gruppe einigte sich auch darauf, dass der Ausflug zuerst mal mit der 5.-7. Klasse stattfinden soll. Georg will Erkundigungen einziehen, wie hoch jeweils der Eintrittspreis ist und ev. beim Giraffenzentrum einen Antrag auf Kostenübernahme für den Ausflug einreichen.

Am Abend bekam ich hohes Fieber. Ich fror erbärmlich und musste mich bereits früh in mein Bett begeben.

Gestern, Freitag, den 25.2. brachte ich dann überwiegend im Bett zu. Meine Bronchitis hatte sich verschlimmert, und ich hatte starke Halsschmerzen. Die Gelegenheit allerdings einen Waschtag zu machen, erschien mir doch zu verlockend, denn wann bin ich schon mal allein und kann in der Küche schalten und walten, wie ich will. Als es mir gegen 14 Uhr ein wenig besser ging entschied ich mich dazu. Die Alternative wäre gewesen noch einige Nächte länger in dem durchgeschwitzten Bett zu verbringen und das konnte ich mir auch schlecht vorstellen, also rappelte ich mich auf. Am anstrengendsten für mich war, die 5 Stockwerke bis zum Dach – wo man die Wäsche aufhängen kann, zu erklimmen und ich musste zwischendrin doch tatsächlich innehalten und verschnaufen (wie eine alte Frau, dachte ich so bei mir). Zwischen beiden Waschgängen musste ich mich hinlegen.

23.2.

Ich ergänze an dieser Stelle mit einer Mail, die ich einer Freundin anlässlich meines akuten Gesundheitszustandes geschrieben habe.

Ich kämpfe mal wieder um meine Gesundheit; vermutlich war mein Wochenendtrip in Massai Mara zu anstrengend: z.B. weil ich in einem ständig zugigen Auto gesessen und die Fahrt lang und holprig war. Jetzt habe ich wieder eine Bronchitis und Halsschmerzen. Die Luft hier in Nairobi ist aber auch gar zu schlecht, den vielen Staub und die Abgase muss mein Körper verkraften, und er gebärdet sich dabei wie ein empfindsamer Kleinkindkörper. Wegen meiner Heiserkeit und Schlappheit musste ich heute die Schule schon wieder kurz nach 12 verlassen und habe mich ziemlich bald zu Hause zu einem ausführlichen Mittagsschlaf in mein Bett begeben.

In Deiner anderen Mail fragtest Du nach meinem Abendprogramm. Ja, eigentlich gibt es da keines: gegen 20:30 fange ich meist an zu gähnen und gestern bin ich dann auch um kurz nach 21 Uhr in mein Bett gegangen. Deshalb bin ich auch noch gar nicht auf die Idee gekommen in ein Kino zu gehen. Der Heimweg wäre dann auch nur mit Taxi sinnvoll, weil man hier nach 21 Uhr als Frau besser nicht mehr die Straßen betritt. Die ersten 5 Wochen als ich hier noch etwas besser in Form war, habe ich ja immer sehr ausführlich Mails beantwortet und mein Tagebuch geschrieben. Nun bin ich oft am Abend einfach zu kaputt für alles: die Hitze am Tag zehrt ja auch an einem.

Eigentlich müsste ich endlich einen Projektantrag (ein proposal) für ein bestimmtes Projekt schreiben (Aufstockung einiger Klassenzimmer), damit wir den dann, z.B. bei "UNESCO- Schulen für Afrika", oder bei Ehemaligen der Schule einreichen können, um Spenden dafür zu bekommen. Aber ich schaffe es einfach nicht und verschiebe es von einem Wochenende auf die nächste Woche. Am Wochenende möchte ich mir dann immer gerne wenigstens an einem Tag was Schönes gönnen, aber wenn ich bis Samstag nicht gesund werde, dann wird auch mit einer schönen Unternehmung nichts, dann muss ich vielleicht wirklich mal Antibiotica nehmen, was ich hasse und oft auch nicht gut vertrage

22.2.

Zu dem heutigen Tag werde ich nicht allzu viel schreiben, nur dass Sabrina sich bei uns in der Vorklasse eingefunden hat, sich dort richtig am Platz und sehr wohl fühlt. (Ich hatte vorher mit dem Schulleiter gesprochen, und er hatte seine Zustimmung gegeben). Da wir zu dritt waren, hatten wir die Möglichkeit wieder mit den Prickelnadeln und den Filzunterlagen zu arbeiten und dieses mal entstanden wunderschöne Schmetterlinge in Gruppenarbeit, die Sabrina gleich an die Wände klebte.

Die andere Sabrina (sie heißt tatsächlich genauso und ist aus München) stellte sich mir dann auch vor, und wir gingen mittags alle gemeinsam essen und sprachen über die verschiedenen Möglichkeiten, bei welchen Projekten sie sich z.B. einbringen könnten.
19.2.-21.2.
Heute nachmittag sind wir aus Massai Mara zurückgekehrt. Es war eine sehr interessante Kurzreise von Samstag morgen bis Montag nachmittag.
Masumi hatte sich kurzfristig entschieden mitzufahren. Morgens um 7 Uhr verließen wir das Haus und nach einigem Hin und Her und leider zu weit Gelaufe kamen wir dann am anderen AIESEK-Haus an und holten die beiden chinesischen Mädchen ab.

Kurz nach 8 ging es los. Am Anfang setzte ich mich nach vorne zum Fahrer und das ging die ersten 3 Stunden auch gut, aber dann wurde die Straße so schlecht, dass der Fahrer immer wieder die Straße verlassen und links in die unbefestigte viel tiefer liegende Landschaft ausweichen musste. Das Auto lag dann von der Straßenlage her so schräg, dass ich wirklich Angst hatte, wir könnten mit dem Wagen umkippen. Nachdem ich etwa 20 Minuten Todesängste ausgestanden hatte, fragte ich eine der beiden chinesischen jungen Mädchen, ob sie bereit wäre, mit mir den Platz zu tauschen, und zum Glück war sie bereit.
Hinten war es dann eigentlich einigermaßen auszuhalten. Nach etwa 6 Stunden erreichten wir dann das Ziel.

Eine Ansammlung von Hütten, die aber eigentlich von innen eine Mischung aus Zelt und Hütte waren mit separater Toilette und Dusche und Waschbecken. Nach dem Essen ging es dann nach viel Geholper gleich in den Nationalpark und man konnte Springböcke und Zebras, Elefanten, Giraffen, Geparden und eine Löwenfamilie bewundern. Bei der Löwenfamilie streikte leider mein Akku (warum hatte ich mir nur Zuhause keinen Ersatzakku gekauft? ärgerte ich mich). Die Löwinnen lagen auf dem Rücken, die Pfoten in der Luft, dann liebkosten sie ausführlich ihre Jungen, was allerliebst anzusehen war, und ich konnte diese Idylle leider nicht festhalten.

Gegen 18:30 musste der Nationalpark verlassen werden, und wir freuten uns schon wieder auf ein schönes Abendessen.

Die Nacht war ziemlich gut nur gegen 5 Uhr am Morgen war es bitter kalt und mit warmer Dusche am Morgen war auch nichts. Nach dem Frühstück ging es dann wieder in den Nationalpark und dieses Mal sahen wir außer den schon genannten Tieren auch 2 männliche Löwen und später sogar einen Löwen und eine Löwin, die kopulierten. Das hatte ja wirklich Seltenheitswert, so einen natürlichen Akt fotografieren zu dürfen. Außerdem sahen wir Straußen, Büffel, Warzenschweine, Gazellen und einen großen Vogel mit Namen „Sekretär“ . Wir waren natürlich sehr angetan, denn manchmal glaubte man, die Tiere würden sich gerade nur für uns in Position begeben, so wunderschöne Motive boten sie und wir machten wirklich herrliche Fotos. Gegen Mittag waren wir bis zu einem Fluss gefahren, wo sich an die 50 Flußpferde träge ausgebreitet hatten. Wir bekamen eine kleine Führung von einem Wildhüter, der uns etwas über die Flusspferde erzählte. Auch ein Krokodil zeigte sich uns träge im Schatten liegend. Danach fuhren wir weiter den Fluss entlang und kamen an eine Stelle, wo sich kleine Erdhörnchen tummelten und Halbaffen herum tollten. Ehe wir uns versahen hatte sie aus unserem Picknick 3 Bananen geklaut und sich damit Auf und Davon gemacht, was uns nicht gerade Töne der Begeisterung entlockte.

Beim Abendessen hatten wir einen wunderschönen Blick auf die Landschaft des Nationalparks, die sanften Hügel am Horizont, die Hütten, die imposanten Kakteenbäume, die bunte Blütenpracht der Blumen.

Mit den beiden chinesischen Mädchen und mit Masumi verstand ich mich gut, und wir hatten ein sehr schöne Zeit miteinander.

Am Ende der Reise hatten Masumi und ich Glück, denn der Fahrer wohnt auch in dem selben Vorort wie wir und deshalb fuhr er uns bis vor die Haustür.
Zu Hause angekommen machte ich mich sehr schnell zum nahe gelegenen Internetcafe auf. Als ich dann wieder zurückkam, war Sabrina, die neue Mitbewohnerin, angekommen. Es ging ihr gar nicht gut, deshalb kochte ich für die Mädchen gleich mal Spagetthi Bolognese.

Sabrina war von meiner Mitbewohnerin nicht gerade nett willkommen geheißen worden -wie das so ihre Art ist- und deshalb plante Sabrina schon wieder ihren Umzug in das andere AIESEK- Haus, und die Schule wollte sie am liebsten auch wechseln. Sie gleich mit der slum-Schule an ihrem 2. Tag in Afrika zu konfrontieren, war wohl ein wenig viel für sie gewesen. Nach diesem köstlichen Abendessen und einiger tröstender und aufbauender Worte entschied sie sich, dann doch mit mir gemeinsam am nächsten Tag in die Schule mitzufahren und vorerst auch hier in unserer Wohnung wohnen zu bleiben.

18.2.

Habe heute Morgen erfahren, dass die deutsche Studentin sogar ½ Jahr mit uns hier zusammen wohnen wird, aber vermutlich nicht in der Upendo Rescue School arbeiten wird. Peter wird deshalb ausziehen und uns nur noch gelegentlich besuchen.

Siprose erzählte mir, gestern habe sich in der Schule eine Sabrina vorgestellt, die mit Bob im anderen AIESEK -Haus wohnt, die aber leider wieder nur 6 Wochen an unserer Schule zubringen wird. Naum will versuchen, ob man die beiden nicht ev. tauschen kann, weil das für unsere Schule natürlich viel effektiver wäre, wenn wir (ich sage schon wir) jemanden für längere Zeit hätten, der sich dann so richtig einarbeiten kann und außerdem die Verständigung mit einem deutschen Mädchen für mich natürlich viel einfacher wäre.

Heute kam ich so früh in die Schule, dass ich noch den größten Teil des Freitag- Morgengottesdienstes im Freien mitbekommen habe. Zuerst haben die Großen was vorgetanzt und gesungen, später hat ein Lehrer aus dem Evangelium vorgelesen, und er übersetzte anschließend die Geschichte in einfache Worte, so dass die Kinder alles sehr gut auf ihre Erlebniswelt übertragen konnten. Ich wunderte mich sehr, wie diszipliniert in der 1. Reihe die

Vorklassenkinder sich benommen haben, obgleich die Predigt auf Englisch stattfand.

Siprose berichtete mir heute, dass es gestern nur 3 Häuser entfernt von ihrem Haus gebrannt habe, sie hatten Hals über Kopf ihre Habseligkeiten zusammengepackt, die Kinder geschnappt und waren schnell zu einem Hügel gerannt, dabei haben sie wohl auch einiges verloren. Heute fehlten ganz viele Kinder, weil von mindestens 6 Kindern das Haus abgebrannt war. Die Familien mussten im Freien übernachten, und es blieb den meisten nur das, was sie auf dem Leibe trugen. Leider kommen solche Feuer immer wieder vor, wie ich ja schon einmal von Mister Owiti, dem 70 jährigen Lehrer berichtet, dessen Haus ebenfalls abgebrannt war. Für die 1000KS, die ich ihm geschenkt hatte, war er so dankbar gewesen.

Für die Familien ist das natürlich eine Tragödie, jetzt müssen sie sich ihr Haus (meist Wellblechhütten) erst wieder aufbauen und neue Einrichtung und Kleider besorgen. Angesichts solcher existentieller Probleme erscheint es natürlich ziemlich absurd, sich über ein gesundes Frühstück Gedanken zu machen.

Heute verließ ich schon kurz nach 12 die Schule. Ich hatte mich nämlich entschieden, am Samstag nach Massai Mara mitzufahren, und ich wollte für morgen alles noch vorbereiten. Ich hatte bei einem Straßenhändler Gummistiefel bestellt, da ich beim nächsten Regen nicht zu Hause bleiben, sondern witterungs- und slumgerecht ausgerüstet sein wollte. Leider war er nicht da und die Stiefel, die mir dann die nette Nachbarin zeigte, passten alle nicht so recht. Also ließ ich ausrichten, dass ich erst am Dienstag wieder am Vormittag vorbeikommen, die Stiefel aber erst nachmittags mitnehmen könnte. Dann fuhr ich in die Stadt, denn ich musste noch Geld vom Automaten abholen. So kam ich erst Viertel nach 2 zu Hause an. Zum Glück hatte ich ja noch meine Linsensuppe, die ich einfach nur aufwärmen musste.

Mittlerweile war ich beim nahen Internetcafe, wo ich gestern meinen Sonnenhut hatte liegen lassen, und habe die wichtigsten E-Mails beantwortet. Danach wurde gepackt. Gegen 17:30 kam Peter mit einem Kollegen und erzählte, dass das deutsche Mädchen doch erst morgen kommen würde, also werde ich sie frühestens am Montag Abend sehen, wenn ich von Massai Mara zurück komme.

Heute will ich mich noch ein wenig über das Busfahren, bzw. den Verkehr hier in Nairobi auslassen. Sowohl heute Morgen als auch bei der Heimfahrt im Bus: gellend laute Musik. Also ich bin laute Rockmusik wirklich gewöhnt, aber was einem an schrillen, lauten Tönen da zugemutet wird, geht derart an die Schmerzgrenze, dass ich mir auf beiden Wegen konsequent die Ohren zuhalten musste.

Sitzt man hinten im Bus, der meist total schlecht gefedert ist, dann kommt es immer wieder vor, dass der Bus entweder aufsitzt, Bürgersteige überfährt, über Schlaglöcher donnert oder so abrupt bremst, dass man nach vorne geworfen wird. Jeder fährt hier kreuz und quer, und jeder versucht den anderen zu überholen. Wenn ich gelegentlich vorne im Bus gesessen hatte, habe ich ebenfalls schon oft instinktiv die Augen schließen müssen, weil ich Angst hatte, es würde jeden Moment krachen.

Als Fußgänger muss man eine unglaubliche Reaktionsgeschwindigkeit haben, sonst wird man mir nichts Dir nichts überfahren.

Selbst in Nicht-Rushhourzeiten, herrscht ein unglaubliches Menschengewimmel und immer viel Verkehr. Geht man auf dem Bürgersteig, muss man den vielen Passanten ruck zuck ausweichen, sonst wird man umgerannt oder angerempelt. Nur sehr wenige Passanten gehen vorsichtig, sensibel und weit nach vorne schauend auf andere zu.

Nach meiner Rückkehr von Massai Mara werde ich sicher viel zu berichten haben.


17.2.

Heute wachte ich mit Kopfschmerzen auf und da meine Sehstörungen immer noch nicht weg waren, beschloss ich heute nicht in die Schule zu fahren. Aber ich hatte auch so einiges zu tun, Wäsche waschen, Kochen, in die Stadt zum Einkaufen fahren und da ich heute leider keinen Account mehr für Internet hatte, ging ich mit Masumi, unserer neuen AIESEC- Mitbewohnerin aus Japan, zu einem nahe gelegenen Internetcafe, um meine Mails zu checken und zu beantworten. Nachmittags rief mich Bob an und meinte, einige Interne würden Samstag bis Montag nach Massai Mara fahren. Es würde 270 Dollar für 3 Tage: für die Fahrt, die Übernachtung, den Eintrittspreis, die Führung und das Essen kosten. Das finde ich in Ordnung und überlege, ob ich nicht mitfahre, auch wenn es am Samstag schon um 8 Uhr losgeht. Ansonsten gibt es heute nicht viel Berichtenswertes, außer dass ich mir mittags eine phantastische Linsensuppe gemacht habe.
Morgen soll wohl auch ein deutsches Mädchen von AIESEK kommen, um hier ein paar Wochen mit uns zu leben. Let's see!!


16.2.

Heute hatte ich einen sehr aufregenden Tag. Seit gestern Nachmittag hatte ich Sehstörungen: wie eine kleine Fliege, die sich unaufhörlich vor dem Auge auf und ab bewegt, sich aber doch im Auge befindet. Da ich im Dunklen gelegentlich auch Lichtblitze sah, entschied ich, wenn es heute Morgen nicht besser werden würde, eine Augenklinik aufzusuchen. Am nächsten Tag war der kleine dunkle sich bewegende Fleck immer noch da. Ich rief die Deutsche Botschaft in Nairobi an und ließ mir die Telefonnummer von einer Augenspezialistin geben. Charles orderte mir ein Taxi, und wir fuhren in eine sich in einer „Diplomatengegend“ befindenden Klinik. Zum Glück konnte ich mich auf Englisch verständlich genug ausdrücken und Mrs. Raschid fand nach sehr gründlicher Untersuchung zum Glück keine Auffälligkeiten an meinem rechten Auge, aber sie wollte ganz sicher gehen und überwies mich an einen Retinaspezialisten, in einem anderen Krankenhaus in der Nähe der Stadtmitte. Also rief ich den Taxifahrer wieder an und der fuhr mich zu dem entfernten Krankenhaus. Dort musst ich erstmal 1,5 Stunden warten, dann aber widmete sich der Spezialist sehr intensiv meinen Augen, und er konnte mich beruhigen, vermutlich nur eine Alterserscheinung und keine Netzhautablösung, mit meiner Retina war alles in Ordnung. Da war ich natürlich sehr beruhigt. Allerdings konnte er mir nicht sagen, ob und wann die Flecken aufhören würden in meinem Auge herumzutanzen. Das Ganze kostete dann 3000 KS. Bei der Augenärztin vorher war ich auch schon 1500 KS losgeworden. Der Taxifahrer Marschall hatte auf mich gewartet, und er fuhr mich dann die 8 km wieder nach Hause. Als ich ihm dann für die Hinfahrt und die Heimfahrt insgesamt 1000 KS bezahlte, sagte er mehrfach, er sei mir so dankbar, denn umgerechnet 10 E sind hier sehr viel Geld und viele Menschen können hiervon eine Woche leben.


15.2.

Morgens gab es kurz Wasser, dann wurde es wieder abgestellt .

Auch heute wieder Regen, ich zog mit meiner Regenbekleidung los und musste mir mittags einen Schirm kaufen. Auch heute wieder war der Matsch durch den ich heute im slum musste, einfach nur widerlich. Meine größte Angst ist immer, ich könnte ausgleiten und der Länge nach im Schlamm landen, dann hätte ich sicher mal für einige Zeit die Nase voll.

Heute will ich eine Mail, die ich meiner Cousine auf die Fragen ihrer Schüler hin geantwortet habe mal hier wiedergeben und morgen noch mal speziell auf die Psyche und den Entwicklungsstand der afrikanischen Kinder eingehen.

Hallo Christel,

ich habe meinen Kollegen/innen und meiner 7.Klasse Deine Fotos gezeigt, die ich ausgedruckt hatte.Von meinen Kollege/innen soll ich Dir ausrichten, dass sie sehr beeindruckt sind von Deiner Arbeit.

Meine Klasse hat viele Fragen gestellt, die ich natürlich nicht alle beantworten konnte. Wir wollen morgen die Fragen sammeln, und ich würde sie Dir dann gerne mailen.

Ich hoffe, dass es Dir gut geht und freue mich auf Deine nächsten Bericht.

Liebe Grüße, Evi
Liebe Evi,

Danke, dass Du das Projekt hier unterstützt und Deine Kolleginnen informierst.

Hier nun die Antworten zu den Fragen Deiner SchülerInnen:

Machen die Schüler Ausflüge?
Ja, sie machen zur Zeit einen im Jahr, eigentlich sollten sie 3 im Jahr machen, aber die Eltern haben dafür kein Geld, es müsste dann schon von der Schule bezahlt werden und die kann den einen Ausflug auch nur dann machen, wenn jemand die Kosten sponsert.

Wie viele Schüler sind in einer Klasse?
Der Durchschnitt würde wohl bei 25 liegen, meinte die Vorklassenleiterin, aber ich vermute er liegt höher. In der Vorklasse hatten wir heute 44 Kinder, in der 8.Klasse sind zur Zeit 24 Kinder. Bis Klasse 4 liegt der Durchschnitt bei etwa 30 Schülern - in dieser Schule. Ich weiß nicht, ob das auch für die anderen Grundschulen in Afrika gilt.

Bekommen sie Hausaufgaben?
Die Schüler bekommen Hausaufgaben, die sie machen müssen, obgleich die Schule jeden Tag bis 16 Uhr geht. Die älteren Schüler ab Klasse 5 haben sogar samstags Schule.

Welche Ausbildung können sie nach der Schulzeit machen?
Also, so was wie eine Lehrzeit scheint es hier nicht zu geben. Etwa 25 % von der Gesamtbevölkerung (in Kenia) studieren; die können dann im Grunde alle Berufe ergreifen, die sie wollen.
Die anderen werden Schreiner, oder Fahrer von Taxis oder sie arbeiten bei der Polizei oder einer Bank. Sicher gibt es da auch Ausbildungskurse, aber offensichtlich nicht so was wie bei unserem Dualen System.

Müssen sie neben der Schule arbeiten?
Da die Schüler so lange Schule haben und Hausaufgaben und noch samstags Schule, haben sie meist keine Zeit für Jobs.

Welche Berufe haben die Eltern?
Ich spreche jetzt über die Eltern unserer Vorklassenkinder: die Frauen verkaufen im slum entweder Gemüse, Früchte oder Kleider oder Haushaltsgegenstände, oder sie arbeiten bei einer reichen Familie als Hausangestellte, als Wäscherin, Friseuse oder Babysitterin. Die Väter arbeiten als Industriearbeiter, Gelegenheitsarbeiter, Schreiner oder Fahrer oder sie verkaufen auch was auf der Straße.

Was spielen die Kinder?
Die Jungs machen sich aus den Abfällen, die sie finden, selbst Bälle, mit denen sie Fußball spielen, die kleinen Jungen suchen sich Seile oder Fäden und spielen Pferd, oder sie laufen sich gegenseitig nach. In der Mitte des Schulhofes gibt es eine Mulde, wo die ganzen Abfälle immer hineingeworfen werden. Da springen die Jungs manchmal rhythmisch rein und wieder raus. Sie ekeln sich nicht davor. Sowohl Jungen, als auch Mädchen lieben es Figuren oder irgendwelche kleinen Kunstwerke aus Matsch herzustellen.
Die Mädchen springen gern Springseil, hüpfen Gummitwist, malen sich Hickelkästchen mit Steinen auf den Boden, sie lieben Ballspiele ähnlich wie Völkerball (nur zu viert), auch sie lieben Laufspiele und Kreisspiele (ähnlich wie : Ein Plumpsack geht herum,,, )
Die größeren Kinder spielen auch gerne mit den Kleinen, schleppen sie herum und bemuttern sie.

Liebe Evi,

Ich hoffe, dass ich damit die Fragen ausreichend beantwortet habe. Ich weiß natürlich nicht, ob tatsächlich alles so 100% stimmt und ob mich die Vorklassenleiterin immer richtig verstanden hat, aber nach bestem Wissen und Gewissen sind sie beantwortet.

Liebe Grüße
Deine Cousine Christel


Zur Persönlichkeitsentwicklung und zur psychischen Reife der afrikanischen Kinder:

Die Kinder, die im slum aufwachsen, scheinen automatisch viel selbständiger zu sein, als deutsche Kinder. Sobald sie laufen können, sind sie überall unterwegs, und jeder kennt sie. Die meisten sind körperlich absolut gewandt. Die 3 Jährigen sind hier schon richtige kleine Persönlichkeiten mit einer Ausstrahlung vergleichbar in Deutschland 5 und 6 Jährigen. Der 3 jährige Sohn meiner Kollegin Siprose kann schon die Zahlen bis 10 schreiben, er kennt die meisten Buchstaben, nur mit dem Rechnen und Abzählen klappt es noch nicht so gut. Er kann mindestens 20 Lieder bzw. Singspiele und Gebete auswendig. Er wirkt sehr aufgeweckt, temperamentvoll und begabt.

Ein weiterer Junge Sam ebenfalls 3 Jahre alt hat eine unglaubliche Ausstrahlung, so etwas habe ich bei einem Kind in diesem Alter noch nie gesehen. Er strahlt einem mit offenem Gesicht und sehr wachen Augen an. Er ist absolut rhythmussicher. Die 3 Jährigen stellen sich hier bereits vor die Klasse und machen den Vorsänger, und die anderen antworten dann. Sie stellen sich auch vor die Klasse und erzählen Geschichten, das hat mich sehr beeindruckt. In den Pausen stehen sie den Größeren gegenüber tatsächlich ihren Mann. Sie haben bereits ein unglaubliches Selbstbewusstsein und lassen sich nichts gefallen. Brian, z.B. der Sohn von Virginia, der Lehrerin der 3. Klasse, nenne ich immer „the big fighter“, weil der sich jeder Situation stellt und von irgendwo immer ein Stöckchen bereit hält, um sich zu verteidigen und anderen damit vor der Nase herumzufuchteln.

Das schönste ist aber die Kinder beim Beten zu sehen. Sie beten mit einer solchen Inbrunst, dass mir fast die Tränen kamen. Wenn ich wieder in Deutschland sein werde, weiß ich jetzt schon, dass ich diese Kinder vermissen werde, sie sind mir bereits jetzt sehr ans Herz gewachsen.

Die Fünfjährigen haben innerhalb von kürzester Zeit gelernt mit der Schere zu schneiden. Sie können die Zahlen bis 10 in Knete formen und auch fast alle Buchstaben. Sobald sie dann im 20er Raum rechnen können und auch ein wenig lesen und schreiben, wechseln sie in die 1.Klasse.

Gestern und vorgestern wurde in allen Klassen (bis auf die 8. Klasse, die im März schreiben werden) „Examen“ geschrieben. Etliche Distrikte von Nairobi schreiben übergeordnete allgemeine Tests, die Evaluation genannt werden. Ich hatte mir mal einen für die 1. Klasse für Science angeschaut und die waren richtig schwer, so etwas könnte man bei uns frühestens in der 3 Klasse schreiben, da die Antworten alle in Englisch und nicht in Kisuaheli zu geben sind. Auch die Mathetest 2. Klasse waren meiner Meinung nach von hohem Niveau.

Die Kinder bzw. Jugendlichen der 8. Klasse sind hier wirklich die Großen. Pubertät spielt sich hier etwa in der 4 und 5. Klasse ab. In der 8. Klasse übernehmen die Großen hier viel Verantwortung, sie besorgen das Gemüse und schleppen 1x die Woche den schweren Ugalisack, sie machen Feuer, bereiten das mittags das Essen vor, (unterstützt von einer Lehrerin und einem Lehrer), spülen vorher und später die Teller ab, reinigen die Töpfe, teilen das Essen aus und überwachen die Kleinen beim Essen. Vor dem Elternachmittag haben sie auch die Klasse peinlichst sauber geputzt. Sie bringen den Lehrern das Essen und das Wasser, damit diese sich vorher die Hände waschen können. Sie kümmern sich um die Kleinen, schleppen sie herum oder bringen sie zum Unterricht. Die Schüler der 8. Klassen benehmen sich hier schon richtig erwachsen. Diejenigen, die die Abschlussprüfung schaffen, haben -wenn sie das Geld für die
Anmeldegebühren und das Schulgeld haben- was hier keiner hat- die Möglichkeit auf die Secondary School zu gehen. Ich kann abschließend nur sagen, die afrikanischen Kinder und Jugendlichen haben sehr gute Anlagen und sehr gute Ressourcen. Es wäre ein Jammer und eine Verschwendung an human resource, wenn auch sie als Erwachsene im slum verbleiben und verkümmern müssten.
14.2.

Gleich morgens hörte ich von Peter die Freudenbotschaft: Endlich ist wieder Wasser da. Deshalb hätte ich natürlich am liebsten sofort geduscht, aber ich musste natürlich erst mal wieder 30 Min. warten bis das Wasser endlich warm wird. Als es dann endlich so weit war und die Zeit des Aufheizens rum war und ich mich schon auf eine wunderbare Dusche freute, rief Peter, das Wasser würde schon wieder weniger und ruckzuck war es wieder abgestellt – also wieder philippinische Dusche.

Als ich das Haus verlassen wollte, regnete es schon wieder im Strömen und ich habe mir leider keinen Schirm aus Deutschland mitgebracht, da hieß es tapfer durchkommen mit Regenschutz. Der Knatsch dann später im slum war unbeschreiblich : zum Glück hatte ich meine Wanderschuhe an und eine lange Hose und kein langes Kleid. Heute sollte ja der Elternnachmittag sein, und ich war leider nicht ganz so schön gewandet wie sonst immer.
In der Schule angekommen: der Schulhof wie ein Acker alles voller Knatsch, die Kinder mussten dann ihre Schuhe ausziehen und mit nackten Füßen auf dem Steinboden sitzen.

Zum Glück trocknete alles im Laufe des Vormittags.

Für den Elternnachmittag hatte ich mich zu Hause etwas darauf vorbereitet; es sollte um die Arbeiten in den Mappen der Kinder (u.a. ihre Basteleien), um das neue Material und um das Thema „gesundes Frühstück“ gehen.

Nur so viel: die Mütter und ein Vater kamen leider nur tröpfchenweise, so dass wir alles bis zu 5x wiederholen mussten. Benedikt, der vertretende Schulleiter, sprach dann abschließend auch noch ein paar Worte, vor allem wie wichtig es sei, dass die Kinder wirklich jeden Tag geschickt würden.

Auf dem Rückweg regnete es erneut. Das ist doch wirklich kurios: draußen regnet es die ganze Zeit, und wir haben hier kein Wasser!!
Der Schulleiter Naum hat wieder Sorgen, er weiß nicht, wie er die Anmeldegebühren für die Abschlussprüfungen der 8. Klassen herbekommen soll. Darüber wollen die internen Freiwilligen demnächst mal nachdenken.

Nachts brauche ich hier viel mehr Schlaf als in Deutschland -2-3 Stunden mehr. Wenn ich um 6:30 aufstehen will, muss ich spätestens um 22 Uhr ins Bett gehen.

Im Laufe der nächsten Tage habe ich mir vorgenommen über den Entwicklungsstand der afrikanischen Kinder im Vergleich zu den deutschen Kindern zu berichten.

13.2.

Ja, den Absprung fand ich und gelangte auch tatsächlich zu den Njong Bergen. Von der Stadt Njong fuhr mich dann ein Motorradfahrer hoch in die Berge. Der Blick war leider nicht so klar, es war recht dunstig. Etwa 3,5 km spazierte ich in den Bergen herum. Es gab viele Menschen, die die frische Bergluft oben genossen und picknickten. Ich machte sehr schöne Fotos von Pflanzen und Blumen. Auf meinem Rückweg allerdings geriet ich in einen sehr starken Regenguss, so dass ich sehr schnell komplett durchnässt war. Die Schmutzklumpen hingen an meinen Füßen fest und man musste sehr aufpassen, nicht auszurutschen. Zum Schluss kam ich wieder bei dem kleinen Häuschen an, wo ich am Anfang meiner Wanderung, 400KS hatte bezahlen müssen, um das Gelände überhaupt betreten zu dürfen. Zum Glück bot mir einer vom Wachpersonal einen Platz an. Mit viel Mühe gelang es mir dann aus meinem Rucksack die trockenen Beinteile meiner Wanderhose herauszuholen und wieder an meine Hose dranzumachen. Dann mussten wir warten bis der Regen und das Gewitter endlich aufhörten. Als es nur noch tröpfelte, fragte ich einen der Besucher draußen, der gerade dabei war, ein Auto aus dem Schlamm heraus zu befreien, ob er mich zu der Stadt nach unten mitnehmen könne. Zum Glück stimmte er zu. Ich erzählte ihm über die Schule und den slum, wo ich arbeitete. Er wollte sehr gerne die Telefonnummer von Georg haben, damit er ihn mal durch einen slum mit seinen Kindern führen würde. Er ließ mich dann beim Supermarkt raus und als nächstes versuchte ich im Gras ein wenig meine Schuhe zu reinigen und ging dann in eine Bar, wo es halbe Hähnchen gab. Selten hat mir ein Hähnchen so gut geschmeckt. Danach hatte ich Glück und kriegte ziemlich bald einen Bus zurück zur Stadt. Doch da war mitterweile das Unwetter angekommen. Nachdem ich im Restaurant und im Bus mich ein wenig aufgewärmt hatte, wurde ich auf dem Weg zum Matatu erneut klatschnass. Dann informierte mich der Busfahrer auch noch falsch, denn er fuhr gar nicht nach Kariako (wo wir wohnen), sondern in eine mir völlig unbekannte Gegend. Nach einer ziemlich langen Fahrt sollte ich dann aussteigen und mit dem Bus 14 weiterfahren. Da stand ich nun im Regen und wurde immer nässer. Die 2. Fahrt ging ziemlich schnell, doch ich musste mich erst wieder orientieren. Ein netter Mensch aus Somalia half mir dabei und gegen 18:30 erreichte ich dann tretschnass unsere Wohnung, wo ich mir erstmal, eine philippinische Dusche gönnte, da wir immer noch kein fließendes Wasser haben. An Spülen ist weiterhin nicht zu denken, hoffentlich haben wir morgen endlich wieder Wasser, ansonsten müssen wir morgen nochmals beim Wassermann 80 oder 100 Liter Wasser kaufen.


12.2.
Heute wieder kein Wasser und Kela versuchte den „Wassermann“ erneut zu bestellen, aber leider nahm er das Gespräch nicht an. So haben wir außer den 5 Liter Trinkwasser nichts mehr: kein Wasser für die Toilette, nichts fürs Duschen, kein Wasser fürs Kochen und auch nicht fürs Abspülen. Man kann sich ja vorstellen, wie es zur Zeit bei uns aussieht.

Für morgen habe ich mir vorgenommen, zu den Ngong Hills ins Grüne zu fahren. Dort soll es auch wunderschöne Blumen geben. Die „hills“ sind nicht weit vom Karen-Blixenmuseum, wo ich ja letztes Wochenende war. Heute brauche ich glaube ich einen Ruhetag und vielleicht will ich mit der Projektbeschreibung anfangen, die Manuela angeregt hat, um den store über den Klassenräumen, die Gründe dafür und die näheren Umstände sowie Kosten darzustellen. Sie hatte die Idee danach dieses „proposal“ an ehemalige interns von China oder Holland oder Österreich weiterzugeben. Es soll auch möglichst Fotos beinhalten, Ich will mal sehen, ob ich das hinbekomme. Georg hat ja bereits einen Anfang gemacht. Dies muss übersetzt und noch näher ausgeführt werden.

17:50

Nun habe ich doch so lange mit dem Berichtigen und Versenden meines 4. Berichtes, sowie den Fotos gebraucht, dass ich für den Entwurf für ein proposal heute keine Zeit mehr finde, zumal ich noch den Elternnachmittag für Montag vorbereiten und Abendessen kochen will -ev. auch noch Tomaten und Zwiebeln besorgen.

Den ganzen Tag bin ich müde und am Gähnen, obgleich ich 9 Stunden geschlafen und sogar heute Mittag ein wenig ausgeruht habe. Ja, in Deutschland geht es uns ganz genauso im Hochsommer auch dann ist man träge und hat oft zu gar nichts Lust.
Hoffentlich finde ich morgen den Absprung und setze meine Pläne in die Realität um.

11.2.2011

Heute wieder kein Wasser.

Mit Kela war ich auf dem Markt hier in Cariaco ganz in der Nähe, wo wir wohnen. Dort bestellte ich Masaisandalen (für weniger als 7 E), sie werden speziell für mich angefertigt, da ich nicht die „große Onkelschlaufe“ mag. Auf dem Weg zurück trafen wir den Wasserverkäufer und wir bestellten rund um die 100 Liter Wasser, die er uns dann in Wassertanks nach Hause brachte. Die 100 Liter waren sehr schnell verbraucht. Wir mussten beide waschen und vorher natürlich Duschen. Danach spülte ich erstmal das meiste in 2 Eimern. Jetzt haben wir noch etwa 5 Liter Trinkwasser, die sich im Kühlschrank befinden.

10.2.2011

Heute morgen und wie sich später herausstellte, den ganzen Tag kein Wasser, also keine schöne Morgen- und auch später keine reinigende Nachmittagsdusche.

Siprose benötigte heute dringend mein handy. Ihres war beim Einkaufen gestern aus der Handtasche gestohlen worden. Sie hatte eine wichtige Familienangelegenheit mit ihrem Bruder zu besprechen. Sie brachte eine simkarte mit und die steckte ich dann in mein handy. Ihr Bruder rief sie dann an, und sie telefonierte draußen mit ihm. Als ich später mein handy wieder hatte, entdeckte ich eine sms von Georg, in der er mitteilte, dass er nicht zur Schule kommen könne, er habe Malaria. Das war natürlich ein ganz schön großer Schreck für uns.

Naum war heute den ganzen Tag in der Stadt und hatte uns keine Kopien gemacht, so musste Siprose und ich improvisieren.

Am Nachmittag etwa ab 14:30, als wir dann sämtliche Arbeitsblätter, die ich in der Mittagspause kopiert hatte, in die Mappen der Kinder einsortierten, befahl
Siprose den Kindern zu schlafen (lala machen) Das erlaubte sie normalerweise gelegentlich nur den Kindergartenkindern, wenn ersichtlich wird, dass diese wirklich völlig am Ende ihrer Kräfte angekommen waren, aber heute, da es schrecklich heiß war, schliefen sogar einige der 6Jährigen. In Deutschland wäre so etwas undenkbar, aber hier bei dieser Hitze schien es ganz natürlich, den Kindern auch mal eine Auszeit zu gönnen. Für den Montag nachmittag wollen wir die Eltern einladen und die Werke ihrer Kinder ihnen zeigen und ihnen auch noch die Wichtigkeit des Frühstücks darstellen und ihnen dazu auch ein paar Beispiele aufzeigen.


8.2.11

Da sowohl Georg, als auch ich (ich hatte mein Wasser vergessen und musste deshalb von der Bushaltestelle nach Hause zurücklaufen) heute ziemlich spät waren, wurde das meeting auf morgen verlegt; dazu kam dass Naum heute dringend in die Stadt musste. Hoffentlich habe ich dann endlich Gelegenheit, ein paar gute Fotos (auch von Merel gemacht) zu markieren und Thomas für die homepage zu schicken. Dafür wollen wir uns nämlich auch Zeit nehmen.

Kela hat heute an das zuständige Büro einen gesalzenen Brief geschrieben, damit hier in der Wohnung mit den sehr notwendigen Reparaturen endlich was geschieht. Ich habe ihr bei den Formulierungen ein wenig geholfen. Nachher wollen wir ev. hier in der Umgebung noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen – falls Kela nicht zu spät kommt- sind alles keine dringenden Sachen, so dass ich sie auch noch morgen besorgen kann. Heute habe ich in der Mittagspause mir neue schöne Bettwäsche (ein Laken für die Matratze und das gleiche dann nochmal, um die Wolldecke darin einzuschlagen) gekauft, die ich dann morgen oder übermorgen noch waschen will. Meine, die ich seit 5 Wochen in Benutzung habe (natürlich dazwischen mehrfach gewaschen), ist für die Matratze viel zu kurz, so dass meine Beine die alte Matratze berühren müssen. Das wird jetzt zum Glück anders werden...

Die Kinder haben mittlerweile verstanden, dass ich sofort den Raum verlasse, wenn sie sich nicht benehmen. Heute hatten wir nur 34 Kinder, da so viele krank sind, und man merkte auf jeden Fall den Unterschied: in keiner Bank mehr als 3 Kinder; da hatten diese endlich mal einigermaßen Platz.

Als Siprose dann nach der Mittagspause etwas später erst in der Klasse erschien, machten sie kein Theaterchen, sondern waren folgsam; ich denke sie verstehen mittlerweile auch mein Englisch besser und ein paar Wörter kann ich ja jetzt doch schon in Kisuaheli. Siprose hat mir heute erzählt, dass die meisten Lehrer sich untereinander nicht verständigen könnten, da sie unterschiedliche Stammessprachen sprechen; nur weil alle Kisuaheli sprechen, können sie miteinander reden; zudem können sie alle natürlich auch Englisch sprechen.


Ab heute (7.2.) habe ich mich entschieden nicht mehr jeden Tag zu beschreiben, weil es mir nach einem langen Tag einfach zu anstrengend ist. Der lange und umständliche Weg zur Schule und zurück schafft mich, mein Knie schmerzt, und ich bin wieder todmüde. Das frühe Aufstehen und der Schmutz in der Luft (ständig wird etwas verbrannt), und es gibt sehr viel Staub und wahnsinnig viel Verkehr, so dass man sich ständig sehr konzentrieren muss, um nicht überfahren zu werden. Georg war heute mal wieder in der Schule, und er erzählte mir über die 2 Kostenvoranschläge für die Aufstockung der Klassenzimmer.

Die Kinder begrüßen mich morgens immer sehr nett. Mittlerweile habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht jede Klasse morgens zu begrüßen, und meist entgegnen sie freundlich mit : „Good morning, madame!“ Heute haben einige Kinder der Vorklassenkinder noch mal Armbändchen aus bunten Perlen gemacht; sie waren natürlich stolz wie Oskar. Leider hatten wir nicht genug Perlen zur Verfügung, obwohl Siprose nochmal 130 Perlen bei einem Friseur dazu gekauft hatte. Perlen sind hier sehr schwierig zu bekommen, wir wollen es mal an einem Wochenende auf dem Markt probieren.

6.2.11

Für heute Morgen hatte ich mir vorgenommen, die Messe in der nahe gelegenen katholische Mariakirche um 10 Uhr zu besuchen.
Dieses Mal wurde sie allerdings in Kisuaheli von einem weißen Geistlichen gehalten. Auch dieses Mal war ich von den wunderschönen Gesängen und der überwältigenden Frömmigkeit der Gemeinde sehr beeindruckt. Es wurde wieder rhythmisch mit geklatscht, und es gab auch animierende Schreie (ähnlich dem Gejohdele unserer Bergbevölkerung). Der Geistliche bekam nach der Gabenbereitung Nahrungsmittel überbracht. Ich vermute, dass er so wenig Gehalt bekommt (wenn überhaupt), dass er auf Brot, Eier, Tomaten und anderes Gemüse angewiesen ist. Schade, dass ich vom Inhalt der Predigt so wenig verstanden habe.

Zu Hause angekommen fing ich bald mit Wäsche waschen an, will nicht näher darauf eingehen, wie wahnsinnig umständlich das jetzt hier in der neuen Wohnung ist- nur so viel: es war unumgänglich zwischendurch in der schmutzigen, ablaufenden Waschlauge zu stehen, da der Abfluss hier nicht schnell genug abfließt und zweitens musste ich mich teilweise auf die Waschmaschine stellen, um überhaupt, die Wäsche aufhängen zu können, da Peter leider am Morgen, die Wäscheleine in der Höhe eines großen Mannes gespannt hatte. Er hatte dann zwar versprochen, sie weiter runter zu montieren, aber den Tag über war er erst mal unterwegs. Ansonsten war der Tag ohne größere Ereignisse außer dass wir nachmittags noch mal Besuch bekamen, Rose verabschiedete sich und stattdessen kamen Carol und Anthony. Er wollte uns beim office unterstützen, damit hier all die Mängel in der Wohnung mal bald beseitigt werden würden.

Danach fragte er mich, ob ich nicht ein wenig mehr monatlich bezahlen könnte. Ich erinnerte ihn dann an unseren Vertrag, und es wurde ihm bewusst, dass man da nichts machen könne. Jetzt bin ich erst einen Monat da und habe bereits 290 E bezahlt. Immerhin zeigte ich mich einverstanden, für die Nutzung des Internet 10 E extra im Monat zu bezahlen. Anthony fragte auch, ob es für mich okay wäre, wenn 2 neue „Interns“ (ev. ein neuer Kollege von mir) hier einziehen würden, denn das Geld wird für die Abdeckung der Mietkosten gebraucht.

Wir hoffen sehr, dass wir ab morgen wieder Internet haben werden, da das Arbeiten mit Modem (was viel langsamer ist), nur eine Notlösung sein kann.

Bin auf Morgen gespannt- ich strebe an, um 7 Uhr aufzustehen, damit ich ein wenig früher in der Schule sein kann als sonst. Zur Zeit sitzen wir zu viert wieder an unseren labtops


Sa., den 5.2.2011

Nach dem Aufstehen verkündete Peter die Hiobsbotschaft: „keine Elektrizität!“. Also wieder mal philippinische Dusche, aber vorher Wasser im Topf auf unserem Gasbrenner heiß gemacht u.s.w. , dauerte mindestens 15 Minuten. Dann Vorbereiten des Frühstücks in der Boden nassen Küche im Halbdunkeln, kein funktionierender Toaster und später Frühstücken im schummrigen Wohnzimmer. Da Liane, unsere frühere Nachbarin, sich bei mir abends nicht gemeldet hatte, ging ich davon aus, dass sie es sich anders überlegt habe, und zog nach dem Frühstück alleine in Richtung Stadtmitte los. Mein Plan war zuerst einmal

Geld zu tauschen, dann ins Karin-Blixen-Museum zu fahren und danach zum Giraffenzentrum.

Also, dass Geld besorgen tatsächlich so schwierig sein sollte, hätte ich vorher nicht gedacht- zumal Freja am Tag vorher verkündet hatte, dass es Geldautomaten an jeder Ecke geben würde. Also weder die Family Bank, noch die Kenianische National Bank wollten meine Mastercard akzeptierten, dann bei einer sehr unbekannten Wechselstube wechselte sie mir einen 5 Euroschein, aber meinen 20 Dollarschein weigerten sie sich zu nehmen: so kleine Scheine würden sie erst wieder am Montag annehmen. Ich zeigte ihnen meine Mastercard und fragte schon wirklich etwas verzweifelt, an welchem Automaten ich denn Geld ziehen könne. Da wurde mir die Barclay-Bank genannt und tatsächlich nur einige Meter weiter, fand ich versteckt 2 Geldautomaten, wo ich endlich -nach mehr als einer Stunde- Geld ziehen konnte. Kurz danach traf ich zufällig auf einen Cityhopperbus, der mich zwar nach einer guten Stunde ganz in die Nähe des Karin-Blixen-Museums (zum Mannour-Haus) brachte. Dort war ein wunderschönes Restaurant, wo man herrlich im Freien sitzen und genießen konnte. Ich entschied mich allerdings erstmal zum Museum zu laufen (etwa 500 m weit) und mir anschließend ein leckeres Mittagessen zu gönnen. Im Museum wurde mir ein guide zugeordnet, der sehr ausführlich über das Leben von Karen, aber auch über die verschiedenen Hausgegenstände, die sich in ihrem Haus befanden, referierte. Inmitten seines schönen Vortrags, rief mich zuerst Freyja an, und sie erzählte mir, das Liane mit ihrer Cousine angekommen seien und sich mit mir treffen wollten. Sie wurde dann an mich weitergereicht, und ich schlug ihr vor, dass wir uns um 15 Uhr am Giraraffenzentrum treffen könnten. Die Führung war wirklich sehr interessant; ich wusste gar nicht, dass Karen Blixen so schön malen konnte, ich war regelrecht begeistert von ihren Gemälden. Auch die ausgemacht herrlichen Einrichtungsgegenstände beeindruckten mich sehr. Später schaute ich mir noch den wunderschönen Garten und die Bergkulisse an.

Dann die 500 Meter wieder zurück zu dem sehr anziehenden Gartenrestaurant. Dort bestellte ich mir eine große Portion Fischsuppe und zum Nachtisch Panna Cotta. Bald kam mein vorbestelltes Taxi und brachte mich zum Gitarrenzentrum. Liane und ihre Cousine waren noch nicht da, also wartete ich. Um 15:10 rief ich sie an fragte, wo sie denn blieben. Sie seien noch in der Stadt, sie wisse nicht, wo das Giraffenzentrum sei. Ich reichte mein Handy weiter an den Eintrittskartenkontrolleur, der ihr dann kurz beschrieb, wo sich das Giraffenzentrum befindet. Dann wartete ich tatsächlich noch über eine Stunde bis die zwei endlich kamen. Ich war mittlerweile ziemlich erschöpft und angesäuert. Der nette Eintrittskarten-kontrolleur hatte mir erlaubt schon derweil hinein zu gehen. Ich hatte bereits eine Giraffe gefüttert und auch ein wenig dem Vortrag gelauscht, der in einem kleinen Lehrsaal stattfand. Die Mädchen hatte große Freude daran, die Giraffen zu füttern und Liane steckte sich sogar ein Futterstück in den Mund und ließ sich von der riesigen Zunge abschlecken – ich fand das ausgesprochen „disgusting“. Erwähnenswert ist, dass sich das Giraffenzenter auch als pädagogische Einrichtung sieht, die Kinder die Natur und Tiere nahebringen und Umweltbewusstsein bei ihnen erzeugen will. Sie wirbt dafür, dass Menschen spenden sollen, um slumkindern damit einen Ausflug sponsern zu können.

Später lud ich beide noch auf ein Cola ein, und dann fragte ich jemanden von den Giraffencenterbesuchern, ob sie uns freundlicherweise zur Hauptstraße fahren würden, damit wir dort wieder in den Cityhopper einsteigen könnten. Sie stimmten zu und -wie sich später herausstellte-, war es ein russisches Ehepaar, das sich dafür interessierte, was ich hier mache, und ich gab ihnen gerne Auskunft. Die Heimfahrt verlief dann ohne erwähnenswerte Ereignisse. Liane wollte sich gleich am nächsten Wochenende mit mir am liebsten mit ihrer Cousine und ihrer Tante gemeinsam treffen, um sich Nairobi näher anzusehen, aber nach der heutigen Pleite wollte ich erstmal ein wenig Zeit verstreichen lassen. Zu Hause angekommen war ich ziemlich erschöpft und brauchte, nach dem ich den anderen über die Ereignisse berichtet hatte, erstmal meine Ruhe. Wir hatten Besuch tagsüber und abends zeigte dann die Besucherin Rose, Kela einen neuen Tanz. Die Musik und das Getanze zog sich dann bis spät in die Nacht hin. Meine Ohrenstöpsel taten mir gute Dienste, und ich schlief bald ein.


Freitag, den 4.2.11

Da ich gestern Abend doch sehr spät ins Bett gegangen war und um 6:30 noch sehr müde war, entschied ich, mich heute mal ein bisschen weniger Stress auszusetzen, zumal Siprose heute wieder mit ihrem Sohn ins Krankenhaus muss und sicher nicht vor 11 Uhr zurück sein würde. Ich bin zwar sehr gerne bereit zu unterstützen, wo ich kann, aber ich lehne ab, 42 kleine Kinder alleine zu unterrichten, die mich auslachen, weil ich ihr Kisuaheli (von dem ich mittlerweile ein paar Worte beherrsche) so lustig ausspreche.

Dazu kam, dass für unsere Wohnung für heute Handwerker angesagt waren, so dass es sinnvoll war, dass jemand zu Hause blieb. Wir haben ja auch noch unser Kaninchenproblem, das nicht entdeckt werden soll, und was mir aufgetragen worden war- falls dann der Hauswart oder ein Handwerker kommen sollte, ich in die Waschmaschine stecken sollte (natürlich nur für kurz und ohne Anmachen!!).
Am Vormittag räumte ich ein paar weitere Tüten aus, spülte mitgebrachte Bestecke und las ein wenig in meinem mitgebrachten Afrikabuch („Mein Gott, Afrika!"). Ja, diesen Ausruf könnte ich hier auch gelegentlich tätigen. Außerdem brennen meine Augen, und ich fühle mich den ganzen Vormittag müde und schlapp. Habe nicht mal Lust nur ein paar Meter von hier entfernt ein paar fehlende Lebensmittel einzukaufen. Aber Hunger habe ich, also werde ich mir jetzt bald die Reste von gestern Abend machen.

Danach war ich so müde, dass ich mich erst mal wieder eine Stunde hinlegen musste. Für den Nachmittag war ein Einkaufsbummel in der näheren Umgebung geplant; außer Süßkartoffeln kriegte ich alles: Bananen, Tomaten, Kartoffel, Zucchini, Eier, Tomatenmark und zum ersten Mal kaufte ich mir heute ein Stück Fleisch. Bin mal gespannt, ob es zart ist, oder ob man ein sehr kräftiges Gebiss braucht.
Von Freunden war ich gebeten worden, mehr über die Menschen mit denen ich hauptsächlich zu tun habe zu, zu berichten:

Das ist eigentlich schnell gemacht:

Zusammen wohne ich die meiste Zeit mit : Freyja- aus Island (26 Jahre), Kela (eigentlich Rachel) aus Spanien (27 Jahre) und Peter aus Bodswana, der einen deutschen Vater hat, der aber in Amerika lebt. Gelegentlich (maximal die Hälfte der Zeit) stößt Tiziana aus Brasilien zu uns und wohnt dann auch bei uns. Sie ist meist unterwegs, weil sie in einer weit entfernten Universität im Distrikt Kabarak studiert. Alle meine MitbewohnerInnen gehören der AIESEK- Studentenorganisation an. Freya und Peter sind dabei, ein riesengroßes meeting mit Teilnehmern aus etwa 120 Ländern im August hier in Nairobi zu organisieren. Kela hatte sich beworben, ist durch ein sehr hartes Auswahlverfahren gegangen und ist ab Juni die neue Präsidentin von AIESEC für Kenia. Zur Zeit ist es noch Fiona, eine Kenianerin, die auch ein wenig für der ganzen Hausschlamassel hier verantwortlich war und wohl gelegenlich -aber sehr selten auch bei uns wohnen wird.

Der Hausverwalter des Hauses, wo wir jetzt wohnen, heißt Charles.

In der Schule habe ich meist mit dem Schulleiter Naum zu tun; gelegentlich kommt auch Georg, der Manager, in der Schule vorbei, meist um irgendwelche notwendigen Projekte zu unterstützen. Die Vorklassenleiterin mit der ich sehr eng zusammenarbeite heißt Siprose, die Klassenlehrerin der 3.Klasse, die meist auch beim Essen zubereiteten hilft, heißt Virginia, ein älterer Lehrer heißt Mister Owiti, der Klassenlehrer der 6. Klasse heißt Dankan, von den anderen Lehrern weiß ich die Namen nicht. Der vertretende Schulleiter heißt Benedikt und schickt uns regelmäßig seinen 2 jährigen Sohn Trevers in die Vorklasse. Von Merel, einer Freiwilligen aus Holland, habe ich ausführlich berichtet, sie befindet sich jetzt im Urlaub, zur Zeit haben wir einen neuen volunteer, er ist der 19 jährige Bob aus China. In den ersten beiden Wochen, in der ich die Schule unterstützte, hatten wir noch eine Praktikantin Joyce , die dann aber wegen Krankheit ihres Kindes sehr bald ihr Praktikum abbrach.

Über Manuela Müller, die hier das Projekt zwar unterstützt, aber ebenfalls für AIESEC in Uganda arbeitet, kann man sich ausführlich über die von mir immer wieder angegebene homepage informieren. Ihr Vater, Thomas Müller, hat einen Verein zu Gunsten der Schule gegründet, seine geschiedene Frau Ingrid Müller unterstützt ebenfalls die Schule finanziell.

Ja, das Fleisch, was man hier kaufen kann (meist aus der Keule), kann man halt nicht als Steak braten, ev. sollte man versuchen, das nächste Mal es in lauter kleine Stücke zu schneiden und eine Art Goulasch daraus zu machen. Vom Geschmack her war es gut, aber man brauchte sehr viel Geduld beim Essen und gute Zähne.

Heute sind wir mal wieder zu fünft, weil Tiziana auch wieder da ist, aber morgen wird sie schon wieder nach Kabarak fahren. Sie schläft dann einfach auf einer Matratze bei Freya und Kela im Zimmer.

Donnerstag, 3.2.2011

Am Morgen dann gab's wieder einige Überraschungen : kein warmes Wasser in der Dusche, und wir mussten uns wieder Wasser im Wasserkocher heiß machen, in einen Eimer schütten mit kaltem Wasser verdünnen, ein kleines Plastikschälchen inklusiv Eimer unter die Dusche mitnehmen und nach philippinischer Manier schöpfend duschen, das Wasser floss dabei nicht ab (Abfluss verstopft). Beim Frühstückmachen in der Küche war es besonders lustig, denn die Küche war total überschwemmt – nicht nur an einer Stelle, sondern komplett die ganze Küche. In solchen Fällen bin ich dann wirklich froh, im Haus Plastik-Badeschlappen zu tragen.

Der Stecker vom Toaster passte nicht in die „afrikanische“ Steckdose, so musste erst wieder eine Steckerleiste aus dem Schlafzimmer meiner MitbewohnerInnen geholt werden. Da ja nur eine Toilette funktioniert, musste ich (auch schon nachts) jedes Mal den Schlafraum meiner MitbewohnerInnen betreten, wenn mich ein bestimmtes Bedürfnis überkam.
Charles, der Hauswart, begleitete mich dann bis zur Busstation, und freundlicherweise sogar bis zur Busstation in der Stadt. Von da ab wusste ich schon selbst, in welche Richtung ich fahren muss.

Irgendwie hatte ich wohl auf der neue Matratze nicht so gut gelegen, denn ich hatte sehr starke Knieschmerzen. Also humpelte ich bei der Endstation angekommen mit Schmerz verzerrtem Gesicht durch den slum- mit dem Herumspringen klappte es dementsprechend nicht so gut.
Der Unterricht in der Vorklasse machte Spaß – wie fast immer. Die Kinder vollendeten die schönen Blumen, die wirklich ausgesprochen gut gelungen waren, und ich machte Fotos von den Bildern. Die Kinder waren wirklich sehr stolz.

In der Pause fragte ich Naum, der den ganzen Tag schon sehr bedrückt wirkte, was eigentlich los mit ihm sei, und er sagte mir, dass einer der Männer, die ihm geholfen hatten, an Elektrizität dran zu kommen, nun verhaftet worden sei. Offensichtlich war da auch illegal Strom irgendwo abgezapft worden. Der Strom war dann überall gesperrt, und als ich mit einem der Lehrer zum Geldwechseln in Richtung Bank humpelte, war überall Polizei zu sehen. In der Bank dann wieder ein Curiosum: einen 20-Dollarschein wollten sie ums Verplatzen nicht wechseln, weil er ihnen zu zerknittert war (die anderen hatte ich allerdings vorher in der gleichen Art und Weise gefaltet gehabt.) Zum Glück hatte ich selbst noch einen 1000er Schein KS, so dass ich Naum das Geld für Bonface, der zuünftig die Secondary-School besuchen wollte, geben konnte.

Um 15:15 machte ich mich dann wieder auf, und alles klappte ganz gut; ich kaufte in 2 verschiedenen Supermärkten alles ein, was ich brauchte. Dann allerdings war es etwas schwierig für mich, die Bushaltestelle für meinen Bus zur Heimfahrt zu finden, aber ich fragte mich tapfer durch. Dann ließ mich der Fahrer an der vorher ihm mitgeteilten Station heraus, aber ich konnte mich überhaupt nicht zurecht finden. Morgen will mir Charles, der Hauswart, dann die Adresse aufschreiben, dass ich ev. jemanden danach fragen kann. Heute rettete ich mich zur Polizei, rief Charles an und ließ mich von ihm abholen. Dann kaufte ich auf dem Rückweg noch ein paar Tomaten, Zwiebeln und eine schöne reife Avocado für das Frühstück. Heute Abend war es recht nett: ich machte mal wieder Spagetthis mit Bolognesesoße und lud Kela (die einzige, die von meinen MitbewohnerInnen da war) zum Essen ein. Danach lieh sie mir ihr Modem, so dass ich die Möglichkeit für Internet hatte, und so die Chance erhielt, meine Mails zu beantworten. Kela machte dann noch einen entspannenden indischen wellness-tea und danach ihre Yoga- Übungen. Unser Kaninchen Taifa hüpfte immer ganz aufgeregt um sie herum und wollte wohl auch Yoga mitmachen.

Dann trank es Tee aus Kelas Tasse, was diese natürlich nicht so schön fand. Mal sehen, ob ich mit meinem schmerzenden Bein morgen überhaupt in die Schule gehen kann.


2.2.2011

Als ich heute Morgen dann gerade aus der Dusche kam, kam unsere nette Nachbarin und brachte uns Tee und sandwiches belegt mit gebackenen Eiern. Das war natürlich super nett von ihr, so hatten wir hier wenigstens ein Frühstück. Als ich dann heute in der Schule ankam, wurde ich stürmischst begrüßt von den mehr als 40 Vorklassenkindern, denn ihre Lehrerin war mal wieder nicht da. Ich versuchte erst mal ein bisschen alleine zu unterichten, aber als ich dann auf kisuahili sagte, sie sollte sich hinsetzen lachten sie nur- standen, statt sich hin zu setzen und balgten miteinander; also ging ich ins office und bat um Verstärkung. Die Lehrerin der 1. Klasse kam dann wieder rüber und hielt die Klasse bei Laune. Wir machten dann auch wieder eine Knetsession; dieses Mal mit allen Kindern. Als Siprose dann um 11:20 endlich wieder da war, war ich echt froh. Viele der Kinder bastelten die Blume fertig, und es sah wirklich sehr schön aus. Um 12:20 verabschiedete ich mich dann, weil ja heute endgültig der Umzug stattfinden soll, und ich rechtzeitig da sein wollte, um nicht später alleine mit Taxi umziehen zu müssen; außerdem hatte ich ja meinen kleinen Raum abgeschlossen und ohne meinen Schlüssel hätte man ja meine Habseligkeiten nicht weg transportieren können.

Als ich dann an meiner Matatustation ankam, gab es erst mal keine Möglichkeit mit einem Matatu zu fahren, denn es war ein Unfall passiert und es herrschte Stau. Also entschied ich bei der Gluthitze nach Hause zu laufen. 200 Meter später hatte ich dann doch noch Gelegenheit in eins einzusteigen. Der Herr neben mir verwickelte mich in eine Gespräch und wollte wissen, was ich denn hier in Afrika mache, was ich ihm dann erzählte. Als ich später „zu Hause“ angekommen war, gab es eine Überraschung, denn unsere liebe Nachbarin fragte, ob sie uns nicht Ugali mit Leber machen dürfe. Obgleich ich schon vorher 2 Bananen und 2 Chiabatti gegessen hatte, sagte ich doch sehr gerne zu. Nach einer Stunde kam sie uns abholen. Man wusch sich vorher die Finger, und es gab eine wirklich ganz ausgezeichnet zubereitete Leber mit Ugali (mit was denn sonst??!) und mein geliebtes Kohlgemüse, auf das ich schon so lange gewartet hatte. Alle waren super zufrieden, und ich nötigte dann unserer Nachbarin 500KS auf, da sie uns ja auch schon das Frühstück zur Verfügung gestellt hatte. Nun warten wir auf den Umzugswagen. Er sollte ja bereits um 15 Uhr da sein, aber jetzt ist es schon 15:30, und er ist immer noch nicht da. Das ist Kenians way of live... Also um 16 Uhr kam er dann endlich, dieses Mal war in Blitzeseile alles eingeladen. Wir wollten gerade losfahren, da stellte sich heraus, dass der rechte Vorderreifen platt war. Da meinte man doch schon fast, dass das Schicksal uns nicht ziehen lassen wollte.
Also diese erneute Katastrophe bedeutete dann wieder Warten mindestens eine Stunde bis dann das Rad herausgeschraubt worden war und ein neues endlich eingetroffen war.

Die Präsidentin von AIESEC Fiona war auch mittlerweile eingetroffen und betrachtete sich den Zustand des Hauses. Sie entschuldigte sich für den gestrigen Tag.

Als dann alle endlich imAuto saßen, zündete der Fahrer und probierte es wieder und wieder, aber der Wagen sprang nicht an. Schon wieder so eine Pleite und wir sahen unsere Felle dahin schwimmen. Dann musste vorne das Fahrerhaus aufgeklappt werden, es wurde herum geschraubt und Öl nachgefüllt und was weiß ich noch alles und dann sprang er endlich an. Gegen 18 Uhr war es dann so weit, und wir konnten uns erneut in den Möbelwagen begeben; der nette indische Nachbar lächelte und winkte uns sehr freundlich zu. Vorher hatte ich mich noch bei ihm verabschiedet, und er hatte angedeutet, dass wir für unsere Schule ein paar Fußbälle erhalten würden. Ich solle ihn nur einfach anmailen. Dann ging die Fahrt los. Freja mit dem Kaninchen in einem Karton und ich daneben im Fahrerraum – keine Möglichkeit zum Anschnallen und eine atemberaubende Fahrt, so dass ich mich gelegentlich reflexartig weg ducken oder einfach die Augen schließen musste.

Dann wollte der Fahrer unterwegs von uns auf einmal wissen, wohin er denn nun fahren solle. Das wussten wir nun auch nicht, sondern nur Kela, die sich aber hinten im Möbelwagen befand. Also erklärten es ihm zuerst ein paar Passanten, aber dann kam letztendlich aus dem Wagen hinten ein weiterer Fahrer hervor, der uns dann problemlos zu unserer neuen Wohnung fuhr. Hier wurde dann erstmal ausgepackt, und ein ganzer Haufen Nachbarskinder half gleich mit und probierte by the way auch gleich mal die nur noch zweisaitige Gitarre aus. Dann machten sich Kela und Freja auf, ein paar Zutaten für ein Gemüse zu kaufen, sie blieben ziemlich lang weg, und ich packte in dieser Zeit meine Sachen aus. Leider hat mein Schrank noch keine Stangen, so dass ich notgedrungen bis mir dann jemand welche einbauen wird, einige meine Kleider an die Gardinenstange hängte. Dann begann ich die Regale des Schrankes auszuwaschen. So etwas dreckiges habe ich noch nie gesehen. Etwa 7x musste ich mit dem Schwamm und einem Reiniger die Regale auswischen, bis das Wasser sich endlich wieder klar färbte. Eine Dusche funktioniert nicht (der Duschkopf fehlt) und die zweite Toilette ist permanent überflutet (Wasser steht am Boden etwa 2 cm. hoch, so dass man sie nicht benutzen kann.

Am späten Abend aßen wir dann erstmal alle das leckere Gemüsegericht mit Avocado und Chiabatti, das Kela schon einmal gekocht hatte. Später erstellten wir eine Mängelliste, denn morgen soll eine Inspektion kommen und alle Probleme vor Ort anschauen und registrieren.

Jetzt ist jeder in seinem Zimmer, und wir hoffen, dass wir eine gute friedliche Nacht haben werden.

Diese wurde dann nicht ganz so friedlich, denn nach etwa 20 Minuten wurde ich von gellenden Schreien geweckt. Kela und Freja waren auf eine Kakerlake gestoßen, die Peter (der Mann) -wie es sich zu gehören scheint- jetzt zu erlegen hatte. Ich war am Nachmittag im Bad auch schon auf eine gestoßen und hatte Fiona (der noch amtierenden Präsidentin von AIESEK) ihr Loch gezeigt, wo sie in rasender Eile verschwunden war, nachdem sie meiner gewahr geworden war.

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Heute war wirklich der verrückteste Tag in meinem Leben. Gestern hatte ich ja bereits berichtet, dass wir heute umziehen wollen. Mit meinen Hausgenossinnen war aber ausgemacht, dass ich vorher bis 12 Uhr auf jeden Fall noch in die Schule fahren wollte. Ich hatte ziemlich viel Geld mitgenommen, weil ich wegen meiner Miete und wegen des Schulgeldes für die secondary School für den Jungen unbedingt Kschilling brauchte.
Der Unterricht in der Vorschule lief normal. Wir warteten auf Naum, da wir in sein office immer die Taschen abstellen. Er kam dann ziemlich spät, und ich entschied mich gemeinsam mit Bob und einem Lehrer Geld umtauschen zu gehen und schon einige Zeit vorher dann zurückzufahren (zumal es ja mit dem Umzug jeder Zeit hätte losgehen können).

Auf dem Weg hin kaufte ich mir noch 2 warme Chiabatti im slum, denn ich hatte ja noch nichts zu Mittag gegessen.
Also Dollarscheine nehmen sie nur ab 50 Dollar, ich hatte aber nur 20 - und 5 Dollarscheine; zum Glück hatte ich aber noch 180 Euro dabei, die sie anstandslos tauschten;

Bob hatte leider seinen Ausweis vergessen, deshalb wollte ich für ihn sein Geld tauschen. Einen Hunderter akzeptierten sie nicht mit der Begründung, das sei kein aktueller! Also muss der arme Bob noch mal irgendwann zu einer speziellen Bank nach Nairobi, damit er ihn eingetauscht bekommt. Der 2. Hunderter passierte dann anstandslos und Bob war happy.

Dann machte ich mich auf den Heimweg mit dem nächsten Matatu, schon vor dem Ausstieg hatte ich mich entschieden, mein Glück im Wechseln der Dollars bei der Barklaybank zu probieren. Sie nahmen sie anstandslos (auch die 4 x 5 Dollarscheine), aber die Gebühr war doch ziemlich hoch, so dass ich insgesamt vom Wechselkurs doch etwas enttäuscht war.

So dann aber nix wie heim zum Umzug, der dort schon voll im Gange war. Zuerst setzte ich mich ein wenig unsozial und ziemlich cool auf die Terasse und belegte mir meine Chiabattis mit einem Rest Avocado und trank schönes kaltes Wasser dazu; außerdem hatte ich mir unterwegs noch einen gerösteten Maiskolben gekauft, an dem ich gelegentlich mal knabberte. War ja klar, dass ich mir irgendwann den Unmut der anderen zuzog, und ich dann verdonnert wurde, in der Küche, die Utensilien einzupacken (hätte ich 2-3 Minuten später so und so gemacht). Als wir dann endlich fertig gepackt hatten, mussten wir noch gut eine Viertelstunde warten bis endlich das Taxi kam, was uns in unser neues Zuhause bringen sollte. Das Taxi sollte dann dem Möbelwagen vorfahren, da der Fahrer nicht die Adresse wusste. Wir fuhren durch sehr interessante Gegenden, wo z.B. alle möglichen Dinge aus Metall hergestellt wurden : Container, Kannen, Schüsseln u.s.w, an Märkten vorbei, wo Früchte, Gemüse und Hühner verkauft wurden. Der Fahrer hatte uns gerade erzählt, dass das hier eine der problematischsten Gegenden sei, wo die Kriminalitätsrate ganz besonders hoch sein sollte, da gab es auf einmal einen Ohren erschütternden Knall : und die hintere Windschutzscheibe zersplitterte. Der Taxifahrer hatte offensichtlich für einen Motorradfahrer zu unvorhersehbar schnell gebremst, und dieser war ihm direkt hinten in die Windschutzscheibe hineingefallen. Natürlich hatten erstmal alle Angst um ihre persönliche Taschen (der Motorradfahrer hatte sich zum Glück nicht ersthaft verletzt); also musste man über den Sitz nach hinten greifen und dann so schnell wie möglich die Handtaschen am Boden unterbringen. Es gab dann ein langes Pallaver bis nach langem Hin und Her wir ein anderes Taxi gestellt bekamen und mit Möbelwagen im Schlepptau endlich weiterfahren konnten. Als wir dann Gott sei Dank bei unserem neuen Zuhause angekommen waren und die Möbelpacker Stück um Stück in die Wohnung brachten, stellte sich heraus, dass einem indischen Ehepaar bereits die Wohnung versprochen worden war. Da saßen wir nun im Hof mit herumlaufendem Kaninchen und meine Mitbewohner telefonierten mit den zuständigen Stellen, um herauszufinden, wer für diese Missplanung verantwortlich war.

Die Möbelpacker wollten natürlich auch eine Ansage haben, was jetzt eigentlich geschehen solle. Das zuständige Office gab uns nur die Antwort, dass wir zwar morgen, aber nicht heute hier einziehen könnten. Nach gut einer Stunde stand die Entscheidung dann fest : alles wurde wieder in den Möbelwagen gepackt, und der Möbelwagen brachte uns wieder nach Hause. Dort wurde alles wieder ausgepackt und meist ins Wohnzimmer gestellt. Nach so einem Stress und nachdem ich für den „Umzug“ gezahlt hatte (statt meiner Miete für Februar) lud ich erst mal meine Hausgenossinnen zum Essen in ein nicht weit entferntes Restaurant ein. Dort aßen wir sehr lecker Chicken Curry mit Reis, Chiabatti oder Pommes- je nach dem, was jeder bevorzugte. Dazu gab es ein sehr leckeres Getränk aus Granatapfelsaft. Jetzt sitzen wir hier im totalen Chaos, aber zum Glück mit Internet und (nachdem wir die Energiesparlampen gefunden haben) auch mit Licht. Morgen soll dann erneut umgezogen werden. Ich bin ja echt mal gespannt!!!? Auf jeden Fall werde ich morgen früh erst mal in die Schule fahren und versuchen gegen 13:30 wieder hier zu sein. Natürlich sind wir alle gespannt, ob es dann morgen tatsächlich mit dem Umzug klappt- zumal Haustiere verboten sind- also noch einmal ein beträchtlicher Pferdefuß -lets see, this is Kenia.



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