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März 2011

Di., den 22.3.

Gestern erstmal als ganz ganz normaler Tag (ohne Wasser) beginnend, auch in der Vorklasse war es wieder ausgesprochen schön, wir falteten Boote und die Kinder bemalten sie hinterher, und hatten totalen Spaß dran. Gestern malten die Kinder-gartenkinder ein Huhn – wirklich köstlich. Aber um 12 Uhr verabschiedete ich mich bereits, denn ich wollte noch schnell zu Hause eine Kleinigkeit essen und dann zum YMCM- swimmingpool zu fahren, denn ich war dort mit Kela verabredet. Das Wasser dort war ein wenig schmutzig (voller Fliegen und Käfer), und sogar einen Heuschreck konnte ich aus dem Wasser retten. Kela ging bereits um 16 Uhr, wie sie es sich vorgenommen hatte, und ich genoss noch ein gute Stunde länger die schöne Sonne. Abends nach Hause gekommen, wollte ich eigentlich einige meiner Mails beantworten, aber ich unterhielt mich mit Kela so angeregt, dass die Zeit nur für eine Mail ausreichte.


Mi., den 23.3.

Zur Zeit kann ich immer nur mit Gummistiefeln durch den slum gehen, denn wie der Name schon sagt, ist dort alles verschlammt. Ich habe zwei freundliche Herren gefunden, die mir meine Stiefel noch bevor der slum anfängt, hüten und wenn ich zurückkomme, brauche ich nur nach meinen Stiefel zu fragen. Manchmal gebe ich Ihnen dann eine Kleinigkeit, und dann freuen sie sich so sehr, dass ich mich schäme, nicht mehr gegeben zu haben. Heute traf ich auf meinem Weg zur Schule einen jungen Mann mit seinem kleinen Mädchen auf dem Arm, der auf mich zukam und völlig verzweifelt bat, mich um sein Kind zu kümmern, da die Mutter es verlassen hat. Im slum wird man ständig angesprochen, ob man die Menschen nicht unterstützen kann. Meist sage ich dann, dass ich nur de Schule unterstützen kann und für die anderen leider kein Geld habe. In der Schule arbeiteten wir heute mal wieder mit Scheren. Ich zeichnete den Kindern schemenhaft einen Baum vor, sie malten ihn an und dann erhielten sie Scheren zum Ausschneiden. Die Kinder sind immer so eifrig und motiviert. Die Kleinen durften sich heute selbst malen, und man kann tatsächlich innerhalb von 2 Wochen Entwicklungsfortschritte bei ihnen beobachten.

Heute aßen Tom und ich wieder in der Schule Ugali und Kohl mit ein wenig Sukuma Wiki. Am Nachmittag wurden die wunderschönen Erzeugnisse der Kinder wieder in die Mappen gepackt.

Abends kam endlich das Wasser wieder und wir füllten Wasser ab wie die Weltmeister, ich denke über 120 Liter, und Freyja spülte endlich mal nach 3 Tagen ab, wie sie schon am Sonntag versprochen hatte.


Donnerstag, den 24.3.

Heute nacht um 4:15 ging es auf einmal los: ein lautes Rauschen von Wasser war zu hören, denn jemand hatte die Dusche angelassen, wahrscheinlich beim Abfüllen von Wasser. Danach war an Schlafen für mich nicht mehr zu denken. Ich döste noch ein wenig und freute mich schon auf eine warme Dusche, aber als dann Zeit zum Aufstehen war, war das Wasser natürlich schon wieder weg und die philipinische Dusche war – wie fast jeden Morgen- wieder angesagt. Leider hatte Frejya den Wasserboiler in ihrem Bad gebunkert, so dass ich eine halbe Stunde erstmal drauf warten musste.

Sabrina konnte noch nicht zur Schule kommen, sie rief mich an, und wollte, dass ich sie entschuldige, da sie richtig gehende Verbrennungen vom Sonnenbaden in Mombasa hatte. Auch heute war es wieder wie immer schön in der Schule. Die Kleinen durften eine Blume malen und mit den Großen faltete ich ein Flugzeug; danach durften sie es wieder anmalen, die meisten wurden aber nicht fertig und werden ihre vollständig bemalten Flugzeuge morgen fliegen lassen dürfen. Mit Naum gab es wieder ein wenig Unstimmigkeiten, denn einige Lehrer hätten lieber wenigstens 3 mal im Jahr 100 Euro Gehalt anstatt von 2 Lehrerhäuser. Die Lehrer diskutierten das untereinander, aber auch der Schulleiter unterhielt sich mit ihr ausführlich über das Thema, ev. soll es nächste Woche eine Lehrerkonferenz geben, wo jeder seine Meinung dazu sagen darf -falls das der Schulleiter überhaupt zulässt, denn er bezeichnet seine Lehrer als seine Kinder. Wenn sie ein Problem hätten, dann sollen sie zu ihm kommen und nicht zu mir. Mir tuen die Lehrer zwar auf der einen Seite ziemlich leid, aber ich finde auch die geplante Aufstockung sehr wichtig und so einige andere Projekte. (z.B. Aufteilen der Nurcery und der Preclass in 2 Abteilungen mit räumlicher Trennung, wobei eine Erzieherin dann die Kleinen betreuen würde.)

Georg brachte heute das Proposal mit, aber es war so völlig anders, als ich es erwartet hatte: keine Kostenkalkulation, keine ausführliche Beschreibung des Projektes, keine Formulierung eines Antrages, sondern eher eine Doktorarbeit über präventive Arbeit, die geleistet werden müsste, damit Slumkinder später in ihrem Leben eine Chance auf ein würdevolles Leben haben. Ich werde mir nicht die Arbeit machen, 15 DINA4-Seiten ins Deutsche zu übersetzen, wenn nicht mal ein Projekt ausführlich im Sinne eines Projektantrages formuliert wurde. Als ich Georg daraufhin ansprach, meinte er, er habe doch bereits für den aufgestockten Schlafraum was geschrieben; er hatte wohl vergessen, dass eine genaue Kalkulation noch nicht zum deutschen Schulamtsunterstützungsverein und zu Manuela gelangt war. Lediglich mir hatte Georg mal den Kostenvorschlag gezeigt, aber er war noch nicht eingescannt weitergemailt worden.

Für morgen habe ich jetzt eine Einladung von Herrn Mundia vom GIZ erhalten, es soll nachmittags eine Loungesitzung im Büro des GIZ geben, wo etliche Hilfsorganisationen eingeladen werden sollen. Mal sehen, ob sich daraus für uns weiterführende Kontakte und später vielleicht finanzielle Unterstützung ergeben könnte. Let's see!


Freitag, den 25.3.11

Morgens gegen 4 Uhr kam das Wasser, unter dem Waschbecken fing es nicht nur zu tropfen, sondern es lief richtig gehend und spritzte an die Wand und von da auf den Boden. Ich war wirklich zu müde zum Aufstehen an meinem „freien Tag“, dann aber um 5:45 blieb mir gar nichts alles übrig, denn das Wasser lief mir förmlich unter der Tür in mein Zimmer herein und dort ist Parkettboden. Also sprang ich aus dem Bett und musste erst mal überlegen, ob ich zuerst schnell Wasser abfüllen wollte, oder ob ich den Wasserschwall stoppen sollte. Also zuerst das Wasser gestoppt, durch die Küche getrieben und in den Außenbereich rausbefördert und das mindestens 20 Minuten lang, dann Wasser abfüllen und danach hatte ich sogar das Glück warm duschen zu können (ohne Eimer) und direkt aus der Dusche kommend. Da wurden sofort auch die Haare gewaschen, denn das muss man ausnützen, wenn die Dusche tatsächlich mal Wasser spendet. Später Wäsche waschen – wie immer am Freitag und dann machte ich mich schon bald auf zur City, denn der Wasserkocher hatte gestern seinen Geist aufgegeben, und außerdem hatte ich geplant, mein Visum bei der Ausländerbehörde verlängern zu lassen. Dann war ab 16:30 ja auch noch die Launch organisiert von der GIZ, wo viele wichtige Persönlichkeiten von Unterstützungssys-temen erwartet wurden, so musste mein Tag gut organisiert werden, damit ich zu diesem wichtigen meeting nicht zu spät kommen würde. Also um es mal wieder kurz zu machen, alles klappte wunderbar, und ich kam sogar pünktlich zur Launch. Dort wurde man mit Musik begrüßt, und man kam sogleich mit netten Leuten ins Gespräch. Die meisten waren tatsächlich von der GIZ, aber ich hatte auch Kontakt mit 3 Leuten der deutschen Botschaft (selbst die Deutsche Botschafterin war da) und ich werde mit einer Mitarbeiterin einen Termin ausmachen, um mit ihr über ein Kleinprojekt (Bau eines Dormitoriums) der Schule zu sprechen. Sie hat mir allerdings nicht viel Hoffnung gemacht, dass es mit einer finanziellen Unterstützung dieses Jahr noch klappen könnte. Außerdem war ich noch im Gespräch mit dem Chef von einer Bank, die in enger Zusammenarbeit mit der Regierung, Großprojekte (Bau von Grundschulen) aber am besten in Millionenbeträgen (in Euro)stehen. Mit so kleinen Projekten, wie die der Schule vorschweben, befassen sie sich erst gar nicht, es sei sogar ein Ausschlusskriterium. Dann war ich noch mit zwei farbigen Mitarbeitern im Gespräch, die Bauern so beraten, dass sie in die Lage versetzt werden, die Qualität von Nahrungsmitteln zu steigern. Zuletzt war ich noch im Gespräch mit einem Manager, der hier in Afrika Solarenergie zu verbreiten sucht. Von allen erhielt ich Visitenkarten, aber ich mache mir nicht viel Hoffnung, dass aus diesen Begegnungen wirklich eine finanzielle Unterstützung für die Schule erwachsen könnte.

Den Abend über gab es eine Podiumsdiskussion mit verschiedenen in diverse Projekte involvierte Projektleiter, z.B ein Projekt, wie Frauen oder Kinder, die Gewalterfahrungen hatten, effektiv unterstützt werden können. Zum Schluss wurden auch leckere Häppchen, wie z.B. Hähnchenflügel, Fischnuggets, Schweinefleisch und gegrillte Kartöffelchen herumgereicht, Rotwein und Mangojuice gab es auch. Also von der Verköstigung her gesehen war der Abend ein voller Erfolg. Der Chef von GIZ in Kenia - Herr Linneweber - stellte sich mir ebenfalls vor, da er sich wunderte, wer ich wohl sei, wo er doch sonst nahezu alle Anwesenden kenne. Besonders gut gefiel mir die Deutsche Botschafterin, die in der Diskussion immer wieder kritische Fragen einwarf – eine emanzipierte und sehr sympathische Frau. Der Rückweg war aufregend. Es war mittlerweile stockdunkel, und ich musste nach einer sehr abenteuerlichen Rückfahrt bei Ankunft erst mal wieder suchen, wo denn jetzt die Lutheliroad war, wo mein Bus Nr. 9 abfahren würde. Es war schon ein wenig be- ängstigend durch eine kleine dunkle Straße mit Bar und einigen auf der Straße herumfallenden Gestalten zu gehen.


Samstag, den 26.3.

Heute endlich mal ausschlafen, spätes Frühstück, dann half ich Kela bei der Ausformulierung einer Mail und berichtigte nebenbei auch noch ein paar Rechtschreibfehler. Ab 13 Uhr machte ich mich wieder auf zu dem schönen Swimmingpool in der MMU, indem ich schon nun zum 4. Mal war. Ich hatte dort Kontakt zu einer Studentin eines Kollegs, die mir über ihren deutschen Freund erzählte, den sie im Internet kennen gelernt hatte. Wir hatten sehr schönes Wetter, und ich genoss meinen Aufenthalt sehr. Heute Abend haben
wir hier nun eine Party und danach wollen die jungen Leute noch in eine Bar nach Westland zum Tanzen fahren.
Der Abend ging erstmal ziemlich zäh los, denn die Eingeladenen trudelten nur sehr zögerlich ein. Am späten Abend wurde es dann aber noch so richtig gemütlich und gegen 24 Uhr wurde ein Spiel gespielt : Wahrheit oder Glas (mit Alkohol) austrinken, was zwar für mein Alter fehl am Platz war, aber ich fand es trotzdem lustig. Spät am Abend entschied ich mich doch noch mitzufahren nach Westland zum Tanzen. Dort hatten wir eine sehr vergnügliche und tanzintensive Nacht. Gegen 4 Uhr entschied ich mich dann doch für die Rückfahrt nachdem eine junge farbige Studentin, die bei der Gruppe mit dabei war, so sehr getankt hatte, dass sie sich nichts sehnlicher als ein Bett wünschte. Kela entschied sich dann auch noch, sich uns anzuschließen und gegen 4:45 lagen wir dann in unseren Betten.


Sonntag, den 27.3.11

Heute war natürlich erstmal Ausschlafen angesagt. Eigentlich war für heute mit Kela swimmingpool im YMCA angedacht gewesen, aber leider wurde nichts daraus, denn Kela meinte, sie habe so viel zu tun, dass sie es sich nicht erlauben könne, einen komplett freien Tag zu nehmen. Ich sagte ihr daraufhin, dass ich schon planen würde dort zum Sonnen und Schwimmen hinzufahren und begann mit Packen. Dabei merkte ich, dass ich mein handy nirgends finden konnte. Nachdem ich alle Taschen und Jacken durchsucht hatte ohne fündig zu werden, musste ich ja von einem Diebstahl ausgehen und meine Laune sank merklich. Es wurde immer später, und es wollte sich einfach nicht finden lassen. Kela versuchte dann mein handy anzurufen, aber nichts war zu hören. Mittlerweile war es 14:30 und mir war die Lust auf swimmingpool gründlich vergangen. Kela machte mir, um mich zu trösten einen grünen Tee und den trank ich erstmal ziemlich traurig, weil es ja vor allem immer der Datenverlust ist, der besonders schmerzlich ist. Und auf einmal -siehe da ich mache intuitiv einen Griff nach rechts und fand mein handy – etwas versteckt (da wir ja gestern Besuch erwartet hatten). Da war ich wirklich heilfroh, aber der Tag war gelaufen und zum Schwimmen zu fahren lohnte es nicht mehr. Dann gab es noch ein wenig Hin und Her fahre ich mit Kela in die Stadt oder nicht und schließlich entschieden sich die jungen Leute alleine in die Stadt zu fahren, weil sie zu dritt was zu besprechen hatten. Ich blieb zurück, schrieb ein paar Ansichtskarten an Freunde und übte mich mit dem Fotoprogramm. Kela hatte uns für abends zur Linsensuppe eingeladen und sie schmeckte sehr gut – ein wenig ostasiatisch. Ich war noch von der letzten Nacht her ein wenig müde und ging deshalb schon bald schlafen.


Montag, den 28.3.
Als ich heute wach wurde griff ich mit meinem Arm zum Boden, wo ich meine Uhr vermutete, und ich griff in Wasser, schnell sprang ich auf, mein Zimmer mit Parkett-boden war fast vollständig überflutet. Eiligst ging ich ins Zimmer, wo Freyja, Kela und Titiana schliefen und bat um Mithilfe. Titiana kam sofort, Freyja hinterher geschlichen – mit Kela hatte ich im Ernst nicht gerechnet, denn die ist ja morgens gar nicht wach zu kriegen. Mit vereinten Kräften kriegten wir nach etwa 20 Min. mein Zimmer, den Flur, und die Küche wieder einigermaßen trocken. Als ich Naum auf den Sozialarbeiter ansprach, ob er heute komme, meinte dieser, er würde sicher die ganze Woche nicht kommen, da sein Baby krank sei, im Hospital liege und vielleicht sterben müsse. Er brauche 15.000 KS, um die Ärzte bezahlen zu können. Ich machte den Vorschlag, dass die Nachbarn und Verwandten und natürlich auch die ganze Schule für ihn sammeln könnten, aber Naum sagte nicht viel dazu.

In der Schule fand ich es heute wieder total anstrengend, denn Naum schickte Siprose los, Lebensmittel fürs Essen der Kinder zu besorgen und da der Laden um 12 Uhr zumachte, musste sie gleich nach dem Mittagessen um 14 Uhr nochmal los und blieb fast 1 Stunde weg. Eine halbe Stunde kriege ich es schon mal hin, mich mit den Kindern zu beschäftigen, aber heute morgen hatte Siprose schon fast alles ausgereizt : Singen und Gedichte und Verse aufsagen, so malte ich ihnen mittags ein paar Bilder an die Tafel und die Kinder sollten jeweils erraten, was das denn sei, und ich schrieb in Englisch die Bedeutung dahinter. Aber dann drängelten sich ständig alle vor und wollte jetzt den anderen zeigen, dass sie die Vokabeln schon können und keiner setzte sich mehr hin und alle wollten ständig auf die Toilette; es war zum Verzweifeln; zweimal kam die Lehrerin der 1. Klasse mir zu Hilfe und auch Dunkan kam mehrmals vorbei. Insgesamt fand ich es so anstrengend, dass ich am liebsten weggelaufen wäre. Das war so ziemlich das erste Mal, dass ich wirklich Lust hatte, davon zu laufen und nicht wieder zu kommen.

Nach der Schule ging ich erstmal einiges einkaufen und schleppte alles nach Hause.

Ansonsten gibt es über den heutigen Tag nichts Besonderes zu berichten.


Dienstag, den 29.3.

Heute Morgen wollte Siprose mit ihrem jüngeren Sohn wieder Mal ins Krankenhaus fahren, da er zur Zeit schlimmen Durchfall hatte. Also war ich – da Sabrina total spät kam- mit den Kindern wiedermal alleine. Ich schrieb eine Liste von Liedern und Versen an die Tafel, was ich die Kinder alles aufsagen lassen wollte – mehr für mich zur Erinnerung als für die Kinder, die das meiste ja gar nicht lesen konnten. Und tatsächlich bis zur Pause reichte der Stoff und dieses Mal benahmen sie sich auch einigermaßen, denn mit Hilfe von Virginias Übersetzungskünsten hatte ich gedroht, dass es dann, wenn es heute mit dem Benehmen wieder nicht klappen würde, es morgen kein Frühstück geben würde. Heute hatte die verspätete Sabrina Chiabatthis mitgebracht. Um 11 Uhr berief Eleke, die von Lamun zurück war, ein außerordent-liches Meeting aller Internen ein. Sie sagte ziemlich aufgebracht, dass die ständigen Versuche von Naum, den Internen ein schlechtes Gewissen zu machen, er brauche Textbücher, er wolle einen Schrank für sein Büro, sie wahnsinnig nerven würden. Selbst Georg rief die Internen zum Foundraising auf und heute sprach er bezüglich des storeprojektes wieder von „meinem“ Projekt, was ich ja gar nicht leiden kann, denn ich denke, die Schule ist der Hauptverantwortliche für sämtliche Projekte. Die Schule verließ ich heute bereits um 12 Uhr, weil ich ja schwimmen gehen wollte. Leider sagte Kela wieder ab, wie sich später herausstellte, weil eine Freundin, die eigentlich mit zum Schwimmen wollte, sich schlecht fühlte, so verschob sie also das Schwimmen auf morgen. Ich aber genoss das Sonnen und das Schwimmen, las ein wenig im Keniaführer und kriegte gegen 17:30 einen solchen Hunger, dass ich mich entschied, nicht erst nach Hause zu gehen und dort noch zu Kochen, sondern als ich ein Pizza Inn sah, „musste“ ich sofort rein gehen und mir eine Pizza bestellen. Was ich vorher nicht gewusst hatte, dass man, wenn man erstmal an der Reihe ist, noch 25 Minuten warten muss. Ich hielt mich dann an einem Guavensaft fest, bis die Zeit herum war. Es stellte sich heraus, dass man für 410 KS nicht nur eine kleine Pizza bekam, sondern auch noch eine für mit nach Hause. Das war ein echtes Angebot! Die 2. Pizza wollte ich für die girls mit nach Hause mitbringen, machte ich auch und, sie freuten sich darüber. Auch heute Abend hat Kela wieder Arbeit am Computer, eine Chatkonferenz. Aber irgendwie war der Abend trotzdem lustig. Titiana wohnt die ganze Woche bei uns. Gestern hat sie hier freiwillig die ganze Wohnung geputzt. Am Freitag wird sie nach Brasilien zurückfliegen und dann erst im Juni wieder kommen, weil sie dort studieren muss. Ich werde sie auf jeden Fall dann wieder sehen.


Mittwoch, den 30.3.

Bisher brachte der Tag keine großen Überraschungen. Als ich wach geworden war, realisierte ich, dass das Wasser mal wieder angestellt worden war. Dieses Mal kam ich auf das Angebot von Kela zurück, sie zu wecken, wenn es mal wieder losging. Es machte richtig Spaß, Hand in Hand mit ihr zu arbeiten, sie fing auch gleich mit Waschen an, ich machte mir Frühstück und dann ging es wieder los. Ich war mal wieder als erste von den voluteers in der Schule, die Kinder tönten wieder im Chor : „Good morning teacher and wellcome“, und ich fühlte mich wirklich willkommen.
Nachdem ich gestern Georg 330 E gegeben hatte (300 für den Wiederaufbau des Lehrerhauses und 30 als Startkapital, um sein, bzw. das Geschäft seiner Frau wieder aufbauen zu können, gab ich heute Mary das Restgeld, was von den 250 E ihr noch zustanden. Sabrina trudelte gegen 10 Uhr ebenfalls ein (sie hatte bis 4 Uhr mit Freunden gefeiert). Sie war in trauriger Abschiedsstimmung und will auf jeden Fall nächstes Jahr für 2 Monate wieder kommen. Ihre ehemalige Schule suchte eine Schule in Afrika, die diese langfristig unterstützen könne. Das wäre natürlich eine ganz tolle Sache, wenn daraus was werden würde und könnte für die Schule einen tollen Fortschritt bedeuten. Mal sehen; ich werde wohl mit Sabrina noch eine Weile in Verbindung bleiben und ihr über die Entwicklung der Schule und insbesondere der Kinder berichten. Heute bezahlte ich in der Schule mein Essen, weil ich den Wunsch hatte, außer Kohl und Ugali auch mal was anderes insbesondere was mit Fleisch zu essen. Das Essen war köstlich heute: es gab Maisbrei und dieses Mal Sukuma Wiki mit ein wenig Fleisch, wirklich sehr lecker. Sabrina hatte dieses Mal die Kopien gemacht und heute waren die Kinder wirklich sehr fleißig und schafften mehr als sonst.


Donnerstag, den 31.3.

Es hatte nachts geregnet und dementsprechend ging ohne Gummistiefel heute gar nichts. Um 11 Uhr gab es ein Meeting in der Schule, wo unter anderem auch die Aufgaben der Freiwilligen zur Debatte standen. Eleke hatte sich ziemlich über Naum geärgert, da er permanent versucht hatte, die Freiwilligen, insbesondere die beiden Sabrinas und Eleke, unter Druck zu setzen und aufgezählt hat, was er alles braucht: einen abschließbaren Schrank (wegen des Druckers und des Computers), neue Schulbücher, natürlich einen Zaun und last not least Donations für das geplante Dormitorium.
Georg sprach daraufhin ein paar weise Worte und die Unstimmigkeiten lösten sich bald in Wohlgefallen auf.Sabrina verabschiedete sich unter Tränen von "ihren" Kindern, und auch ich musste ein wenig mitweinen, und nahm damit ein wenig schon meinen Abschied in einem Vierteljahr voraus.
Nach der Schule ging ich zum Einkaufen, denn wir sollten heute Abend Gäste haben. Ich kaufte einen spanischen Weißwein und einen kleine Flasche Wodka, weil die jungen Leute davon immer so gerne Mixgetränke machen.
Abends feierten wir dann den Abschied von Titiana, die wieder für 2 Monate zurück nach brasilien zum Studieren geht mit ein paar Bekannten meiner Hausgenossinen. Eigentlich wollte ich einen Tomatensalat mit Avocados machen, aber die Zutaten, die ich eingekauft hatte, waren gerade recht für Kelas Lieblingsgericht, bei dem man eine Menge Zwiebeln, Tomaten, grüne Paprikas und zum Schluss Avocados zufügt und mit orientalischen Gewürzen abschmeckt. Das gibt dann eine leckere Füllung, die in Chabatthis eingerollt wird und hier immer der Renner der Party ist. Nachdem dann alle satt waren, schauten wir noch einen sehr schönen, aber auch sehr ernsten Film mit dem Titel „der schwarze Schwan“. Anschließend diskutierten wir über den Film: jeder hatte so seine Interpretation, und ich sah ihn meiner Profession gemäß natürlich ziemlich psychologisch- psychiatrisch. War wirklich ein interessanter Abend!



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Montag, den 21.3.

Trotzdem es versprochen worden war, gab es morgens wieder kein Wasser. Ich hatte schon alles vorbereitet, damit man möglichst schnell und viel Wasser abfüllen könne, aber da wir außer dem bisschen Trinkwasser gar keines mehr hatten, konnte ich nicht mal philipinisch duschen. Nach dem Frühstück ging es dann gleich wieder zur Matatustation und von dort weiter zur Schule. Ich war ziemlich froh, dass ich meine Gummistiefel mitgeschleppt hatte, denn der Schlamm im slum war unbeschreiblich; meiner Meinung nach wäre es ohne Stiefel gar nicht gegangen. Wie immer war es ganz wunderbar mit den Kindern und mit Siprose arbeite ich wirklich gut zusammen. Sie sagte mir heute, dass sie mich sehr vermissen wird, wenn ich im Juni wieder nach Deutschland zurück gehen werde. Als ich dann sagte, aber das sei doch erst in einem Vierteljahr, meinte sie :als ich gekommen sei, habe sie gedacht, 'ach, ein halbes Jahr ist doch so lang!' , aber jetzt denke sie, dass die letzten 3 Monate sicher sehr schnell vorbei gehen würden. Dann fragte sie mich noch, ob wenn ich zu Hause sei, nicht eine Gesellschaft finden könne, die den Gehalt der LehrInnen übernehmen könne.


Sonntag, der 20.3.

Heute wollte ich Kela und vielleicht auch Frejya den swimmingpool von MMU zeigen. Aber natürlich musste auch das Wetter stimmen, also warteten wir erst mal ab, wie es sich entwickeln würde. Unserem ehemaligen Nachbarsmädchen Liane hatte ich ebenfalls versprochen, dass ich sie zum swimmingpool mitnehmen würde. Gegen 11:30 war das Wetter dann so, dass wir einen Versuch unternehmen konnten. Ich rief Lilian an und sagte ihr, wann wir los wollten. Da sie nicht pünktlich war, gingen wir ohne sie. Freyja wollte ev. später nachkommen, ihr war das Wetter noch zu unbestimmt war. Lilian rief dann später an, und wir sagten ihr, wo sie uns treffen könne, und dass Frejya auch noch später nachkommen würde. Kela war sehr angetan vom swimmingpool, aber das Wetter blieb unbeständig. Trotzdem kamen Frejya und Liliane nach. Das Wasser war wieder herrlich. Liliane hatte ihr Geld verloren – wie sie meinte- und so legte ich ihr den Eintrittspreis vor, natürlich wollte sie auch schwimmen. Mit Sonne baden wurde es nicht allzuviel und nach 2-3 Stunden mussten wir dann doch den Heimweg wieder antreten. Für den Abend hatte ich beide Hausgenossinnen eingeladen zu einem südostasiatischen Gericht, das ich selbst erfunden hatte mit Hähnchenbrust, Auberginen, Karotte, Zwiebeln, Kartoffeln, grünem Paprika, Curry, Ingwer, Kokosmilch und als Beilage Reis. Vorher musste ich noch alles von der Abendeinladung her abspülen. Alle waren sehr angetan von dem leckeren Gericht und mir hatte es auch sehr gut geschmeckt. Der Abend war dann noch sehr nett und anregend, und ich kam nicht viel zum Bericht schreiben.


19.3.

Für heute hatte ich mir vorgenommen nach Nakuru zu fahren, wo es einen See mit vielen Flamingos und in dem Nationalpark ebenfalls Nashörner und andere wild lebende Tiere geben sollte. Titiana hatte mir den Standort von 2 Gesellschaften beschrieben, die dort hinfahren würden. Relativ schnell fand ich diese auch und kaufte mir eine Fahrkarte. Die Fahrt (etwa 2,5 Stunden) war sehr angenehm, aber es regnete immer noch ein wenig. Ich hatte allerdings die Hoffnung, dass das Wetter dort netter sein würde. Zum Schluss der Reise, nachdem alle ausgestiegen waren, fragte mich der Busfahrer, ob er mich den Nachmittag über mit seinem Bus im Nationalpark herumfahren dürfe: inklusiv Eintritt würde es mich 8000 KS kosten. Ich verstand natürlich inklusiv des Eintrittspreises für mich. Da hatte ich mich aber leider verrechnet, denn er hatte seinen Eintrittspreis eingerechnet und meinen außen vor gelassen. Als wir dann am Eingang standen, stellte sich heraus, dass ich den vollen Eintrittspreis von 75 Dollars auch noch zu zahlen hatte. Zum Glück hatte ich vorher genügend Geld abgehoben, aber irgendwie traf mich dies doch etwas unvorbereitet, dass ich auf einmal so viel Geld für mich allein ausgeben sollte.
Doch dann entschied ich mich, dass jetzt schlechte Laune fehl am Platz sei, und ich lieber den Nachmittag in vollen Zügen genießen sollte.

Also um es kurz zu machen: Wir sahen eine Menge Nashörner, aber nur sehr wenige Flamingos und auch nur aus der Ferne, so dass ich ein wenig enttäuscht war. Die Landschaft war allerdings traumhaft, und wir sahen eine Kobra, die sich dahin schlängelte begleitet von dem Angstgeschrei zweier um sie herumhüpfender kleiner Vögel. Ich machte sogar eine Filmaufnahme davon. Der Rückweg war dann wirklich eine sehr rasante Fahrt bei Regen und Aquaplaning, und ich übte mich oft im „Todstellreflex“ und Augen geschlossen halten, da ich sonst womöglich einen Herzinfarkt bekommen hätte. Zu Hause angekommen hatten wir Gäste 2 indische junge Männer, wo von mir der eine von seinem Gesicht und seinem Lächeln besonders gut gefiel. Kela und Freyja hatten ordentlich aufgefahren und ich bekam die Erlaubnis, mich in der Küche auch noch zu bedienen, mit was immer ich nur wollte. Es war ein sehr netter Abend mit sehr anregender Unterhaltung.

18.3.

Zuerst mal ein ganz gewöhnlicher Freitag : Duschen (philippinisch), Frühstücken, Wäsche waschen, Mittagessen kochen, ein wenig ausruhen, Wäsche wieder abhängen, Internetcafebesuch. Doch danach gab es etwas Neues in meinem Tages-ablauf. Heute würde ich das erste Mal abends in Nairobi ausgehen: Kela hatte von einem spanischen Gitarrenkonzert berichtet, das es abends im Norden der Stadt in der Aula einer Schule geben sollte. Ich war sofort Feuer und Flamme. Sie hatte mir von ihrer Arbeitsstelle aus gesimst, dass sie vorschlägt, dass ich um 18 Uhr zum Hilton kommen sollte. Etwas zu früh, wie üblich, war ich am Hilton, da ich verstanden hatte, dass das Konzert bereits um 18:30 beginnen sollte. Dieses mal musste ich auf sie warten, aber nicht so lange und am Mittwoch hatte sie aufgrund eines Missverständnisses auf mich warten müssen, also 1:1. Wir mussten dann auch noch eine Zeitlang auf den Bus warten, als er dann endlich kam, ging ein regelrechter Kampf um das Hereinkommen in den Bus los; ich entwickelte ein wenig Angst, tot gedrückt zu werden, doch dann entschloss ich mich, mich durchzusetzen und mich nicht permanent abdrängeln zu lassen. Kela schaffte es nach einiger Zeit auch noch in den Bus zu gelangen, aber sie jammerte, sie sei arg zusammengedrückt worden. Ich hatte so einen Run auf irgendwas noch nie erlebt und bin auch nicht besonders erpicht darauf, so etwas noch einmal zu erleben. Vergessen zu erwähnen hatte ich, dass es regnete. Oft gibt es dann Stau in Nairobi und so war es auch. Zum Schluss etwa 1 km vor unserem Ziel rührte sich Minuten lang gar nichts mehr, also beschlossen wir auszusteigen und den Rest des Weges zu Fuß hinter uns zu bringen. Die meiste Zeit versuchten wir auf einer Spur der Straße zu gehen teilweise durch die stehenden Autos hindurch. Ich stolperte in eine Pfütze, Kela war natürlich etwas schneller als ich. Meine blauen Sommerschuhe waren vollständig ruiniert. Schließlich erreichten wir ziemlich durchweicht den Aufführungsort. Das Konzert hatte bereits angefangen. Es zeigte sich, dass nicht nur ein ausgezeichneter Gitarrenspieler seine Kunst darbrachte, sondern seine Gattin zeigte sich zuerst in Percussion- und später in wunderbarer tänzerischer Begleitung : teils Flamenco, teils im klassischen Ballettstil, im Modern und im Ausdruckstanz. Jeder war in seiner Art hervorragend, und die beidseitige Virtuosität nahm mir an manchen Stellen den Atem. In der Pause aßen wir leckere Samosas. Von dem Rückweg ist nicht sehr viel zu berichten, außer dass wir in einem Bus mit Musik und Lightshow, die eher an eine Discothek erinnerte, nach Hause fuhren. Insgesamt ein sehr beeindruckendes Erlebnis.


17.3.

Heute Morgen hatten wir zur Abwechslung dann Überschwemmung im Flur. Wenn wir dann schon mal Wasser haben, dann gleich im Übermaßen und mit unten tropfendem Ausguss am Waschbecken. Etwa eine dreiviertel Stunde war ich immer wieder mit Aufwischen beschäftigt und vorher mit dem Abfüllen von etwa 100 Liter Wasser. Deshalb war es nicht möglich, pünktlich in der Schule zu sein. Ziemlich bald kam Georg sehr ernst und ziemlich aufgelöst, der Georg, der sonst so in sich selbst ruht und immer ausgeglichen zu sein scheint und ausgleichend wirkt. Es machte mich hilflos, ihn in dieser Verfassung zu sehen, denn ich hatte ihm nichts zu bieten außer ein paar tröstender Worte, die schal wirkten, und das Angebot, seiner Familie eine Unterkunft anzubieten und das bisschen Geld. Bevor er ging, fragte er, ob es nicht möglich sei, dass die anderen Internen Fundraising machen könnten.

In der Mittagspause gingen Sabrina, Stratos, Tom und ich wieder in die Gaststätte, wo wir immer hingehen, weil es uns hier einfach gut schmeckt. Während ich gestern dort Fisch gegessen hatte, aß ich heute mal wieder Chicken Curry, was wirklich wieder ausgezeichnet schmeckte. Das ganze kostete mich inklusiv Softgetränk 2,20 E. Sabrina und die beiden Jungen machten sich danach wieder auf den Heimweg, und ich ging noch mal schnell ins Internetcafe nahe bei. Mittags in der Schule malte ich verschieden Sachen an die Tafel und schrieb die englischen Begriffe daneben, dann kamen die Kinder nacheinander an die Tafel und wiederholten die englischen Vokabeln. Danach wurden sie mit dem Loblied von den anderen gefeiert, und sie schwangen dabei ihre Hüften, was wir alle immer sehr lustig finden. Dann fing der Regen an, und ich hatte die Idee, dass Siprose den Kindern eine schöne Geschichte erzählen könnte und aus einer Geschichte wurden gleich 3 und das war auch bitter nötig, denn draußen stürmte es und der Regen prasselte auf die Wellblechhütte und selbst mir war es ein wenig unheimlich. Ich glaube, so konnte die Lehrerin, den Kindern ein wenig Geborgenheit mitgeben, und sie hatten weniger Angst. Als der Regen dann ein wenig nachließ, verabschiedete ich mich und die Kinder winkten mir wieder hinterher.


16.03.

Heute morgen kurz nach 6 kam die Schreckensbotschaft per sms von Georg, dass sein Haus niedergebrannt ist, dass er alles verloren habe und dass sie i
Freien über-nachten mussten. Gestern war Georg noch so fröhlich im Tierpark gewesen und hatte den Ausflug in vollen Zügen genossen und dann in der Nacht dieser Tiefschlag.., auch ich war nach dieser Nachricht völlig „durch den Wind“- zumal ich Georg wirklich mag und tiefstes Mitleid mit seiner Situation empfand. Im Bus in den Nachrichten konnte man dann auch von dem Brand hören, über 500 Familien soll das Haus abgebrannt sein. In der Schule wurde ich dann auch sofort von den anderen LehrerInnen empfangen und sie erzählten mir, dass Mary erneut unter den Opfern war. Sie hatte jetzt eine Woche in dem „Lehrerhaus“ gewohnt, und hatte von dem Geld, das der Verein ihr hatte zukommen lassen, schon wieder ein paar Kleider und Haushaltungsgegenstände gekauft, und nun war innerhalb von kurzer Zeit erneut alles in den Flammen aufgegangen auch das restliche Geld. Sie sitze nun bei Freunden im Haus und sei nur am Weinen. Naum ist zu ihr gefahren, um sie zu trösten. Ich sagte sofort spontan für jeden der beiden 100 E zu. 50 können wir noch von dem Rest der 300 E nehmen, die der Verein bereits für die Feueropfer bereit gestellt hatte, 100 E wollte eine Freundin soundso für die Brandopfer ausgegeben wissen, verbleiben noch 50 E, die entweder von den Spendengeldern meiner Freunde oder vom Verein aufgebracht werden sollten; von den eingeplanten Geldern für die Aufstockung muss es allemal abgehen. Die Situation ist wirklich zum Verzweifeln, aber die Menschen dort dürfen nicht verzweifeln und müssen immer neu anfangen und wieder neu aufbauen.

In der Vorklasse war es wieder sehr schön -wie immer. Aber ich entschied mich schweren Herzens heute doch schon früh zu gehen, weil ich T. Mueller sofort eine Mail (von einem Internet-Cafe) schicken wollte, um ihn über die erneute Katastrophe zu informieren und weil ich für die beiden Lehrer das Geld vom Automaten abholen wollte. Ich plante, auch noch ein Telefongespräch mit Anthony zu führen, ob er einverstanden sei, wenn Georg mit seiner Familie in unserem Haus ein paar Tage wohnen würde. Weiterhin wollte ich mich heute endlich mit Masumi in der Stadt treffen, dass sie mir meinen Adapter wieder zurück gibt und dann war ich auch noch mit Kela für den swimmingpool verabredet, weil das der einzige Nachmittag war, wo sie ein paar Stunden Zeit hatte.

Anhand des Telefongespräches mit Anthony stellte sich dann heraus, dass weder er noch meine Hausgenossinnen etwas dagegen hätten, wenn Georg mit seiner Familie hier ein paar Tage untergebracht würde. Ich rief ihn dann gleich an, aber er meinte, er müsse vor Ort bleiben und würde erstmal bei Nachbarn unterkommen.

Im swimmingpool mit Kela war es sehr schön- wenn auch ein wenig kurz, da wir erst um 15:30 dort eintrudelten. Danach zeigte sie mir den Markt und wo man günstig Hähnchenbrust kaufen kann. Wir waren auch in einem Laden, der sich auf Haarkosmetik spezialisiert hatte, und ich kaufte etwas, was einfach köstlich roch und gegen trockene Haare sein sollte. Die 20.000 KS holte ich ebenfalls aus dem Automaten und danach zeigte mir Kela noch das Goetheinstitut und gab mir einige Orientierungshilfen, damit ich das nächste Mal auch alles alleine finden würde.


14./15.3.

Leider ist Sabrina von hier weggezogen, sie war die dauernde Wasserknappheit satt, und wollte auch nicht immer so weit zur Schule fahren und mehr in der Nähe zu den anderen Freiwilligen wohnen. Sie ist dort jetzt wohl sehr glücklich, da man sie abends dort bekocht und sie auch ihre Sachen gewaschen bekommt und sich verwöhnen lässt.

Gestern hatten wir eine Teamsitzung, in der alles Wesentliche für den heutigen Ausflug zum Nationalpark Nairobi besprochen wurde. Georg hatte die Idee, dass diejenigen der Achtklässler, die letztes Jahr nicht beim Ausflug dabei waren (8 Schüler) stttdessen heute mit der 6. und 7. Klasse mitfahren dürfen, außerdem auch noch ein Lehrer mehr als eingeplant. Das ganze würde also etwa 800 mehr als ursprünglich gedacht kosten, also insgesamt 15300 KS. Ich hatte mich bereit erklärt, den fehlenden Betrag von 1.800 E zu übernehmen. Weiterhin hatte ich Naum zugesagt, 3000 KS für fehlende Exercise-Books der SchülerInnen von den noch verbleibenden 90 E, die noch von der Spende von T. Müller übrig waren, zu bezahlen. Das Essen soll nächste Woche auch davon bezahlt werden und dann auch noch Uniformen für die Kinder genäht werden, die bisher noch keine bekommen oder die mittlerweile stark beschädigt sind. Gestern erhielten auch die 3 durch Feuer betroffenen Lehrer ihre (kleine) Entschädigung. Sie freuten sich sehr und waren sehr dankbar.

Heute (15.3) sollte also der Ausflug mit den 6. und 7. Klassen (inklusiv einiger 8.Klässler) stattfinden. Kurz nach 9 war ich in der Schule, und man glaubte gar nicht, dass heute überhaupt was stattfinden sollte, denn der „Schulhof“ war wie leer gefegt, und alle Schüler waren in ihren Klassenräumen. Die Kollegen warteten auf Georg, der aber bis 9:30 nicht auftauchte und dann an Virginia eine SMS schickte, er würde erst an der kleinen weißen Moschee einsteigen. Also ging ich mit den Lehrern Benedikt und Dankun und den Kindern los. 10 Min. vor 10 waren wir am Treffpunkt angekommen, und die anderen „volunteers“ saßen bereits in dem Kleinbus drin. Als erstes holten wir noch die bestellte Milch und das Brot ab und dann begann die Warterei. Aus irgendwelchen Gründen konnte der große Bus nicht pünktlich sein – keiner wusste warum, und so wurde es statt 10 Uhr, was der späteste Zeitpunkt sein sollte, wo es los gehen sollte, dann doch 11:20. Nicht die Kinder, die das alles mit einer bewundernswerten Gelassenheit hinnahmen, sondern unsere lieben Freiwilligen (ich übrigens auch) wurden ganz schön ungeduldig und maulig. In unserer Langweile kauften wir uns gekochte Eier mit kleingeschnittenen Tomaten und Chili (sehr lecker) und Schmalzgebäck (ganz ausgezeichnet) und dann ging es endlich los. Dort angekommen wollten uns die Angestellten nicht -wie vorab mit Georg abgesprochen- für 300 KS herein lassen, sondern wollten 20 Dollar. Georg und Stratos (ein neuer Freiwilliger aus Griechenland) und mich kostete es wirklich eine gehörige Über-zeugungskunst bis die Chefin dann doch zu einer Ausnahmegenehmigung bereit war. Die Kinder waren mit ihren beiden Lehrern schon vorgegangen, aber wir hatten sie bald eingeholt. Alle Tiere, die wir schon in Massai Mara gesehen hatte, waren auch hier zu beobachten, außerdem sogar ein Nashorn, was wir dort ja nicht gesehen hatten. Die Kinder waren total begeistert, die meisten waren noch nie hier gewesen. Viele hatten ihre Hefte mitgebracht und machten sich ihre Notizen zu den einzelnen Tierarten und was sie alles über diese anhand der Schautafeln erfuhren. Vor allem ist der Park wunderschön angelegt, die Kinder genossen es sich fotografieren zu lassen, selbst zu fotografieren (natürlich mit meiner Kamera), und sie waren völlig aus dem Häuschen von all den wilden Tieren, denen man hier so nah sein durfte. Zum Abschluss wurden noch ein paar Fotos gemacht von der ganzen Gruppe (inklusiv der Lehrer und der Freiwilligen) und später wurden auch beide Busse noch aufge-nommen. Zurück mussten wir dann nicht ganz solange auf den Bus warten. Die Kinder waren so ausgelassen und fröhlich, dass sie den ganzen Weg zurück im Bus lauthals sangen. In der Stadt dann machte ich noch ein paar notwendige Besorgungen und dann sank ich hier total müde in mein Bett bevor ich mich wieder zu meinem täglichen Internetbesuch aufmachte.

Sonntag, den 13.3.

Heute Morgen bin ich mit Georg zur katholischen Messe verabredet. Da ich gut eine Viertelstunde zu früh am verabredeten Treffpunkt war, setze ich mich auf ein kleines Bänkchen und warte auf ihn, und er war auf die Minute pünktlich, das tut mir zur Abwechslung wirklich mal gut. Da die katholische Kirche hier ganz in Citynähe heute erst um 12:15 einen Gottesdienst in englischer Sprache anbietet, beschließen wir in die Kirche nach South B zu fahren, wo bereits um 11 Uhr ein Messe in Englisch stattfindet. Da noch ein wenig Zeit ist, gehen wir vorher noch in ein Cafe, und ich erzähle ihm über die Zusagen von Thomas Müller, dem Leiter des deutschen Vereins zur Unterstützung des Upendo Rescue Centers. Georg ist hocherfreut darüber und schon am Montag will ich das Geld für die 3 Lehrkräfte mitbringen.

Mit Kela war ich ja im Anschluss zum Schwimmen im YMCC verabredet, deshalb hatte ich meinen Rucksack mit Schwimmsachen mit.

Die Messe war wieder sehr schön- nicht so rhythmisch betont wie beim letzten Mal, dafür aber sang immer sehr zart und melidiös ein Gospelchor. Dieses Mal verstand ich Englisch schon viel besser, obgleich ein französischer Geistlicher den Gottesdienst hielt. Ich war wieder sehr angetan. Danach verabschiedeten sich Georg und ich schnell, weil ich in der Stadt noch was essen und mich dann mit Kela in der Nähe der Universität treffen wollten und dann gemeinsam zum Swimmingpool laufen wollten. Wie zufällig schaute ich auf die Nachrichten meines handys und Kela schrieb, sie sei mit Hausputz beschäftigt und könne erst nach 14:30 am verabredeten Ort sein. Nun jetzt musste ich mich entscheiden, wollte ich irgendwo in der City essen, oder wollte ich lieber schnell nach Hause, dort meine Reste essen und dann erst etwas später mich mit Kela treffen. Ich entschied mich nach Hause zu fahren. Zu meiner Überraschung war Kela noch da. Wir kamen überein, dass ich schnell ein paar Zucchinis mit Reis machen würde, und wir dazu meinen Rest Hühnchen mit Gemüse mit Cocosnussmilchsauce dazu essen würden. Kela machte wunderbare Tapas dazu bestehend aus : Toastbrot, mit Tomaten drauf gedrückt und spanische Salami und Käse dazu. Es schmeckte herrlich mediteran. Danach aßen wir mein Resteessen und Kela war richtig begeistert von meinen Kochkünsten. Versprochen war im Anschluss zum nahe gelegenen Internet-cafe zu gehen, da Kela das noch nicht kannte und sie dringend noch ein paar Mails abschicken musste.

Um es kurz zu machen mit unserem Schwimmen wurde es dann leider doch nichts. Kela konnte eine Mail leider ohne ein spezielles Programm nicht weiterleiten, deshalb brauchte sie etwa 1,5 Stunden, um dieses Programm erstmal herunterzuladen und dann endlich zu versenden. Sehr spät erst kam sie mit ziemlich schlechtem Gewissen und Süßigkeiten und einem netten Softgetränk und dem Versprechen am Mittwoch alles nachzuholen. Sie möchte mir auch den Citymarkt zeigen und ein nettes Kosmetikgeschäft, da ich mich in der Stadt immer noch nicht besonders gut auskenne. Der Abend war noch richtig lustig, da Sabrina Cerealien knabberte und Taifa, die ganz verrückt danach ist, sie dementsprechend derart belästigte und Sabrina ansprang, dass wir über ihre entsetzten Schreie wirklich lachen mussten.

11.3.und 12.3.

Ja, mal wieder eine Enttäuschung – vielleicht auch hausgemacht. Ich bin einfach nicht bereit, länger als eine halbe Stunde auf jemanden zu warten. Der ältere Herr kam weder um 10 Uhr, was wir nach seinem Wunsch so vereinbart hatten, noch kam er bis 11:20 (als nächstes hatten wir 11 Uhr ausgemacht). Ich hatte ihm 11 Uhr vorgeschlagen, weil ich im Orange-shop noch was erledigen wollte, und er sich offensichtlich noch in der Nähe des Flughafens (welcher 18 km entfernt ist ) befand. Doch nach dem ich meine Erledigung getätigt hatte tauchte er nicht auf. Um 12 Uhr als ich schon längst wieder zu Hause war, rief er dann an und sagte, er sei jetzt in der Stadt, ob ich nicht jetzt Zeit habe. Hatte ich aber nicht, denn ich hatte mir vorgenommen, noch zu waschen und weil ja Wochenende ist, sehr aufwändig kochen wollte. Also vereinbarten wir einen neuen Termin erneut nach seinem Wunsch um 11 Uhr. Aber er ließ wieder auf sich warten, und ich rief ihn an und sagte, wenn er nicht bis 11:20 da sei, würde ich meine Tagespläne, die ich mir vorgenommen hatte, weiter verfolgen. Als er dann um 11:20 immer noch nicht da war, lief ich zum Bahnhof, wo der Matatu zur MMU (auf dessen Gelände sich der schöne Swimming-pool befindet, wo ich auch letzten Samstag war) losfährt. Um 11:30 rief er mich an und fragte, wo ich denn sei und da sagte ich, dass ich mich im Matatu 126 befinde, welcher in die Richtung Bommers of Kenia führe. Er wollte sofort nachkommen, da fragte ich ihn warum, denn ich hatte keine Lust mit ihm den swimming-Pool zu besuchen. Ich sagte ihm, dass ich verärgert sei, weil er mich insgesamt 3x habe warten lassen, und dass ich keine Lust habe, mich heute noch mal mit ihm zu treffen, er könne mir ja Telefonnummern texten (simsen) von Menschen, die bereit seien, für die Schule was zu spenden. Ich bin sehr unsicher, ob ich erneut bereit bin, der Kinder zuliebe, ihn noch mal anzurufen, oder ihm wenigstens die internationale homepageadresse der Schule mitteilen soll. Da befindet sich ja auch die Kontonummer der Schule und wer möchte, kann dorthin was überweisen. Ich hielt mich also heute Nachmittag wieder an dem wunderbaren swimming-pool auf und schwamm und sonnte mich und schmöckerte in dem ziemlich lustigen Buch, das mir Sabrina geliehen hatte. Dort lernte ich auch ein paar junge Leute kennen, die hier in der Nähe für eine Mission arbeiten, und wir tauschten uns auch ein wenig über unsere Arbeit aus. Nach meiner Rückkehr war wieder Internet-Cafe angesagt, weil ich Anna, der Freundin meines Sohnes, unbedingt noch zum Geburtstag gratulieren wollte. Da die Mail meines Sohnes keine neuen Nachrichten annahm, rief ich ihn kurzerhand an und konnte Anna sogar persönlich zum Geburtstag gratulieren.

Donnerstag, den 10.3.

Seit etwa 2 Tagen fühle ich mich wieder vollständig gesund, und ich hoffe, dass das auch noch eine Weile so bleibt.
Heute hatten wir ein ausführliches und interessantes Meeting. Zuerst berichtete ich über meinen Besuch gestern bei GIZ und über das zufällige Treffen mit dem Major.

Dann ab 11 Uhr kam eine ganze Delegation von Internen und noch anderen Mitarbeitern aus dem slum Kibera, die über das Kummerkastenmodell (taking box) berichteten und auch einen Kummerkasten (der gesponsert worden war) mitbrachten. Für mich war das nichts Neues, da in unseren Schulen in Deutschland einen Kummerkasten in fast jeder Klasse gibt. Hier soll er für die ganze Schule aufgestellt werden und jede Woche geleert und gesichtet werden und dann entschieden werden, wer für welche Fragen jeweils der richtige Ansprechpartner sei. Natürlich erklärte ich mich bereit, bei psychologischen Fragestellungen die jungen Leute zu unterstützen. Auch die anderen beiden Projekte, die ich weiter oben bereits dargestellt hatte, halte ich für sinnvoll und bot meine Unterstützung und Mithilfe an.

Um 13 Uhr gab es dann tatsächlich den Fisch mit Ugali (wie könnte es auch anders sein), und er schmeckte wirklich sehr lecker. Bevor es mit dem Essen los ging, gesellten sich noch 2 neue Interne, 2 Mädchen aus Polen zu uns. Ich glaube wir sind jetzt 9 oder 10 Freiwillige an der Schule. Ich finde das ja eigentlich viel zu viel. Eine gute arbeitsfähige Gruppe hätte ich als mit 4 maximal mit 5 Freiwilligen bestückt angesehen.

Am Montag um 10 Uhr soll es das Meeting geben, wo dann die letzten Fragen noch vor dem Dienstag, an dem es den Ausflug geben soll, geklärt werden sollen.

Als ich nach ausführlichem Einkauf zu Hause angekommen war, rief ich den älteren Herren an, und wir verabredeten uns für morgen früh an der Busstation, wo auch der Tusky sich befindet, in dem ich heute einkaufen war. Er will mich mit zu seinem office nehmen und mich entsprechenden Menschen vorstellen. Hoffentlich lässt sich für die Schule da was „rausschlagen“.

Mittwoch, den 9.3.

Die Fahrt zum GIZ -Büro war eine echte Tortour von einem Matatu in das nächste, weil ich einfach nicht den Einstieg für den Matatu 48 fand und deshalb gleich zweimal umsteigen musste. Dort gegen 10 Uhr angekommen hieß es, dass die Herren jetzt erstmal in einem meeting seien. Ich sprach telefonisch mit Herrn Mundia, und er fragte, ob ich bereit sei, etwa 1 Stunde zu warten. Ich war bereit, denn schließlich war ich seit knapp 2 Stunden unterwegs gewesen.

Erstaunlicherweise bat mich die Sekretärin schon um 20 Min. vor 11 Uhr zum Herrn Programmdirektor. Mr. Mundia ist ganz offensichtlich Kenianer, aber ich konnte Deutsch mit ihm sprechen; vor allem empfahl er mir die Deutsche Botschaft, die immer mal wieder kleine Projekte bis etwa 8.000 E unterstützen würde.

Dann nannte er noch: die Deutsche Welthungerhilfe und die KFW, welche wohl Schulen in slums bauen. Er wollte meine E-Mailadresse haben und mir sämtliche Unterlagen auch von politischen Unterstützungssystemen zu mailen. Ein Antrags-formular für die Deutsche Botschaft für ein Kleinprojekt wollte er mir ebenfalls eingescannt zukommen lassen. Am Ende des Monats würden etliche Organisationen zusammen kommen, zu diesem Termin wolle er mich auch einladen, damit ich Connections knüpfen könne. Außer würden auch immer Kleider – und Schuh-sammlungen in Deutschland durchgeführt, die man auch mal der Upendo Rescue School zur Verfügung stellen könne. Danach ließ er mich durch seinen Fahrer in die Nähe von Karioko bringen, wo ich dann nur mit Bus 9 hätte weiterfahren müssen, aber ich hatte auch wieder auf dem Rückweg Pech und stieg versehentlich in den falschen Bus, so dass ich dann erst wieder nach weiterem Umstieg an meiner Station ankam.

Schon seit einiger Zeit hatte ich mir vorgenommen, mir mal wieder meinen Pony schneiden zu lassen. Das wurde gleich- bevor ich es noch mal verschieben konnte- in die Tat umgesetzt und meine Finger und Zehennägel ließ ich mir bei dieser Gelegen-heit auch gleich mal lackieren – für insgesamt etwa 2,30 E ein wirklich günstiges Vergnügen. Danach noch ein paar Bananen und Zwiebel gekauft und schon ging es wieder nach Hause. Hier war Kochen angesagt und ab 15 Uhr Besuch des Internetcafes. Danach rief ich den netten Herren an, den ich gestern im Bus kennen gelernt hatte. Leider war die Verbindung aber so schlecht (er befand ich wohl gerade auf der Straße), dass ich mit ihm übereinkam, ihn am nächsten Tag gegen 13 Uhr in seinem Büro anzurufen. Bis dahin wollte er ein paar Leute fragen, ob sie bereit seien, die Schule (bzw. die Waisen) zu unterstützen und mir dann die entsprechenden Telefonnummern zur Verfügung stellen. Na, da bin ich aber gespannt, ob das was wird – let's see!

Dienstag, den 8.3.

Ganz vergessen hatte ich zu berichten, dass in unserer Wohnung mittlerweile alles repariert worden ist: wir haben also zur Zeit 2 funktionierende Toiletten und 2 Duschen, die man verwenden kann, wenn tatsächlich ausnahmsweise mal Wasser da sein sollte. In meinem Schrank sind auch endlich Stangen, so dass ich nach 3 Wochen meine Kleider aufhängen konnte. Die Küche ist auch nicht mehr permanent überflutet.

Mit den Vorklassenkindern haben wir viel Freude; immer wenn was mit ihnen gemacht wird, z.B. die Lehrerin etwas mit ihnen singt oder Verse aufsagt, dann bedanken sie sich dafür oder wenn ich morgens die Klasse betrete, werde ich immer mit einem „Good Morning teacher and Welcome“ begrüßt. Die Kinder sind eigentlich immer sehr dankbar und motiviert, wenn sie ein schönes vorgedrucktes Blatt erhalten, auf dem sie etwas ausfüllen, malen, rechnen oder Vorübungen zum Schreiben machen können.

Im Bus saß ich heute neben einem älteren Mann, der sich für mich interessierte und was ich in Kenia mache, und ich erzählte ihm von der Schule. Er gab mir seine Telefonnummer mit der Bemerkung, ich möge ihn doch mal anrufen, denn wenn wir Waisen in der Schule hätte, wüsste er die Telefonnummern von ein paar betuchten Menschen, die immer bereit wären, Geld oder Essen für diese Kinder zu spenden. Diesen Herren werde ich mit Sicherheit mal anrufen, vielleicht gibt es hier ja wirklich betuchte Menschen, die sich der Situation der Kinder annehmen mögen.

Leider haben wir immer noch kein Internet, und ich musste deshalb zum Internetcafe.

Meine Briefwahlunterlagen für die Kommunalwahl sind angefordert, und ich hoffe, sie werden rechtzeitig eintreffen, damit ich sie termingerecht werde abschicken können.

Morgen will ich zum GIZ (vormals GEZ)-Büro gehen und hoffe, dass ich dort gute Informationen erhalte, von welchen Organisationen die Schule noch Unterstützung erwarten kann.

Vielleicht rufe ich auch den älteren Herren mal an und lasse mir entsprechende Telefonnummern von ihm geben.

Am Donnerstag sollen wir auf jeden Fall alle in der Schule essen, denn Naum hat Fisch organisiert, den wir alle am Donnerstag verspeisen dürfen.

Montag, den 7.3.

Bevor ich noch heute morgen Naum begrüßen konnte, traf ich auf Jaqueline, mit der die Verabredung gestern schief gelaufen war, und sie entschuldigte sich mit der Begründung wegen des Staues sei sie erst so spät gekommen (was ich eher als Ausrede empfand).

Heute im meeting wurden mal wieder Nägel mit Köpfen gemacht : Georg legte seine Berechnungen für einen Ausflug der 6. und 7. Klassen zum Nationalpark Nairobi vor. Demnach müssten die 130 E von Ingrid sogar reichen inklusiv eines kleinen Mittaglunchs. Nach dem meeting ging Georg mit allen volunteers tief in das slumgebiet, wo es gebrannt hatte. Für uns wurde erst jetzt das schreckliche Ausmaß des Feuers sichtbar. Georg zeigt uns auch den Platz, wo Marys (Lehrerin der 2. Klasse) Haus früher mal gestanden hatte. Georg erzählte uns, dass dies der größte Brand in Nairobi seit sehr langer Zeit gewesen sei und eine Betroffene sprach von 8.000 Menschen, die ihr Haus und ihre Habseligkeiten verloren hatten. Nach dem Rundgang sprach Eleke, die neue Freiwillige aus Holland, noch einige Zeit mit Georg und stellte ihm ihre Ideen vor, z.B. dass sie gerne einen sportlichen Wettbewerb zwischen 2 Schulen organisieren möchte und dass sie einen girlsday machen will, wo sie insbesondere prekäre Probleme mit den Mädchen besprechen möchte. Außerdem regte sie an, ein brainstorming mit den 8. Klassen zu machen, was sie später einmal werden möchten und wie die anderen sie sehen und wie ihre Lehrer sie sehen und wie sie dabei unterstützt werden können, ihre späteren beruflichen Ziele zu erreichen. Ich finde die Ideen ziemlich gut und bin gespannt, was davon umgesetzt werden wird und natürlich bin ich bereit, die jungen Leute mit Rat und Tat zu unterstützen, wenn sie mich denn brauchen. Gestern Abend rief ich bei der GIZ in Nairobi an und konnte auch mit dem Programmdirektor sprechen. Er informierte mich zwar, dass sie keine Schulen unterstützen würden, meinte aber, ich solle die Woche über mal vorbei-kommen, er wolle mir ein paar Adressen und Telefonnummern geben von Organisationen, die der Schule möglicherweise weiterhelfen könnten.


Sonntag, den 6.3.

Ungern berichte ich über den Sonntag morgen. Ich stand sehr früh auf (zwischen 7 und halb acht) mit dem Gedanken, dass ich auf keinen Fall zu spät am vereinbarten Ort „Suncity“ sein wollte. So verließ ich das Haus um 8:45, fragte an der Matatustation 2 junge Damen, in welcher Richtung ich suncity finden würde und stieg in das sehr bald ankommende Matatu ein. Gegen 9:07 war ich dann schon am vereinbarten Ort. Nach einigen Minuten rief ich Jaqueline an und sagte ihr, dass ich schon da sein und in einem nahe gelegenen Cafe auf sie warten würde. Sie bestätigte 10 Uhr als Treffzeitpunkt. Also bestellte ich mir einen Kaffe mit viel Milch und wartete darauf, dass es 10 Uhr werden würde. Gegen 10 Uhr verließ ich dann das Cafe und wartete auf der Straße auf sie. Um ¼ nach zehn rief ich erneut bei ihr an, und sie flötete durchs Telefon, sie sei jeden Moment bei mir. 20 Minuten später war sie immer noch nicht da, und ich rief erneut an. Ich kam mir ziemlich blöd vor und fühlte mich in meinem Stolz gekränkt, da ich im Grunde ja schon über 1,5 Stunden wartete und sie zumindest eine halbe Stunde überfällig war und das obgleich sie mir 10 Uhr morgens ja noch mal bestätigt hatte. Langsam wurde ich unleidlich, als ich erneut anrief, sagte sie mir, ich solle ihr weitere 5 Minuten geben. Ich sagte darauf-hin, dass ich noch genau 5 Minuten warten würde, wenn sie bis dahin nicht da sei, würde ich wieder nach Hause fahren. Als sie dann um 10:45 immer noch nicht da war, kaufte ich mir noch einen Ananasstreifen und stieg in den nächsten Matatu nach Hause ein. Als ich schon längst an meiner Heimatstation „Kanisani“ angelangt war und gerade dabei war, Tomatenmark zu kaufen, rief sie mich dann um 11 Uhr an und fragte mich, wo ich denn sei? Da sagte ich ihr, dass ich bereits wieder in Kanisani war- wie angekündigt. Ich konnte nicht verstehen, was sie danach sagte und das Gespräch endete kurz darauf. Ich ging ziemlich sauer nach Hause. Von weitem hörte man überall herrliche Kirchengesänge, und ich erzählte meinen Hausgenossinnen erst mal von meinem Missgeschick. Der restliche Tag verlief sehr ruhig, E-Mails chequen, Mittagessen kochen, und einen sehr blöden Film anschauen, den der Freund von Sabrina gestern in meinem Computer versehentlich drin gelassen hatte.

Nachmittags kamen Peter und Eric zu Besuch und Kela kochte wieder ihr Lieblingsessen allerdings mit 2 Chilischoten, alles schwitzte und stöhnte und schnüffelte herum.

Morgen um 10 Uhr ist wieder Meeting, also ich bin echt mal gespannt.

Samstag, den 5.3.

Das ganze Wochenende kein Wasser!! Für heute habe ich mir vorgenommen zur Multimedia-Universität zu gehen, weil es dort neben einem Hotel auch einen schönen swimming-pool geben soll. Außerdem gibt es nicht weit entfernt Karens Supermarkt, wo ich für Masumi, Sabrina und mich Vollkornbrot und Pumpernickel kaufen wollte.

In die Stadt nahmen mich Nachbarn, die über uns wohnen mit und zeigten mir, wo ich abfahren musste. Alles klappte wunderbar; ich muss halt immer mal nachfragen. Bei der Universität angekommen musste ich noch gut eine Viertelstunde bis zum swimming-pool laufen, aber es lohnte auf jeden Fall: das Wasser war kalt und klar, und ich kriegte eine nette Liege und sogar einen Stuhl, auf dem ich alles ablegen konnte. Zwischendurch konnte man mal wieder diese Halbaffen bestaunen, die schauten, ob sie nicht irgendwo Nahrung klauen konnten. Den Rest meiner Pommes frites schnappte sich auf jeden Fall einer. Es war einfach herrlich erfrischend im Becken zu schwimmen bei wunderbarer Kulisse von Palmen und anderen tropischen Bäumen. Als ich das Gelände verließ, konnte ich noch ein Warzenschwein bei seiner Nahrungssuche beobachten. Das gibt es auch nicht überall: ein Warzenschwein auf Universitätsgelände! Meine geplanten Besorgungen konnte ich auch noch erledigen. Zu Hause angekommen konnte ich die zurückgekehrte Kela wieder begrüßen und freute mich über das Wiedersehen. Morgen früh habe ich mich mit Jacqueline, der Lehrerin der 1. Klasse, zum Besuch einer Messe verabredet. Bin gespannt, ob das morgen irgendwas mit dem Weltgebetstag der Frauen zu tun hat.


Freitag, den 4.3.

Wieder kein Wasser, soll erst am Montag wieder kommen. Wir haben gestern und heute wieder welches kaufen müssen.

Trotz gekauftem Wasser habe ich heute waschen müssen. Uns dreien (Masumi, Sabrina und mir geht es- bis auf ein wenig Schnupfen- schon wieder besser) Sabrina ist mit ihrem Freund und einigen AIESEK- Leuten heute sogar zum Schwimmen gefahren. Ich will vielleicht morgen mal zu einem schönen Swimming Pool in einem Hotel in der Nähe von Bommers of Kenia. Ansonsten gibt es heute nichts weiter Aufregendes zu berichten.


Donnerstag, den 3.3.

Uns 3 ging es wirklich nicht berauschend, aber Sabrina hatte den Ehrgeiz die Schule aufzusuchen, um dem Schulleiter die 18.400 KS für die Registrierung der Schüler der Klasse 8 für die Abschlussprüfungen zu geben. Naum freute sich sehr und bedankte sich überschwänglich. Sabrina ging es so schlecht, dass sie in der Vorklasse heute nicht arbeiten konnte, sondern sich nur im Vorraum zum office auf einen Stuhl setzen konnte. Um 12 Uhr verabschiedeten wir uns dann alle von der Schule, da wir ja beide noch ziemlich rekonvaleszent waren. Sabrina legte sich zu Hause dann sofort auf die Couch und stand auch den ganzen Tag nicht mehr auf. Ich machte einen Mittagsschlaf und begab mich ins Internetcafe, um ein paar wichtige Mails zu beantworten. Abends telefonierte ich mit Georg noch, da es mit Naum einige Unstimmigkeiten gibt, die geklärt werden müssen. Ich möchte an dieser Stelle aber nicht näher darauf eingehen.


Mittwoch, den 2.3.

Über diesen Tag ist nicht viel zu berichten außer dass Sabrina sich immer noch krank fühlt. Trotzdem hatte sie den Ehrgeiz auch mal mich zu bekochen, da ich auch schon 2x für sie mitgekocht hatte. Ihre Idee war „Chili con carne“ und da ich noch Bohnen von Kela geerbt hatte, machte ich ihr den Vorschlag, diese Bohnen zu benutzen. Sie sollte sie allerdings mindestens 2 Stunden vorher einweichen. Wie sich später herausstellte war das allerdings zu wenig. Sie kochte zwar etwa 1 Stunde die Bohnen, aber wir aßen sie trotzdem noch sehr bissfest. Alles schmeckte zwar prima, aber die Bohnen waren halt noch hart. Wie sich später in der Nacht herausstellte hatte die Angelegenheit Konsequenzen, und wir 3 mussten des Nachts unaufhörlich abwechselnd die Toilette aufsuchen.


Dienstag, den 1.3.

Gestern und heute lief nicht besonders viel in der Schule: gestern stand alles Kopf wegen des sehr nahen Brandes, und heute brachte ein Helikopter einen Holzbalken, als Grundlage für den abgebrannten Starkstrommast in den slum und da musste natürlich die ganze Schule zuschauen. Durch den erneuten Brand war einem weiteren Lehrer das Haus abgebrannt. Seine Habseligkeiten hatte er nun in der Küche unterbringen müssen und die Lehrerin der 2. Klasse war heute noch gar nicht wieder aufgetaucht. Außerdem fehlten von den Vorklassenkinder mindestens 12, so dass in manchen Bänken nur 1 Schüler saß. Ein Vater kam sehr aufgeregt in die Schule, weil sein Sohn seit dem Brand vermisst wurde (er hatte es bereits der Polizei gemeldet). Außerdem kam die Mutter von Kevin und berichtete, dass ihr Haus ebenfalls abgebrannt sei, und sie jetzt ziemlich weit entfernt irgendwo untergekommen wären und Kevin deshalb in Zukunft nicht immer pünktlich kommen könnte. Die Mutter von Lavin kam ebenfalls und berichtete, dass ihre Tochter permanent krank sei und holte sich den Rat der Lehrerin, was am besten zu tun sei.

In der langen Pause hängten sich die Kleinen wieder alles abwechselnd an mich, an eine der beiden Sabrinas oder an die neue Freiwillige aus Holland. Sam wollte immer hoch genommen werden und dann streichelte er mir die Haare, nahm vorsichtig meine Brille ab und setzte sie sich selbst auf. Sabrina machte Bilder davon und wir hatten sehr viel Freude mit den süßen Kleinen.



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