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Juni 2011

Liebe am Projekt Upendo Interessierte,

Hier nun die letzten Afrikaimpressionen, mein Abschied von Kenia, ein wenig traurig, aber es bleibt auch eine Menge Hoffnung und die Zufriedenheit wenigstens im ganz kleinen Rahmen ein wenig Zuversicht und Hoffnung und sicher auch Verbesserung gebracht zu haben in eine Region, die immer noch auf die Hilfe von außen angewiesen ist.

Montag, der 27.6.

Vorletzter Tag in der Schule, ohje!! Ticiana und Katja, die neue Mitbewohnerin aus England begleiteten mich heute zur Schule. Das war sehr praktisch, weil sie mir helfen konnten, die vielen Bastelmaterialien, die Gilla und Peter gesponsert hatten, zu tragen. Ich hatte beiden geraten auf jeden Fall feste Schuhe anzuziehen und zum Glück waren sie meinem Rat gefolgt, denn der slum war im wahrsten Sinne des Wortes verschlammt. Katja meinte später, zu sehen in welcher Armut die Menschen wohnen würden und wie verlottert die Kinder aussehen würden, hätte sie in ihrem Denken einen Quantensprung nach vorne gebracht. Sie hätte es sich ja schon schlimm vorgestellt, aber doch niemals gedacht, dass das Schlimme solche Ausmaße annehmen würde. In der Schule machten wir mit der Bastelarbeit weiter und da Jeanne nicht da war, war ich wirklich sehr froh, dass die beiden uns unterstützen konnten. Es wurden wirklich viele Hände gebraucht und die Nurcerygruppe wollte ja parallel auch noch beschäftigt werden. Für mittags hatte ich 10 kg Hackfleisch für das Lunch für die Kinder und die Lehrer bestellt. Leider war dann kein Hackfleisch da und die Schüler der 8. Klasse mussten erstmal Fleisch schnippeln. Ticiana und Katja wollten gerne den headmaster sprechen, aber ab 11:30 war ein Lehrermeeting angesetzt, wir mussten alleine mit den Kindern auskommen. Da ich nirgends Kreide fand, schickten wir die Kinder schon 10 Minuten früher in die Pause, draußen machten wir mit den Kindern Kreisspiele und ließen sie ein wenig tanzen. Ticiana und Katja waren in ihrem Element, sie machten nicht nur viele Fotos, sondern filmten auch die Kinder. Die Lehrerkonferenz dauerte aber dann doch wesentlich länger als geplant und Ticiana wurde ein wenig unruhig, da sie meinte um 16 Uhr einen Termin an der Universität zu haben. Um 14:30 war die Konferenz endlich zu Ende und Katja und Ticiana bekamen einen Termin bei Naum. Ticiana stellte viele Fragen zur Struktur der Schule und zur Aufgabe der Internen und wie viel Unterstützung er insgesamt an „manpower“ für die Schule bräuchte. Um 15:15 gab es dann Essen für uns. Katja, die das erste Mal mit den Fingern aß, grauste es ein wenig, sie nahm viel Desinfektionsmittel auf die Hände und äußerte auch hinterher noch Bedenken, dass sie glaube, dass das Ganze nicht besonders hygienisch sei. Danach liefen wir wieder gemeinsam durch den slum, fuhren mit dem Bus zur „busstation“ und gingen hier in der Nähe in einen Nakumat einkaufen. Da ich das gesamte Geld, was ich in den letzten Tagen abgehoben hatte, Georg gegeben hatte, musste ich dringend wieder was abheben. Ticiana hatte mithilfe ihres mobils die Info bekommen, dass ihr meeting erst um 17:30 sein sollte, da das Einkaufen aber doch mehr Zeit in Anspruch nahm als geplant, musste sie direkt nach dem Einkaufen zur Uni. Sie gab uns ihre Einkäufe (ziemlich schwer) und sauste los. Katja und ich machten uns auf zur CFC Bank, wo ich auch das letzte Mal vom Automat Geld ziehen konnte. Unsere Einkäufe überließen wir kurzfristig einem Sicherheitsdienst, da ließ es sich jetzt doch viel bequemer laufen. Alles klappte prima, und ich bekam mein Geld. Danach machten wir uns schwer beladen wieder auf den Heimweg. Zum Abend gibt es nichts Besonderes zu erzählen.

Dienstag, der 28.6.

Heute war mein letzter Tag in der Schule. Die Kinder begrüßten mich freudig, Jean war auch schon da und hatte mit den Kleinen bereits ein wenig geknetet. Heute machten wir die Schmetterlinge fertig: die Kinder malten die Fühler dick an und klebten rote Punkte an die Fühlerspitzen, was sehr nett aussah. Danach konnten einige Schmetterlinge schon aufgehängt werden. Es gab ab 11 Uhr ein kurzes Meeting, wo wir über die Finanzierung des Dormitory, die Bücherei und die Trennung der Vorklasse und Nurcery, sowie für Ideen der Unterbringung der Kleinen sprachen. Danach gab es eine kleine Feierstunde. Die 6. und 7. Klasse sangen Lieder vor, die so schön waren, dass sie mich zu Tränen rührten. Danach kam jede Lehrkraft dran und sprach aus, was sie fühlte, angesichts der Tatsache, dass ich heute den letzten Tag da sei und was sie mir wünschen würden. Sie dankten mir, und ich hörte viel Belobigung. Natürlich ließ sich auch Georg nicht nehmen, mir offiziell zu danken und meine Leistungen zu loben und herauszustellen. Der headmaster ließ sich nicht blicken, was jeder sehr merkwürdig fand. Für die Schüler sollte mein Abschied ein besonderes Ereignis werden, denn jeder bekam nach den Reden Saft und Kräcker in die Hand gedrückt. Danach waren alle Lehrkräfte im Vorraum zum office zu einem besonderen Essen geladen. Tom hatte leider schon gehen müssen, aber Jeanne, die neben wir saß und viele der Lehrer ließen es sich gut schmecken, denn heute war das Fleisch, das Sukuma-Wikigemüse und der Ugali wirklich gut gelungen. Nun ging ich von Klasse zu Klasse und sagte den SchülerInnen und ihren Lehrkräften „Auf Wiedersehen“. Virginia und Mister Benedikt traf ich leider nicht mehr an, aber ließ ihnen meine besten Wünsche mitteilen.

Dann kam das Schwerste für mich, das Abschied nehmen von „meinen“ Vorklassenkindern. Syprose hatte den Kindern gesagt, sie sollten schlafen, was die meisten aber natürlich nicht machten. So ging ich durch die Reihen, sprach jeden/jede mit Namen an und streichelte ihn/sie über den Kopf. Zu dem einen oder anderen sagte ich auch etwas, z.B. zu Carlos, dass er ein guter Junge sein solle. Er ist zwar sehr leistungsstark, aber oft sehr verhaltensauffällig. Danach fiel ich Syprose weinend in die Arme. Meine E-Mailadresse und meine Telefonnummer hatten wir ausgetauscht und so musste ich Abschied nehmen mit dem Versprechen im nächsten Jahr auf einen Kurzbesuch wieder zu kommen.

Jeanne wollte sehr gerne mal die Wohnung sehen, wo ich die letzten Monate zugebracht habe, also machte wir uns auf den Weg. Alles würde zeitlich etwas knapp werden, da ich um kurz nach 17 Uhr mit Kela zu dem Film „das Parfüm“ ins Goetheinstitut wollte. Als wir in der Wohnung ange-kommen waren, stürzte sich Ticiana gleich auf den Gast, weil sie ihr viele Fragen zur Upendo School stellen wollte. Ich fand das ziemlich unpassend zu diesem Zeitpunkt, da dies ja auch unser letztes Treffen sein würde , und wir eigentlich gemütlich Tee trinken wollten und auf die Terrasse wollten, da man von hier einen herrlichen Weitblick auf Nairobi hat. Als Ticiana sich gar nicht stoppen ließ, ging ich erstmal Duschen, danach gingen wir nach oben um den Blick zu genießen. Bald mussten wir uns wieder aufmachen, damit wir zu unserem Film nicht zu spät kommen würden. Jeanne fuhr mit dem Bus Nr. 6 zur Busstation, weil sie sich zu Hause mit einer Zimmergenossin verabredet hatte. Da Kela dort angekommen, in einem Supermarkt ganz dringend noch was zum Knabbern holen musste, musste ich leider eine Viertelstunde auf sie warten bis sie endlich ankam. Ich hatte den Film ja schon einmal gesehen, aber dieses Mal gefiel er mir noch besser. Ich hatte vor allem meine Freude an den wunderschönen Landschaftsaufnahmen und der gelungenen Charakterisierung des Akteurs und seinem schauspielerischem Talent. Nachdem wir zurück waren, schaute ich mir mit Kela noch meine Fotos durch und sie machte sich einen eigenen Ordner, indem sie hauptsächlich Tierfotos und Landschaftsaufnahmen verwahrte.

Mittwoch, der 29.6.

Für heute hatte ich mir vor allem vorgenommen durch die Stadt zu streifen, ein wenig zu bummeln und Fotoaufnahmen von der Stadt zu machen. Als Zeitpunkt des Aufbruches hatte ich 14 Uhr angepeilt. Zuvor hatte ich mir noch viele Kleinigkeiten vorgenommen, die ich noch vor meinem Rückflug erledigen musste. Ich fragte Ticiana, die erst gegen Morgen wieder eingeschlafen war, ob sie mich nicht in die Stadt begleiten wolle, da ich von Katja gehört hatte, dass sie sich in nächster Zeit ev. ein neues handy kaufen wolle. Auch ich war am Nachdenken, ob ich mir nicht ein hybrides Mobil hier in Kenia günstig zulegen wolle. Sie stimmte zu, und ich sagte ihr, dass der späteste Zeitpunkt für mich zum Aufbruch 14 Uhr sei. Das klappte natürlich nicht, da Tici um 14 Uhr noch schlief. Na war auch egal, ich wartete halt eine halbe Stunde auf sie und dann ging es los. Auf dem Weg zur Haltestelle erzählte ich ihr, dass ich schon seit Wochen ein schönes Kleid vor einem Laden entdeckt hatte und dies gerne mal anprobieren würde. Gesagt- getan. Wir stiegen also in der Nähe des Ladens aus und im Laden wurde zuerst mal eine spanische Wand aufgebaut, wo ich mich dahinter in Ruhe umkleiden konnte. Das Kleid passte wie angegossen- war nur was den Ausschnitt betraf- ein wenig sehr sexy, aber ich könnte es ja mit einem kleinen Jäckchen tragen. Da es auch Ticiana gut gefiel, kaufte ich es für wenig Geld. Danach liefen wir das letzte Stück in Richtung firestation. Dort machte ich wieder ein paar Fotos – auch mit Tici zusammen. Danach ließen wir uns ein paar moderne handys zeigen, wobei sie das, was ich mir ursprünglich kaufen wollte (ein hybrides von google) für umgerechnet weniger als 80 E nicht da hatten. Also ließ ich es ganz, denn ich habe ja die Gelegenheit nach Beendigung meines Vertrages ein neues mobil zu erhalten. Danach suchte ich den Elektriker, den mir Kela gezeigt hatte, um dort 2 Mehrfachsteckdosen und meinen Adapter zur Reparatur abzugeben. Ticiana verabschiedete sich bald, da sie um 16 Uhr ein meeting in der Universität hatte, und ich hatte jetzt eine gute Stunde Zeit, mich durch die Stadt treiben zu lassen. Nachdem ich an ein paar Kleidungsgeschäften und einem Schuhgeschäft vorbei war, kam ich zu einem winzigen Kramladen, der unglaublich viele Campingutensilien, aber auch Handwerkszeug da hatte. Ich kaufte 2 verschiedene Werkzeuge für Kela (einen Schraubenzieher und einen Kreuzschraubenschlüssel), weil sie so etwas zu Hause zum Reparieren immer wieder braucht, und die diese Wohnung aber nicht bereit hielt. Dann gönnte ich mir ein Eis mit Schoko-bezug und machte Fotos vom Goetheinstitut. Als ich nach etwa 1,5 Stunden wieder zurück zu dem Elektriker kam, zeigte er mir den auseinandergenommenen Adapter und meinte, er habe jetzt nicht die Zeit, ihn fertig zu reparieren. Er gab mir einen anderen einfachen mit und händigte mir alle auf Tesafolie geklebte Kleinteile des Konverters wieder aus. Die Steckerleisten waren auch noch nicht fertig, so dass Kela sie nach der Konferenz dort wieder abholen wird müssen. Daraufhin begab ich mich mit Bus Nr. 9 nach Hause. Später telefonierte ich noch eine Zeitlang mit Manuela über die Upendo Schule, denn sie würde sie so lange sie in Kenia war, etwas besser begleiten können, als zu der Zeit, wo sie in Uganda gearbeitet hatte. Das würde auch nötig sein, wo ich jetzt sehr bald wieder in Deutschland sein würde.

Kela, Katja und Ticiana kamen erst sehr spät nach Hause. Wir hatten seit 3 Stunden keinen Strom und seit dem Vormittag auch kein Wasser. Zum Glück hatte mein labtop noch ein wenig Strom gespeichert, so dass ich meine Berichte schreiben konnte. Kela war froh, dass sie meinen labtop für ihre Arbeit gleich benutzen konnte. Da sie viel an Arbeit als Vorbereitung für die Konferenz noch zu leisten hatte, war leider keine Zeit mehr da, um gemeinsam die restlichen Fotos anzuschauen. Darüber war ich ein wenig traurig, weil dies unser letzter Abend war. Sie meinte, sie würde wohl die ganze Nacht aufbleiben, das würde sie immer so vor einer Konferenz machen und das gäbe ihr Energie. Also mich würde so eine Aktion den letzten Nerv kosten. Nachdem sie dann auch noch mit Chatten anfing und das ziemlich lange, entschied ich mich, mich in mein Bett zurückzuziehen. Davor hatte sie sich aber bemüht, über „you tube“ mir kleine Filme über ihre Heimatstadt Zaragossa zu zeigen, was mich wiederum rührte. Ich konnte schlecht einschlafen – meine letzte Nacht in Kenia in dieser Wohnung, in diesem Bett. Ich kam immer noch mal raus, und einmal konnte ich Kela noch eine deutsche Anwendung im Powerpoint übersetzen.

Donnerstag, der 30.6.

Gegen 6 Uhr war ich erneut wach, wusste aber nichts, mit mir anzufangen, also bemühte ich mich, erneut einzuschlafen. Gegen 7:30 ging im Haus die Hektik los. Zum Glück hatte ich vorher schon geduscht und hatte auch noch Zeit zum Frühstück machen gehabt. Die Mädels mussten ihre Rucksäcke für die Konferenz packen, Titiana war erst gar nicht aus dem Bett zu bekommen. Ich bemühte mich ein Taxi für die Mädchen zu organisieren. Um 9 Uhr sollte der Bus in der Stadt abfahren, und es wurde immer später. Ticiana kam nicht in die Pötte, Katja wurde immer nervöser, weil es immer später wurde und Kela hatte weder fertig gepackt, noch gefrühstückt. Es war zum Verzweifeln. Sie bemühte sich die Powerpointpräsentation, die sie in der Nacht erstellt hatte, noch schnell auf Katjas stick zu sichern und „ihren Fotoordner“ auf ihrer Fotokarte, alles klappte noch in letzter Minute, aber der Taxifahrer kam einfach nicht bei. Endlich gingen Kela und Katja mal nach draußen und da stellte sich heraus, dass er drinnen im Hof schon längere Zeit gewartet hatte und nicht vor dem Hof, wo Katja schon einmal nach ihm Ausschau gehalten hatte. Alls warteten auf Ticiana, Katja war außer sich und machte „ihr Feuer unter dem Hintern“. Kela meinte, wenn Katja so weiter macht, dann wird Tici, sie noch hassen. Und auf einmal war der endgültige Abschied angesagt : Kela und ich wir umarmten uns noch einmal herzlich, ich begleitete sie alle nach draußen, umarmte auch Katja und zum Schluss die endlich erschienene Tici und winkte dem Auto nach, danach begab ich mich mit Tränen in den Augen wieder in die Wohnung, um die Tagesplanung für den letzten Tag zu erstellen. Natürlich musste ich alles packen und außerdem wollte ich eine der Damen draußen vor unserem Tor fragen, ob mir nicht jemand beim Saubermachen helfen könne. Gesagt- getan!! Schnell war eine junge lady gefunden, die für 300 KS saubermachen wollte. Es war allerdings gar nicht so einfach das Saubermachen und mein Kofferpacken miteinander zu koordinieren, denn der Raum, in dem ich packte, der sollte natürlich auch gesäubert werden. Normalerweise wäre es auch kein Problem gewesen, diesen als letztes zu putzen, aber da das Wasser knapp war, wollte sie Bad und Toilette natürlich zuletzt putzen. Aber auch dieses Problem ließ sich mit ein wenig Flexibilität bewältigen. Gegen 13 Uhr war ich mit Packen fertig, die Putzhilfe hatte auch das Haus verlassen, und nach dem letzten mal Spagetthi Carbonara essen in der afrikanischen Wohnung, legte ich mich zum Ausruhen noch ein wenig auf das Bett. Dann beschloss ich, da ich ja noch so lange Zeit hatte, zur Maniküre und Pediküre zu gehen. Dort fand sich zuerst niemand von den Angestellten, die das normalerweise machen, und die Chefin musste selbst ran. Sie meinte zwar, dass sie daran eigentlich kein Interesse habe, aber dafür machte sie es gar nicht so schlecht. Nach etwa einer halben Stunde kam dann eines der Mädchen, die durfte sich dann noch an meinen Füßen austoben. Danach war es doch schon kurz vor 17 Uhr und um 18 Uhr würde mich der Taxifahrer abholen. Ich gab dem „Mädchen“ ein fürstliches Trinkgeld und auf dem Weg zur Wohnung verabschiedete ich mich noch von unserer Gemüse-händlerin, bei der ich fast täglich frisches Obst und Gemüse eingekauft hatte und erzählte ihr, dass ich zurück nach Deutschland ginge. Sie war erstaunt und danach gleich wieder beruhigt, als ich ihr erzählte, dass wenigstens die anderen 3 jungen Damen noch weiter in der Gegend wohnen würden, denn -ich denke- wir gehörten zu den besten Kundinnen. Zu Hause räumte ich noch schnell die Nahrungsmittel, die ich mit nach Deutschland nehmen wollte, aus dem Kühlschrank und verabschiedete mich von unserem Kaninchen Taifa, was ich bestimmt auch vermissen würde. Ich ging noch einmal durch alle Zimmer, um mir alles noch einmal anzuschauen und mich innerlich zu verabschieden. Auf einmal ruckzuck war der Zeitpunkt gekommen, sich mit den Koffern, dem Rucksack und der Umhängetasche nach draußen zum Taxi zu begeben. Einige Kinder des Hauses fragten mich, ob ich verreise, und ich antwortete ihnen, dass ich wieder zurück nach „Germany“ gehen würde. Einige schauten mich traurig an. Ein etwa neunjähriges Mädchen bot sich an, mir meine Tasche zu tragen. Ich fragte sie, wie sie denn hieße und sie antwortete mir „smile“, so sah sie auch aus. Dann wurde alles ins Taxi verladen, ich winkte den Kindern noch einmal und brach erneut in Tränen aus, und konnte mich deshalb nicht sofort mit dem Taxifahrer unterhalten.

Da er durch das Industriegebiet fuhr, konnte er den Feierabendstau umfahren und war sehr frühzeitig am Flughafen. Manchester war so lieb mir noch zu helfen, die Koffer zur „Eincheckschlange“ zu bringen, und ich verabschiedete mich danach von ihm. Beim Einchecken stellte sich heraus, dass einer der Koffer viel zu schwer war. Da ich keine 100 Dollar Strafgebühr wegen Übergewicht bezahlen wollte, half mir ein Mitarbeiter nur die schweren Dinge ins Handgepäck umzuladen. Das machte überhaupt keinen Spaß, war aber leider unumgänglich. Das Problem ließ sich lösen, und ich hatte daraufhin ziemlich schweres Handgepäck.

Ja, wie soll man einen guten Schluss finden zu Afrikaimpressionen, die ein halbes Jahr gedauert hatten und die mir so viele wertvolle Erfahrungen beschert hatten. Vielleicht wird es in einem allerletzten Beitrag ein Resümee geben, oder das ganze wird tatsächlich noch ein Buch werden, wie mir einige meiner FreundInnen geraten hatten; ich lasse die weiteren Entwicklungen einfach auf mich zukommen. Seit dem ich wieder in Deutschland bin, gab es mehrere Kontakte nach Afrika, etliche Mailkontakte mit Georg und Manuela, ein von mir erwiderter Handyanruf von Siprose und natürlich Mail- , Chat- und Skypkontakt mit Kela, Ticiana, Katja und Jeanne.

Für diejenigen von Euch, liebe Interessierte, die noch zukünftig die „Upendo Rescue School“ im Mukuruslum in Nairobi unterstützen möchte, gebe ich hier noch einmal die deutsche homepageadresse an: www.projekt-upendo.de.

Bei Eurer/Ihrer Überweisung vergesst /vergessen Sie bitte nicht Euren/Ihren Namen und die Adresse! Bei Verwendungszweck könnte z.B. „lunch for the children“ oder „schoolbooks“ oder „new room for the nurcery“ stehen.

Die Bankverbindung lautet: Sparkasse Hanau, Kontonummer : 9210915 und die Bankleitzahl: 50650023.

Die kenianische homepageadresse der Schule lautet: www.upendorescuecentre.com. Dort findet/finden Ihr/Sie auch die Kontaktdaten des schoolchairman Georg und des Schulleiters Naum.



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Sonntag, den 26.6.11

Nach dieser Nacht musste ich mich erstmal ausschlafen, denn es war 3:30 geworden bis ich endlich Schlaf fand. Da das Haus voll war und Kela noch schlief, musste ich den Gästen viele Fragen beantworten, Toast zur Verfügung stellen, zeigen, wo es Wasser gibt, oder wo der Zucker bzw. der Tee sich befindet. Deshalb brauchte ich dieses Mal umso länger, um mir Frühstück zu machen, machte aber nichts, da ich mich eh nicht so gut fühlte und deshalb auch bald meinen Plan, um 15 Uhr in ein klassisches Konzert in die All-Saints-Cathredral zu gehen, schnell wieder aufgab. Stattdessen wurden Mails gescheckt, gekocht und mit meinem Sohn Florian telefoniert.

Nach dem Mittagessen und einem kleinen Nickerchen, mistete ich ein wenig aus und machte mich endlich ans Berichte schreiben zumal ich 5 Tage im Rückstand war. Die Gäste des Planungs-meetings arbeiteten hart von 11 bis 15:30 ohne Pause und danach war erstmal ein Mittagessen beim äthiopischen Restaurant angesagt. Gegen 18 Uhr löste sich die Gesellschaft auf, aber statt dass endlich Ruhe einkehrte, bekamen wir überraschend Besuch, der wirklich sehr lebendig war, so dass ich mich auf meinen Bericht nicht mehr konzentrieren konnte und vorübergehend mich in mein Zimmer verziehen musste. Kela sagte mir nachdem alle gegangen waren, dass sie am Montag bis 20:30 ein meeting habe und deshalb nicht mit mir abends zum Steakrestaurant gehen könnne, natürlich war ich zuerst ziemlich enttäuscht, denn dieses „Abschiedsessen“ hatten wir schon lange geplant. Dann aber hatte ich die Idee, ob man nicht stattdesen noch am selben Abend gehen könne, Kela sollte aber um 20 Uhr noch ein online-meeting haben. Als sie aber realisierte, wie sehr enttäuscht ich war, sendete sie dem entsprechenden Kandidaten eine Mail und bat um eine späteren Termin noch am selben Abend. Dann mussten wir erstmal eine Zeitland herumtelefonieren bis wir endlich einen Taxifahrer gefunden hatten, der bereit war, uns zu fahren. In der Hektik und weil Kela unbedingt noch eine Mail abschicken musste und meinte, der Taxifahrer wisse schon, wo das Restaurant sei, versäumten wir, uns die genaue Adresse aufzuschreiben. Nachdem wir uns schick gemacht hatten, war der Taxifahrer auch schon da, und los ging es. Nachdem wir schon eine Zeitlang im Taxi saßen, realisierten wir, dass der Fahrer keinen blassen Schimmer hatte, wo das Steakrestaurant denn sei. Das war ziemlich nervtötend, Kela rief nicht nur unsere neue Hausge-nossin an, damit diese im Internet nach der Adresse recherchiere, sondern auch noch einen anderen Taxifahrer, der unserem Fahrer dann lang und breit und nach zweimaligem Anrufen erklärte, wo sich das Restaurant denn befinde. Nach etwas länger als 1 Stunde waren wir endlich angekommen. Kela gefiel die Lokalität ausgesprochen gut und nachdem wir uns am Salatbüffet mit leckeren Salaten eingedeckt hatten, ging es auch schon mit den verschiedenen Steaksorten los. Insgesamt hatten wir dann doch noch einen sehr schönen Abend, ich gab Kela ein wenig Rückmeldung, wie ich ihren Führungsstil und ihr Management bei dem Planungsmeeting empfunden hatte, was sie als hilfreich empfand. Auch privat hatten wir interessante Gespräche über die Genderproblematik. Für den Rückweg beorderten wir natürlich einen anderen Taxifahrer. Zu Hause angekommen, führte Kela noch ihr online-Interview.



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Samstag, den 25.6.

Heute war ich mit Peter und Gisela zum Wandern in den Ngong-Hills verabredet. Wir trafen uns an der Central-Station und fuhren mit dem Bus 111 zu der Stadt Ngong und von dort ließen wir uns mit dem Taxi zum Eingang des Naturreservates bringen. Ein schöner und nicht zu steiler Aufstieg begann. Leider war auch dieses Mal wieder die Sicht recht diesig, so dass man nicht so gut in die Ferne schauen konnte, aber wir waren guten Mutes und Gilla konnte sich gar nicht stoppen, ein Loblied über die gute Luft zu singen und wie sehr sie sich freute dem Gestank und Staub der Stadt entkommen zu sein. Die Wanderung machte wirklich Freude. Immer wieder trafen wir auf kleine Mädchen und Jungen, die Süßigkeiten oder Massaischmuck verkauften und gelegentlich nach was Essbarem fragten. Als wir fast am Gipfel angekommen waren, machten wir erst mal ein schönes Picknick. Danach legten wir uns in die Wiese und ich muss tatsächlich ein wenig eingeschlafen sein, als ich vom Lärmen von Jugendlichen geweckt wurde. Die jungen Leute wollten unbedingt Fotos mit den „Muzungus“ machen, und Peter und Gilla hatten richtig Freude daran. Beim Rückweg setzten wir uns noch einmal ins Grüne und schauten in die Ferne. Wir beobachteten auch einen grün-metallisch schimmernden Vogel, den ich hier während meines Aufenthaltes noch nie gesehen hatte. Gegen 15:30 zogen Wolken auf und Gilla meinte, es könnte vielleicht bald Regen geben. Deshalb machten wir uns ganz schnell auf. Unser bestelltes Taxi kam auch gerade an, und wir stiegen ein. Unten in Ngong angekommen, stiegen wir gerade in den Bus ein, als es zu regnen anfing. Das hatte alles wirklich gut gepasst, und wir lobten die weibliche Intuition. Leider merkte ich, dass meine Halsschmerzen, die schon am Freitag Abend angefangen hatten, nun richtig schlimm wurden. Peter meinte, ich sollte sie nach unserer Ankunft in ihr Hotel begleiten, weil er mir einige Tabletten vorallem Zink mit Vit. C geben wollte. Gesagt - getan, nachdem wir aus dem Bus ausgestiegen waren, zogen wir uns erstmal Geld aus dem Automat und liefen dann zum Hotel. Mittlerweile fühlte ich mich so schlecht, dass ich nicht mal die 5 Stockwerke zum Zimmer hoch laufen wollte. Zum Glück fühlte sich Peter in Form und brachte mir alles nach unten. Sofort an Ort und Stelle noch nahm ich eine Zinktablette, dann verabschiedete ich mich von den beiden, denn ich würde Gilla und Peter erst in Deutschland wieder sehen.



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Freitag, den 24.6.

Bereits gegen 7 Uhr fing ich mit Waschen an, da für den Nachmittag Schwimmbad geplant war, und die Handtücher bis dahin ja wieder trocken sein mussten. Danach fuhr ich mit dem Bus zur Firestation, da ich dort zu Barclaybank wollte, um mit Hilfe meiner Mastercard und meinem Ausweis an „Geld heranzukommen“. Nach einiger Zeit, des Formularausfüllens und Wartens klappte es zum Glück auch. Danach war erst mal Schule angesagt. Wir hatten ein neues Projekt schon gestern vorbereitet, ein Schmetterling, bei dem eine neue Technik angewandt werden sollte, mit Wollfäden sollten ein Schmetterling nachgelegt und die Flügel verziert werden. Der Körper und der Kopf wurden wieder mit aufgeklebten Krepppappierkügelchen aufgefüllt. Die Vorklassenkinder und 3 der Nurcerykinder waren mal wieder mit Feuereifer dabei, und die Ergebnisse konnte sich wirklich sehen lassen. Gegen 12:30 musste ich wirklich los, da ich mit Liliane und Peter und Gilla zum YMCA swimming pool verabredet war. Ich sauste also los, da ich gerne noch zu Hause schnell was kochen wollte, die Wäsche musste abgehängt und der Rucksack fürs Schwimmbad gepackt werden. Das war alles ganz schön stressig und hektisch, und ich schaffte leider nicht früh genug den Absprung, dann gab es auch noch Stau, so dass Peter und Gilla fast 20 Minuten in der Hitze auf mich warten mussten. Liliane hatte mich mal wieder versetzt. Dann liefen wir zum YMCA und die beiden waren angenehm überrascht, dass es dort so schön und auch die Luft wesentlich besser war. Sie stürzten sich sogleich ins kühle Nass, und ich sonnte mich und bewachte unsere Sachen. Wir genossen das Baden, Sonnen und wir planten den nächsten Tag. Leider mussten Gilla und Peter schon um 17 Uhr wieder weg, weil sie im Fremdeninformationsbüro mit einem Mitarbeiter verabredet waren. Am Abend kam Kela spät nach Hause -wie die ganze Woche- ich holte sie von der Matatustation ab und zu Hause musste sie ein online-Interview mit ihrem Coach noch absolvieren, danach unterhielten wir uns noch bis 24 Uhr.



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Donnerstag, den 23.6.

Heute bereiteten wir (Jean und ich) in der Schule alles für die nächste geplante Bastelei vor. Es musste eine Schmetterlingsschablone erstellt werden und mit Hilfe von dieser 20 Schmetterlinge auf weißes Blätter übertragen werden. Dann mussten verschiedenfarbige Wollfäden in die Länge des Umfanges des Schmetterlings geschnitten werden und auch einige, mit denen der Flügelinhalt gefüllt werden sollte. Heute hatte ich Syprose zum Lunch in die Stadt eingeladen, außerdem wollte ich ihr einen Tusky (Einkaufsladen) zeigen, weil sie mir erzählt hatte, dass sie noch nie in einem Tusky war. Sie käme sehr selten aus dem slum heraus!! Das muss man sich erst mal vorstellen – dass sie noch nie in einem großen Kaufhaus war!!! Um 12 gingen wir los, erst durch den slum, dann Fahrt mit dem Bus in die Stadt. Zuerst ging ich mit ihr zur Eingewöhnung in einen kleinen Tusky. Dort schaute sie sich sehr interessiert um, was es hier für viele begehrenswerte Sachen gab. Danach mussten wir zuerst mal ein Stückchen durch die Stadt laufen bis wir bei einem typisch afrikanischen Restaurant, was mir so vorgeschwebt hatte, ankamen. Ich bestellte mir einen ganzen Tilapiafisch und Syprose Hähnchen in einer leckeren Sauce. Es schmeckte uns ausgesprochen gut, und es war nicht zu übersehen, wie sehr Syprose die Mahlzeit genoss. Sie erzählte mir, sie habe seit Jahren kein Hähnchen mehr gegessen. Anschließend gingen wir zu dem großen Tusky, dort zeigte ich ihr auch die Abteilung mit den Schulmaterialien, damit sie weiß wo die sich befindet, wenn sie mal Materialien für die Vorklasse kaufen will mit dem Geld, das ich ihr noch hier lassen werde. Ich kaufte ihr eine Thermoskanne, die sie sich schon so lange gewünscht hatte und noch ein paar Kekse für Davis. Sehr gerne hätte sie auch noch ein paar Gläser gehabt, aber leider hatte ich nicht mehr genügend Geld, da ich bei Barclays wieder kein Geld aus dem Automat hatte herausbekommen können. Danach fuhr ich nach Hause. Für heute 18 Uhr hatte ich geplant, in einen Film eines deutschen Regisseurs ins Goetheinsitut zu gehen. Klappte auch, da ich vorher noch mit Peter und Gilla telefonierte, konnte ich mich mit diesen für den Film dort verabreden. Es gab einen Kurzfilm und dann einen Film über den Regisseur Tom Tykwer, der Gilla und mich wirklich sehr begeisterte. Peter war etwas später gekommen, und die beiden brachten mich danach noch zur firestation.



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Mittwoch, den 22.6.

Heute traf ich mich mit Peter und Gisela in der Hakatiroad, damit wir gemeinsam nach South B in die Schule fahren können. Sie waren sehr gespannt, den slum und die Schule nun mit eigenen Augen zu sehen. Für Gilla und Peter war es eine harte Bewährungsprobe – allein der Weg durch den slum war für beide eine große Herausforderung, dieses Elend mit eigenen Augen zu sehen. Georg war auch schon früh da und später kam auch noch Manuela. Mit Begeisterung wurde ich in der Schule von den Kindern begrüßt, nachdem ich endlich wieder zurück war. Natürlich ließ sich Syprose es sich nicht nehmen, den Gästen von den Kindern Reime aufsagen und Lieder vorsingen zu lassen. Danach zeigte Georg den beiden die gesamte Schule und nachdem Manuela da war, begann das Meeting, wo hauptsächlich die Finanzlage bezüglich des dormitory behandelt wurde. Tom will Schulbücher spenden und so wurde auch das Thema Bibliothek behandelt. Jean war leider nicht da, da sie noch krank war. Da Manuela ein meeting in der Stadt hatte, konnte sie nicht die gesamte Agenda verfolgen, und ich machte sie noch auf ein paar Probleme aufmerksam, die mir bezüglich des Unterbaus für den Wassertank aufgefallen waren. Später gingen Gilla, Peter und ich zum Mittagessen, und ich zeigte ihnen dieses Mal ein sehr günstiges afrikanisches Restaurant. Wie ich den Abend verbracht habe, kann ich mich nicht mehr so genau erinnern, vermutlich Bericht schreiben und Mails beantworten.



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Dienstag, den 21.6.

Heute holte uns Amour um 9:30 ab, und wir machten uns zum Flughafen auf. Ja, heute war Abschied nehmen von Zanzibar angesagt. Am Flughafen angekommen verabschiedete uns Amour, und wir machten uns auf zum Einchecken. Peter hatte den Rückflug so geplant, dass wir zweimal umsteigen mussten, zuerst in Addis Abeba und danach am Flughafen Kilimanscharo. Das war mit Bedacht so geplant, denn Peter und Gilla hatten sich davon versprochen, dass sie bei klarem Wetter, den Kilimanscharo sehen würden. Leider trafen diese Erwartungen nicht ein, wir hatten einen Riesenstress beim Einchecken, weil die Anschlussflüge immer zeitlich sehr knapp kalkuliert waren. Aber der Kilimanscharo blieb in weiter Ferne in Wolken eingehüllt ,und der ganze Stress hatte leider nicht gelohnt. Als wir am Nachmittag in Nairobi wieder ankamen, warteten wir vergeblich auf unseren Taxifahrer. Es dauerte etwa eine Stunde bis wir einen anderen gefunden hatten, der uns zu einem einigermaßen akzeptablen Preis in die Stadt fuhr. Dort gingen wir zu einem etwas gehobenerem afrikanischem Restaurant, was ihnen wirklich wieder ausgesprochen gut schmeckte. Zu Hause angekommen, ging ich bald schlafen.



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Montag, der 20.6.

Der letzte Tag in Zanzibar. Heute hieß es früh aufstehen, denn Amour wollte uns bereits um 6:30 abholen, aber es war ein Frühstück auf 6 Uhr verabredet. So saßen wir denn friedlich wartend, aber es geschah bis 6:30 -außer dass wir ein paar Tassen, heißes Wasser und Kaffeepulver hingestellt bekamen- so gut wie gar nichts. Um 7 Uhr konnte unsere Autofahrt dann zu den Delphinen endlich losgehen. Dort angekommen war es immer noch ziemlich windig und das Meer sehr unruhig. Nichtsdestotrotz suchten wir uns passende Flossen und Taucherbrillen aus und los ging es. Zwei junge Frauen Anfang 20 saßen ebenfalls im Boot. Der Kapitän war hinter uns, und ein Assistent vor uns. Das Meer hatte tatsächlich sehr hohe Wellen, und ich kam mir wie in einer Nussschale auf dem Indischen Ozean vor. Wir mussten uns regelrecht am Schiff und am Holzsitz festklammern, damit wir nicht über Board fielen. Den Rucksack hatte ich sicherheitshalber am Sitz festgeschnallt. Wir mussten doch sehr viel weiter herausfahren als ich gedacht hatte, und wir gaben untereinander zu, dass wir doch ziemliche Angst hatten. Jeder hoffte, dass die Delphine doch bald auftauchen würden. Unterdessen kämpfte unser Kapitän mit den immer höher werdenden Wellen. Er schnitt sie so geschickt an, dass wir zum Glück nicht kenterten. Als wir schon weit über eine Stunde mit dem kleinen Motorboot unterwegs waren, sahen wir von weitem noch andere Schiffe. Dort mussten die Delphine sein. Als wir dort angekommen waren, sahen wir doch tatsächlich ein paar Todesmutige mit Taucherbrille und Schnorchel die Delphine unter Wasser beobachten. Eines der beiden Mädchen bekundete mehrfach die Absicht, sich ebenfalls den Delphinen nähern zu wollen und hatte die Taucherbrille und die Schwimmflossen bereits an, aber der Kapitän gab sehr unmissverständlich zu verstehen, dass das Schwimmen und Tauchen bei diesen hohen Wellen doch einfach viel zu gefährlich sei. An mehreren Stellen konnten wir eine Gruppe von Delphinen beobachten, meist aber nur die Rückenflossen. Der Kapitän sagte uns, dass die Delphine heute nicht „spielen“ (hohe Sprünge) machen würden, da die See heute zu rauh sei. Als die meisten Boote sich dann wieder in Richtung Ufer aufgemacht hatten, schlossen auch wir uns ihnen wieder an. Ich war wirklich heilfroh, als wir uns wieder auf den Rückweg machten. Mit der Zeit wurden auch die Wellen ein wenig flacher und die Zuversicht heil das Ufer zu erreichen, stieg wieder. Bevor ich wieder ins Auto einstieg, musste ich mir in einer Toilette erst mal wieder trockene Sachen anziehen und eine Regenhaut umtun, da es auch noch zu regnen angefangen hatte und mein Badeanzug völlig durchnässt war. Danach ging es wieder zurück nach Stonetown. Dort konnten wir wieder im selben Hotel unterkommen und konnten sogar die gleichen Zimmern wieder beziehen. Ich packte sofort meine Schwimmsachen und legte mich dann noch ein wenig aufs Bett. Später holte uns Amour ab und zeigte Gilla einen Laden, wo es sehr schöne Ketten, Schalen Kleider, Ansichtskarten und viele andere Souvenirs gab. Schon bald machte ich mich zum Strand auf; da es sehr warm war, begab ich mich auch bald ins Meer. Gilla kam auch bald nach und wir hatten einen herrlichen Nachmittag am Meer. Peter entschied sich lieber ins Hotel zurückzugehen, da er zu wenig Schatten am Strand fand. Nach dem wir später zu Hause uns umgezogen hatten, machten wir uns auf zum Festival, was heute stattfinden sollte. Es sollten 2 Filme gegeben werden, einer produziert in Uganda, der sich mit den Befreiungskämpfen in den letzten Jahren beschäftigte und der 2. Film handelte von einer chinesischen Familie, die in den Bergen Reis anbauten und um ihr Überleben kämpfen mussten. Peter war von dem 1. Film und den Reaktionen der Zuschauer darauf bereits so abgeschreckt, dass er lieber wieder zum Hotel zurückging. Gilla und mir gefiel der 2 Film sehr gut.



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Sonntag, den 19.6.

Über den heutigen Tag lässt sich nicht viel berichten. Nach dem Frühstück war unser Ziel das nächste Dorf immer am Stand entlang, denn Anne und Max (aus Deutschland) hatten uns berichtet, dass sie dort in einem Lokal ganz wunderbar gespeist hatten. Gilla wollte zuerst die Lagune entlang so weit wie möglich in Richtung Wasser. Nachdem wir also eine ganze Weile auf sehr gut begehbarem Strand entlang geschlendert waren – Gisela immer den Blick zwecks Korallensuche nach unten gerichtet- waren wir bei der Lagune angekommen. Eine Gruppe Kinder im Alter zwischen 7 und 13 Jahren kam uns entgegen. Die fanden uns und alles, was wir so an uns hatten total interessant. Am liebsten hätten sie meine orangene Kappe und sämtliche Schuhe von uns mitgenommen. Gilla fand dann noch ein paar Kaugummis, die gerecht aufgeteilt wurden und Peter versprach den größeren Kindern Kugelschreiber, wenn sie am Spätnachmittag bei unserem Hotelstrand aufkreuzen würden. Die Kinder hatten viele Krebse und auch riesige Muscheln mit Inhalt gesammelt, die sie vermutlich als Erweiterung des Speisezettels mit nach Hause nehmen wollten. Beim Weitergehen sahen wir schon von weitem etliche Frauen, die knietief im Wasser standen und kleine Algenbeetchen angelegt hatten. Sie banden die Algen in Reihen zusammen, so dass diese nicht wegschwimmen konnten. Auf Nachfrage wurde berichtet, dass es viele Abnehmer in China für diese Algen gab, was uns doch sehr erstaunte. Vielleicht war aber auch von chinesischen Restaurants in Afrika als Abnehmer die Rede. Später gingen Gilla und Peter noch alleine weiter in Richtung Meer, und ich lief zum Strand zurück, um dort ein wenig zu lesen. Innerhalb von kürzester Zeit war ich wieder umringt von Kindern, die mich wie eine Zirkusattraktion anstarrten. Als dann 2 ältere Damen vorbeikamen, bat ich diese darum, den Kindern zu sagen, dass ich jetzt gerne ein paar Minuten ungestört lesen wolle. Darauf verzogen sich die Kinder und die Frauen umgehend. Je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass ich mit dem Alter immer mehr Ruhe bedürftig werde. Nach dem Peter und Gilla zurück waren, war es doch schon so spät geworden, dass wir uns entschieden, jetzt nicht bis zum Dorf weiter zu gehen, sondern in der sehr nahe gelegenen Strandhütte was zu Mittag zu essen.

Danach mussten wir relativ schnell wieder am Strand zurückwandern, da uns sonst die Flut das Zurückkommen -wie gestern Peter und Gilla- erschwert hätte. Auf dem Weg zurück sahen wir viele Surfer, die alle mit Hilfe eines kleinen „Segels“ surften. Der Himmel war voll mit kleinen bunten Drachen und das vor der Kulisse von bunten Fischerbooten, sah einfach sehr hübsch und fotogen aus. Nachdem wir zurückgekommen waren, legte ich mich am Nachmittag noch mal an den Strand und las in meinem Buch weiter, Peter und Gilla lagen in je einer Hängematte und genossen die wunderschöne Aussicht auf das Meer.

Die Nacht war ausgesprochen stürmisch, so dass ich nur sehr schlecht ein- und durchschlafen konnte.



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Samstag, der 18.6.

Die Gezeiten sind hier doch sehr eingreifend, was wir gestern am Abend nicht feststellen konnten, denn am Morgen war das Meer etwa 3 km in Richtung Horizont verschwunden. Also entschieden wir uns für einen ausgedehnten Strandspaziergang. Gilla und Peter waren mal wieder abenteuerlich drauf und wollten so weit wie möglich in Richtung Meer laufen. Das war ziemlich beschwerlich, zumal man gelegentlich doch sehr tief in den Sand einsank und für mein linkes Knie war es eine echte Belastungsprobe, aus dem sehr zähen Sand die Füße wieder herauszubekommen. Gilla und Peter nahmen sich vor nach dem Mittagessen nachmittags bis zu dem kleinen Ort direkt am Meeresstrand entlang zu laufen. Ich war eher gemütlich drauf und wollte erst mal an den swimmingpool, dann meine mails checken, zumal mir Amour seinen Computer inklusiv Modem zur Benutzung überlassen hatte. Peter und Gisela hatten dann, wie sie später berichteten, Schwierigkeiten aufgrund der hereinbrechenden Flut auf dem Strand zurückzugelangen, und sie mussten an einer Stelle über einen Felsen nach oben klettern und einen Schleichweg über Land nehmen. Ich hatte übernommen an einem Treffpunkt mich nach einer für den nächsten Tag geplanten Bootsfahrt zu erkundigen. Aber da die Flut so hoch war, musste ich „außen herum“ über die Landstraße gehen, was ein ziemlich langer und unbequemer Weg war. Wie sich dann an Ort und Stelle herausstellte, stand nicht ein Segelturn an der Küste im Vordergrund, sondern eine Schnorcheltour. Da allerdings bei der für den übernächsten Tag geplanten Delphintour auch Schnorcheln mit vorgesehen war, schlugen wir uns das ganze wieder aus dem Kopf. Am Abend wurden wir wieder lecker bekocht mit einem feinen Fischgericht. Wir hatte am Tag zuvor am Strand bereits ein deutsches Pärchen aus Schwalbach und Wiesbaden-Biebrich kennengelernt, die sich beim Abendessen zu uns gesellten und mit denen wir nett plauderten.



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Freitag, der 17.6.

Heute war Abfahrt nach Ostsansibar. Auf dem Weg dahin kamen wir an einer Schmetterlingsfarm vorbei. Als erstes erhielten wir einen Vortrag über die Entwicklung des Schmetterlings vom Ei zum Schmetterling. Wir sahen die verschiedenen Stadien über Raupe zur Puppe zum Ausschlüpfen des fertigen Schmetterlings. Danach gingen wir in das Gehege, wo wir viele wunderschöne Tiere im Flug oder auf einer Pflanze sitzend bewundern und fotografieren konnten. Danach war eine weitere Station auf dem Weg „der tropische Regenwald“ angesagt. Als erstes sahen wir Halbaffen, die man auch bei uns im Zoo sehen kann, aber hier im roten Fell imponieren und als solches nur in Zanzibar zu sehen sind. Ich kann mich an den Affenfamilien immer nicht satt sehen. Leider war meine Batterie mal wieder all, so dass ich auf Fotos, die Peter gemacht hat, spekulieren muss. Danach wurde uns Magroven gezeigt und einiges dazu erzählt, z.B. dass sie nur im Salzwasser wachsen, was mir noch nicht bekannt war. Es war auch sehr unerwartet zu sehen, dass viele kleine schwarze Krebse auf den Bäumen (nicht immer im Wasser) herumkrabbelten. Danach gab es erstmal ein wunderschönes Mittagessen -ein Tintenfischcurry- der uns sehr gut schmeckte. Als letzte Unternehmung stand noch der Tropenwald selbst auf dem Programm. Wir bekamen unterschiedliche Bäume gezeigt. Zum Schluss machten wir eine sehr unangenehme Erfahrung mit afrikanischen Ameisen, die so herzhaft zubeißen konnten, dass es einem die Tränen in die Augen trieb. Wieder im Auto angekommen, dauerte die Fahrt gar nicht mehr so lange, und wir kamen bei einem herrlichen Strandhotel an. Nachdem wir registriert worden waren, und Amour sich für 2 Tage verabschiedet hatten, begaben wir uns gleich an den Strand.

Herrlich weißer Sandstrand, so fein wie Mehl. Hier ließ es sich erholen. Am Abend bekamen wir ein köstliches Abendessen vorgesetzt und fielen bald müde in unsere Betten.



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Donnerstag, der 16.6.

Heute waren wir mit dem Boot auf Prisonisland. Die Überfahrt mit dem kleinen Bootchen war ganz schön schaukelig, aber machte trotzdem viel Spaß. Das ehemalige Gefängnis ist mittlerweile in ein wunderschönes Hotel umgebaut worden. Zuerst schauten wir uns einen Schildkrötenzoo mit etwa hundert teilweise sehr alten und großen Tieren an. Man durfte sie mit grünen Pflanzen auch füttern und sie mampften genüßlich die Stengel. Amour erzählte nicht besonders viel über die Geschichte, aber das machte auch nichts, denn überall waren Tafeln, wo man die interessanten Informationen lesen konnte. Danach fuhren wir zu einem Korallenriff, wo wir schnorcheln konnten. Das war wirklich sehr interessant: viele Korallen, Seeigel, Meerespflanzen, kleine bunte Fische. Danach fuhren wir noch mal zu einem sehr schönen Strand, wo Gilla herrliche kleine Korallenstücke fand.

Im nahen Hotel konnte man einen Passionsfruchtdrink ordern, und wir ließen ihn uns schmecken.

Am Abend gingen wir zu einem Platz direkt am Meer, wo man Fleischspießchen, Fisch und Calamaresspießchen und andere Leckereien, wie Kokosnussbrot bestellen konnte. Schmeckte mit einem Mangosaft zusammen einfach köstlich.



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Mittwoch, der 15.6.

Heute machten wir die Spicetour. Das heißt, wir hatten einen Führer, der uns zahlreiche Gewürze zeigte: wo sie wachsen, was jeweils davon benutzt wird. Wir sahen Vanilleschoten, Nelken, Pfeffer, Kardamon, Curry, Ingwer, eine sogenannte Lippenstiftpflanze und Zitronengras. Danach gab es ein wunderbares Mittagessen, wo die verschiedenen Gewürze auch verwendet worden waren, z.B. in einem leckeren Hühnercurry und Bananengemüse. Vor dem Essen bekamen wir die veschiedensten Früchte zum Probieren vorgesetzt. Nach dem Essen hatte man Gelegenheit die verschiedensten Gewürze und auch Tees zu kaufen. Der Erlös wird der gesamten Dorfgemeinschaft zugute kommen. Da sehr schönes Wetter war, brachte uns Amour noch 2 Stunden an einen wunderschönen Hotelstrand, wo wir uns sonnen und baden konnten.

Abends gingen wir noch in die Freddy-Mercury-Bar, wo ich ein wunderbares Beefcurry aß und man herrlich romantisch sitzen konnte mit Blick auf das Meer und am Strand spielender Katzen.



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Dienstag, der 14.6.11

Heute hieß es früh aufstehen, Gisela weckte mich um 4:30, denn das Taxi würde uns um 5 Uhr abholen. Zum Glück waren die meisten Sachen (bis auf mein Badehandtuch) wieder getrocknet, so dass ich sie noch einpacken konnte. Für Duschen oder groß frühstücken war keine Zeit. So stopfte ich mir schnell eine halbe Banane in den Mund und trank ein wenig Wasser. Pünktlich wartete der Taxifahrer auf uns draußen und los ging es zum Kenyatta Flughafen. Wir waren zwar nicht ganz die vorgeschriebenen 3 Stunden vor Abflug da, aber im Grunde noch viel zu früh und todmüde. Alles verlief reibungslos und nachdem Peter noch ein kleines süßes Frühstück hatte und Gilla ihren Kakao, und ich meine Thermoskanne im Taxfreeeshop hatte einschweißen lassen können, saßen wir bald im Flugzeug. Der Flug war komplikationslos, und ich hatte einen herrlichen Blick auf den Kilimanscharo. Natürlich wurden auch Fotos gemacht. Nach knapp zwei Stunden kamen wir in Zanzibar an und Mr. Amour holte uns, wie ausgemacht am Flughafen ab und brachte uns zu unserem Hotel. Da wir alle erstmal ein wenig Ruhe bedürftig waren und Gillas und Peters Zimmer noch nicht hergerichtet war, packten wir unsere Badesachen, und unser Reiseführer brachte uns an den Strand : herrlich weißer Sandstrand, der indische Ozean hatte eine angenehme Temperatur und die Sonne schien so heiß, dass wir uns in dem recht wenig vorhandenen Schatten verkrochen. Das Baden im Meer war einfach herrlich. Nach 2 Stunden, die gefühlt aber wesentlich länger waren, holte uns unser guide wieder ab und brachte uns zu einem typisch tanzianischen Restaurant. Wir hatten alle was Unterschiedliches und mussten noch einiges nachbestellen, da es mittlerweile schon nach 15 Uhr war und unser Frühstück im Flugzeug doch sehr „leicht“ gewesen war. Danach schloss sich der Stadtrundgang an. Amour hatte einen Fremdenführer engagiert, der das wirklich sehr gut und professionell machte. Es zeigte sich, dass es Parallelitäten zu der Geschichte in Mombassa gab; auch hier tauchten wieder die Portugiesen, die Araber, die Inder, das Scheichtum und christliche Missionare auf. Insbesondere Gilla und ich waren nach der Stadtführung ganz schön müde. Wir setzten uns bei einem Softgetränk mit dem Reisebegleiter zusammen und ließen uns ausrechnen, wie viel wir an ihn zu bezahlen hätten, wenn er uns die ganze Woche (mit Ausnahme von einem Tag begleiten würde). Der Preis war dann so, dass wir zustimmen konnten – für uns erschwinglich für ihn ein kleines Vermögen. Danach aßen wir direkt am Meer nur noch ein wenig Obst und Meeresfrüchte. Zurück im Hotel setzten Gisela, Peter und ich uns noch ein wenig auf die Hotelterasse, wo es am nächsten Tag auch Frühstück geben sollte, und dann gingen wir sehr früh schlafen.



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Montag, der 13.6.

Heute war mein Geburtstag, aber ich kann nicht gerade sagen, dass es ein Glückstag für mich war, zumindest die Mitte des Tages war nicht erfreulich.

Aber der Tag fing zuerst sehr vielversprechend an. Kela gratulierte mir als erstes herzlich. Gisela und Peter hatten mir, während ich meinen Reisevorbereitungen nachkam, ein herrliches Frühstück bereitet, und wir hatten eine fröhliche Runde, an der am Ende auch der überraschend vorbei gekommene Peter (weil er was zum Bügeln hatte) teilnahm. Gilla und Peter hatten mir aus Deutschland hausgemachte Leberwurst und „Ahle Wurst“, sowie eine Flasche Cointreau mitgebracht. Natürlich stürzte ich mich auf die hessischen Spezialitäten, nachdem ich das leckere Müsli beendet hatte. Peter erzählte ein wenig aus seinem Leben, was sehr interessant war, bevor er sich wieder sehr höflich verabschiedete, versprach er noch am Abend wieder zum Fest zu kommen. Nachdem auch Gilla und Peter sich verabschiedet hatte, nicht bevor sie mich haushaltstechnisch noch tatkräftig unterstützt hatten, machte ich mich ans Wäschewaschen, was leider-wie sich herausgestellt hatte- jetzt doch nötig war. Nach einem kleinen Imbiss machte ich mich in die Stadt auf, um alkoholische Getränke und noch einiges (z.B. ein kleines Duschgel) für die Reise zu besorgen.

Ich überlegte noch einen Moment, ob ich nicht einen Schirm mitnehmen wolle, aber das Wetter sah so vielversprechend aus, dass ich den Gedanken an Regen einfach nicht ernsthaft in Erwägung zog, deshalb ließ ich auch die Wäsche, die ich mittlerweile auf der Terrasse aufgehängt hatte, oben hängen. Zuerst wollte ich wieder Geld für den Umbau der Schule abheben. Aber aus irgendwelchen Gründen -ich weiß nicht warum, war es auch an verschiedenen Automaten und an unterschiedlichen Filialen nicht möglich. Die befragte Mitarbeiterin erklärte, dass es wohl aus irgendwelchen Gründen Kommunikationsprobleme zwischen der Barclaybank und meiner Bank geben würde, und ich solle meiner Bank mailen. Als ich dann aus der Bank herauskam, fing es auch noch an zu regnen- oh Gott, meine Wäsche!!! Zu Hause angekommen traf ich auf Gisela, die auch mit schlechten Nachrichten auf mich wartete, Peter hatte sein Portemonnaie verloren, aber er wusste, wo er es liegen gelassen hatte und war soeben auf dem Weg, um es abzuholen. Gisela und ich holten auf der Terrasse erst mal die Wäsche -auch die von Kela, die mir mittlerweile gesimst hatte, wo ich sie finden würde. Die Wäsche war natürlich wieder nass geworden, und wir mussten unten wieder angekommen erstmal unsere Phantasie spielen lassen, wo wir sie denn nun lassen könnten.

Kela kam relativ früh zurück, Gilla und ich waren bereits am Vorbereiten des von mir kreierten asiatischen Essens mit Kokosnusssauce. Da bekam ich einen Anruf von Jeanne, dass sie sich krank fühlen würde und deshalb leider nicht kommen könne. Natürlich war ich enttäuscht zumal ich auch einen Text von Syprose in meinem handy gefunden hatte, dass ihr Mann verbiete, dass sie auf meine Feier käme. Georg und seine Frau hatten wegen der Trauerfeier für seinen Onkel ja schon absagen müssen. Zum Schluss war es am Abend aber noch richtig gemütlich: Liane kam sogar und brachte ein kleines Geschenk mit, Freyja und Peter ebenfalls. Das Essen war sehr gut gelungen, und obgleich ich glaubte es sei viel zu viel, reichte es für die Anwesenden gerade so. Kela ließ spanische Liebeslieder spielen, und wir hatten einen sehr schönen, wenn auch kurzen Abend.



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Sonntag, der 12.6.

Heute wurden wir von unserem gebuchten Fahrer um 9 Uhr zu unserem Ausflug nach Hells Gate abgeholt. Nach etwa einer Stunde kamen wir durch das Riff Valley – ein herrlich weiter Blick über eine riesige Ebene und einem Tafelberg. Hier wurde eine Rast eingelegt und einige schöne Landschaftsaufnahmen gemacht. Nach etwa 2 Stunden kamen wir am Nationalpark an. Dort konnte man Fahrräder mieten. Wir mussten ziemlich lange ausprobieren bis wir was Passendes gefunden hatten, aber schließlich fuhren wir los. Da es hier nur Männerfahrräder gab, mussten Gilla und ich uns insbesondere beim Aufsteigen an ein solches gewöhnen. Schon sehr bald liefen uns die ersten Zebras entgegen. Auch Gazellen, Giraffen, Straußen und andere große Vögel ließen sich gut beobachten und fotographieren. Als wir schon eine große Strecke geradelt waren, kamen wir zur großen Attraktion einer riesigen Schlucht, die auch ein wenig Wasser führte, die man aber mit Hilfe eines Führers gut begehen konnte. Zuerst machten wir ein kleines Picknick bei herrlichem Blick. Dann engagierten wir einen Führer, der uns in die Schlucht führte. An manchen Stellen musste man richtig klettern, was gar nicht immer so einfach war. Der noch recht junge Guide zeigte uns alles, und wir konnten wunderschöne Aufnahmen machen. In der Regenzeit muss hier wohl ein gewaltiger Wildbach das Tal herunter rauschen, im Laufe von tausenden von Jahren muss sich der Fluss ein tiefes Bett in den Fels gegraben haben. Wir trafen an vielen Stellen auf heiße Quellen, die direkt aus dem Boden kamen und den zur Zeit kleinen Bach ebenfalls speisten. Dies alles deutet nicht nur auf vulkanischen Ursprung hin, sondern auch jetzt noch scheint es entsprechende kleinere Eruptionen im Erdinneren zu geben. Nach dieser interessanten Naturbegegnung schwangen wir uns wieder auf die Fahrräder und radelten zu unserem Fahrer. Wir kamen in einen ziemlich schlimmen Verkehrsstau und nach einiger Zeit fing es auch noch zu regnen an. Abends zeigte ich Peter und Gisela noch ein typisch afrikanisches Restaurant, und es schmeckte ihnen ausgesprochen gut, wenn auch der große Fernseher beim Genießen der Speisen ziemlich störte.



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Samstag, der 11.6.

Für heute war geplant mit den beiden den Kenyatta-Tower zu besteigen, um einen schönen Überblick über die Stadt zu bekommen. Das Wetter spielte auch mit und Kela begleitete uns. Ihr Plan war zuerst mal Geld (englische Pfund) in der Stadt zu tauschen und uns dann zum Karen-Blixen-Museum zu begleiten, da dort in der Nähe eine Knopffabrik ist, wo sie einiges einkaufen wollte. Als ich mit Peter und Gisela gerade auf dem Turm die Aussicht genoss, rief mich Kela an, sie habe jetzt um 12 Uhr ganz überraschend ein meeting. Sie schlug vor, dass wir zum Massai-Markt gehen würden und uns nach einer Stunde dort alle wieder treffen würden. Natürlich wurde man auf dem Markt ständig genötigt, dies und das sich anzusehen und natürlich auch zu kaufen und ein paar schöne und unnötige Dinge ließen wir uns natürlich auch aufschwatzen. Nachdem wir dann endlich die Nase voll hatten und wieder draußen war, traf ich mal wieder auf Winnie, mit der ich schon einmal im Nakurmat einkaufen war, auch jetzt bat sie mich wieder um Brot und Milch. Also da noch keine Kela in der Nähe war, ging ich schnell mit ihr los und kaufte ihr ein wenig Obst und Milch.

Peter machte noch ein Foto von der 10jährigen Winnie und mir. Ich fragte das Mädchen nach ihrem Schulbesuch, und sie antwortete die Oma würde ihr die Schulgebühren bezahlen, sie sei jetzt in der 3. Klasse. Dann liefen wir zur Haltestelle mit der mittlerweile eingetroffenen Kela und fuhren zuerst zum Mannour House der Karen Blixen, denn es war später als geplant geworden und wir hatten tüchtig Hunger.

Man sitzt dort einfach ganz wunderbar, wir bestellten uns jeder eine andere Kleinigkeit und genossen die wunderschöne Atmosphäre dort. Danach trennten wir uns und Gilla und Peter gingen zum Museum und Kela und ich machten uns in Richtung Knopffabrik auf. Wie sich nach langem Fußmarsch herausstellte, hatte diese leider samstags nach 13 Uhr geschlossen, so stöberten wir ein wenig im geöffneten Laden herum, und ich kaufte mir ein paar originelle Ohrhänger. Danach machten wir uns wieder zum Museum auf. Auf dem großen Gelände war gerade eine Hochzeit im Gange, und wir mussten noch ein wenig auf Gilla und Peter warten. Wir fuhren gemeinsam mit einem Matatu zurück und dann gingen wir ohne Kela zu einem Informationsbüro, wo wir einen Trip für den nächsten Tag nach Hells Gate buchen wollten. Abends gingen Gilla, Peter und ich auf die Empfehlung von Kela noch im Stanleyhotel in ein indonesisches Restaurant, wo man für relativ wenig Geld, ein wirklich exquisites orientalisches Gericht verzehren konnte. Die Atmosphäre war sehr angenehm und dezent und die Bedienung hervorragend.



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Freitag, den 10.6.

Da heute meine Freunde Gisela und Peter in Nairobi ankommen werden, wollte ich heute unbedingt die Bettwäsche waschen und frisch für sie beziehen. Aber der Morgen fing so gemütlich an: ich schlief lange, hatte eine „reale“ Dusche, ein ausführliches Frühstück und dann kam tatsächlich Kela schon aus dem Bett, und wir unterhielten uns prima. Irgendwann meinte ich, jetzt müsste ich aber mal mit dem Waschen anfangen. Gesagt, getan. Gegen 12 Uhr holte ich dann noch von draußen eine Frau, die hier einige Zimmer insbesondere den Raum, in dem meine Freunde schlafen würden, das Bad, die Toilette, die Küche, mein Zimmer und das Wohnzimmer sauber machte. Danach kochte ich was für uns beide, während Kela schlief. Sie war schwer wachzubekommen, aber meine Drohung, es sei nicht einfach, das Essen so lange warm zuhalten, zeigte dann doch Wirkung, und wir ließen es uns gut schmecken. Heute hatte ich wieder was Experimentelles gekocht: Zuckererbsen und Brokkoli mit Cocosmilchsauce mit Reis und dazu gab es gebratene Eier. Kela war hellauf begeistert, und mir schmeckte es auch gut. Nach dem Mittagessen half mir Kela die Betten für Peter und Gisela herzurichten und alles sah hinterher wirklich sehr ansprechend aus, da sie so viele gute Ideen hatte. Der restliche Nachmittag ging dann irgendwie sehr schnell vorbei mit Lesen, E-Mails checken, Musik hören (wir hörten unter anderem auch 2 songs von der Band meiner Tochter Mima, die uns sehr gut gefielen). Später am Nachmittag machten wir noch ein paar Yogaübungen. Dann kam Freyja nach Hause, und wir gingen noch zu dritt zum Äthiopischen Restaurant, was nicht ganz so nett war, da Freyja ziemlich nervtötend sich gegenüber Kela verhielt. Zum Glück ging sie früher wieder nach Hause, und wir kauften noch ein wenig in den kleinen Läden Obst und Kartoffeln ein.
Abends war wieder Computer (ich Bericht schreiben und Kela chatten und Freya Film anschauen) angesagt. Mit Spannung wartete ich auf die Ankunft von Gisela und Peter, die mir hier in Nairobi schon 2 sms geschrieben haben. Als sie um 22:30 immer noch nicht da waren, aber der Taxifahrer nach seiner Auskunft ganz in der Nähe sein musste, ging ich ihnen entgegen und tatsächlich, Gilla winkte mir aus dem Auto. Das war eine freudige und herzliche Begrüßung, nach dem wir zu Hause angekommen waren!!!



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Donnerstag, den 9.6.

Zu gestern will ich doch noch was nachtragen: Gestern verfolgte mich Raymon durch den halben slum, weil er unbedingt wollte, dass ich was für die verstorbene Tante zur Beerdigung spenden solle. Zum Schluss gab ich ihm dann ziemlich entnervt einen kleinen Betrag, und er ließ dann ab von mir. Ein Beispiel für Hartnäckigkeit. Eine Kuriosität ist noch erwähnenswert, denn der Anbau an die Küche, wo eigentlich der Wassertank rein sollte, soll jetzt doch nicht als solcher genutzt werden, denn Naum meinte, er stände zu nah an der Grenze; Nachbarn könnten darauf steigen und dann das Wasser vergiften. Also ein bisschen paranoid sind die Afrikaner schon. Ich glaube niergends werden so viel Schlösser verkauft wie hier!!! Also : Eine solche Absurdität muss man sich erst mal vorstellen... Aus diesem Grunde wurde nun direkt da, wo der fast reife Mais und die Bohnen angebaut worden war, ein weiteres Gestell gefertigt, wo dann der Behälter drauf gestellt werden soll, etwas weiter weg von der Grenze. Auf meine Frage hin, was denn jetzt mit dem kleinen Häuschen geschehen soll, antwortete Naum, dass da die Hühner rein sollen. Ich könnte manchmal wirklich Zustände bekommen, denn wenn man den Raum ein wenig größer geplant hätte, dann hätte hier die Nurcery mit einer neuen Erzieherin Raum finden können, wie es ursprünglich auch mal geplant war.

Heute morgen hat mich per Mail die Nachricht ereilt, dass einer meiner grünen Parteigenossen gestern Abend bei einer Stadtverordnetenversammlung zusammengebrochen und gestorben ist, das war natürlich ein großer Schock für mich.

Ich habe mittlerweile angefangen zur Erinnerung von allen Kindern einzeln Fotos zu machen, und muss sagen, die meisten sind wirklich sehr hübsch geworden.

Heute hat die Schwägerin von Duncan die selbst gefertigten Kleider für mich mitgebracht. Nachdem an dem Kleid noch zweimal nachgebessert werden musste, weil das Oberteil mir ein ganzes Stück zu eng war, passte es heute und der headmaster machte gleich eine Aufnahme von mir.

Von dem von mir bestellten grünen Kostüm war ich zuerst ein wenig enttäuscht, weil es vom Material nicht das war, was ich mir versprochen hatte, denn ich wollte sehr gerne Baumwolle oder Leinen haben, aber da alle begeistert meinten, wie gut mir der Zweiteiler stehe, konnte ich ja nicht anders, als das Teil abzunehmen und zu bezahlen. Insgesamt kosteten beide Kleider zusammen mehr als das Doppelte als ursprünglich geplant, aber das ist insgesamt natürlich noch viel weniger als ich in Deutschland hätte bezahlen müssen und schließlich ist alles maßgeschneidert.

Auf dem Rückweg ließ ich mich mal wieder wiegen, und es ist gewiss, dass ich mindestens 6 kg abgenommen habe, also man kann sagen, etwa jeden Monat ein Kilogramm, was wirklich sehr erstaunlich ist, da ich meist zweimal am Tag was Warmes esse.

Gestern Abend habe ich mit meiner Kamera Filmaufnahmen von meiner Freundin Kela und unserem Kaninchen Taifa gemacht, wie sie zusammen spielen. Oh, weh, was werden mir die beiden fehlen!! Kela und ich werden aber im Mail – und Chatkontakt bleiben, so wie ich das ja jetzt auch mit Sabrina mache. Gestern Abend haben wir dann anschließend noch auf dem Sofa zusammen gesessen und Fotos von mir aus der Toscana und von Vietnam angeschaut, die ihr sehr gut gefallen haben. Kela und ich teilen uns seit heute wieder ein Modem, was wirklich prima klappt, und oft benutzt Kela noch nachts meinen labtop, um mit ihrem boyfriend oder anderen Freunden zu chatten. Manchmal bekochen wir uns gegenseitig, z.B hat Kela heute was sehr Ungewöhnliches bei mir mitgegessen : Kürbis und Kartoffeln mit Frikadellen – eine solche Kombination habe ich noch nie gemacht, es hat uns aber geschmeckt. Morgen will ich für die Ankunft von Peter und Gisela alles vorbereiten, die Bettwäsche waschen und das Zimmer putzen lassen, die Betten beziehen und noch ein wenig fürs Frühstück einkaufen. Ursprünglich wollte ich heute eigentlich um 18 Uhr zum Goetheinstitut, um einen Film eines deutschen Regisseurs mir anzuschauen, aber ich war so müde, dass ich mich nach dem Mittagsschlaf zu nichts mehr aufraffen konnte, stattdessen war Computer und Lesen angesagt.



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Mittwoch, den 8.6.

Heute werde ich, da es nicht viel Interessantes zu berichten gibt, eine Antwortmail an Sabrina, die mit mir vor einiger Zeit gemeinsam in der Vorklasse gearbeitet hat, wiedergeben, und danach einige allgemeine Beschreibungen der kenianischen Afrikaner, wie ich sie hier erlebe.

Danke liebe Christel für das schöne Foto :)

Danke :)
Schön zu sehen, dass meine Fotos noch hängen :)
Und wie sieht die Mauer aus??
Bin ja schon sooo neugierig :) :)
Und wie geht es dir so?
Danke auch für die lange Mail :)
Das tut so gut, dass alles zu lesen :) So lebe ich noch ein bissl mit in Kenya.
Das tut echt gut :)

Und sonst alles in Ordnung??
Wann geht es denn nach Hause?....

Liebe Grüße
Sabi
:)

Liebe Sabi,

Ich hoffe, Du hast 2 Fotos erhalten, denn ich hatte 2 verschickt, ansonsten melde Dich, dann bekommst Du das andere mit den Pilzen und den Eistüten noch!

Zur Mauer: also mir gefällt sie nicht; ich fühle mich, wie im Gefängnis, aber Naum ist stolz wie Oskar. Gestern habe ich Syprose 8.000 KS vom Geld Deiner Freundin für Davis gegeben. Sie bedankt sich ganz herzlich. Kannst Du ihr ausrichten. Die andere Hälfte werden wir dann noch für Bastelmaterialien, Papier zum Malen, Radiergummis,Verbrauchsmaterial und fürs Frühstück für die Vorklasse verwenden.

Mir geht es gut, aber der Abschiedsschmerz hat bei mir schon früh eingesetzt und heute habe ich gemeinsam mit Syprose ausgerechnet, dass ich insgesamt weniger als 6 Tage in die Schule kommen werde, da ich am 13.6. Geburtstag habe und nicht kommen werde, vom 14.6.-21.6. mit Freunden in Zansibar sein werde, und den 29. und 30.6. auch nicht mehr zur Schule kommen werde. Oh, weh!!!

Vielleicht können wir die Woche ja mal skypen, wenn Du Zeit haben solltest. Am 30.6. fliege ich am Abend nach Hause.

Dir alles Liebe!!! von der Christel


Wie oben angedeutet werde ich als nächstes ein wenig auf die kenianischen afrikanischen Menschen und ihre Mentalität eingehen, so wie ich ihn hier so im alltäglichen Zusammensein erlebe.

Die kenianischen Menschen sind ausgesprochen kontaktfreudig bis hin zur Distanzlosigkeit, wie das Verhalten hier in Deutschland teilweise empfunden würde. Man wird von völlig fremden Menschen auf der Straße (auch in Nairobi) freundlich begrüßt und befragt, wie es einem denn so gehe. In den Bussen und den Matatus quetscht man sich neben Dich, Abstand halten ist überhaupt nicht angesagt. Münzt man das Ganze ins Positive um, dann fühlt man sich im Matatu als Solidargemeinschaft. Gelegentlich steht ein junger Mann auf, um einer Frau – sei sie jung oder alt Platz zu machen. Aber wehe viele Leute warten auf einen Bus und er kommt dann endlich, dann geht ein Gedrängel los jeder gegen jeden und als Frau muss man da ganz schön seine Ellenbogen gebrauchen, wenn man von den aggressiven und energischen Männern nicht völlig abgedrängt werden will. Also das Verhalten kann sehr unterschiedlich sein und auch gegensätzlich sein. Findet man z.B. einen bestimmten Ort in der City nicht, dann sind immer hilfsbereite Menschen zur Stelle, die Dir nicht nur beschreiben, wie man hinkommt, sondern Dich notfalls sogar hinbringen. Die meisten der afrikanischen Menschen sind wirklich sehr musikalisch und rhythmisch begabt. Selbst die Dreijährigen beherrschen oft schon die Isolation verschiedener Körperteile und können derart ihre Hüften schwingen, wovon wir Europäer nur so davon träumen können. Die afrikanischen Menschen so wie ich sie hier erlebe sind oft sehr unkonventionell. Viele kleiden sich sehr ungewöhnlich, z.B. sind bunte Wollpullover, Fleecepullover, Pudelmützen total in. Für Männer ist es nichts Besonderes bunte Kinderpullover oder rosa zu tragen, selbst Kombinationen von Rosa und Violett werden getragen, Flecken oder Löcher oder gestopfte Kleider sind an der Tagesordnung, natürlich nicht bei Geschäftsleuten, die sich wirklich bemühen absolut up tu date auszusehen (wieder ein Gegensatz). Die haben dann immer frisch geputzte Schuhe an und natürlich wird möglichst jeden Morgen mit sauber geputztem Auto los gefahren.

Die Frauen hier im Haus habe ich als fleißig erlebt : Freitag morgens um 7:30 wurde bereits die handgewaschene tropfnasse Wäsche auf die Leine gehängt. Eine Frau macht Süßigkeiten selbst und stellt sich dann an den Weg um sie zu verkaufen. Viele Menschen suchen permanent Arbeit: schon morgens sitzen die Frauen an der Straße und fragen, ob sie einem nicht was waschen können oder die Wohnung putzen können. Durch viel Einfallsreichtum versucht man sich hier irgendwie durchzuschlagen. Im slum hat fast jeder ein kleines Geschäft, wo er seine Waren (Kleider, was Gekochtes, Friseurdienste, Schneiderdienste, Töpfe, selbst gemachtes Brot, Obst und Gemüse u.s.w.) anbietet. Mich erinnert das ein wenig an eine „Tauschgesellschaft“, wo jeder sich auf irgendwas spezialisiert, was er anbietet, und wiederum von anderen das erhält, was er nicht hat. Die Menschen in Kenia glauben an das Gute im Menschen bis hin zur Naivität. Selbstverständlich konnte ich in kleinen Geschäften bei kleinen Beträgen Schulden machen im Vertrauen, dass ich am nächsten Tag das Geld wieder bringe. In den Matatus habe ich oft erlebt, dass die Menschen sehr feinfühlig sind bis hin, dass man glaubt, sie wissen genau, was in einem vorgeht. Schaut man sehr unglücklich, steht bestimmt jemand auf und lässt Dich sitzen und der „Geldeinsammler“, ist sehr aufmerksam und versucht schon sehr frühzeitig nur mit Augenkontakt, darauf hinzuweisen, dass als nächstes Dein Ausstieg kommt. Zieht es einem und man nimmt nur seinen Schal zu Hilfe, macht einer ganz bestimmt sofort das Fenster zu. Die Menschen können sehr hartnäckig im Verfolgen ei-ner Sache sein. Wenn Dir jemand was verkaufen will, musst Du wirklich gelernt haben „Nein zu sagen“, wenn Du es nicht haben willst, ansonsten bist Du ohne Chancen.

An dieser Stelle möchte ich mal schließen; vielleicht fällt mir ja im Laufe der letzten Wochen noch was ein, was ich dann später nachtragen werde.



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Dienstag, den 7.6.

Heute morgen fühlte ich mich auch ein wenig krank, aber pflichtbewusst wie ich nunmal normalerweise bin, machte ich mich auf zur Schule, zumal heute ein meeting sein sollte. Schon auf dem Weg durch den slum traf ich Georg, der mir mitteilte, dass er heute andere wichtige Termine habe und das meeting leider ausfallen müsse, vielleicht soll es jetzt morgen stattfinden – also ich darf nicht krank werden... Heute verlief in der Schule alles nach Routine, und es gab nichts weiter Erwähnenswertes außer, dass wir heute auch die fertigen Eisbilder aufhängten immer abwechselnd mit den Pilzen, so dass das einen sehr schönen Kontrast gab. Ein paar Wäscheklammern müssen wir noch dazu kaufen und dann hängen an allen 4 Wänden wunderschöne gebastelte Bilder. Natürlich machte ich auch gleich ein paar Fotos davon. Jeanne informierte mich, dass die Organisation „Feed the children“ die Upendo Rescue School zwar auf die Warteliste genommen habe, aber dass für dieses Jahr kein Geld mehr da sei. Man müsse sich dann im neuen Jahr wieder neu bewerben. Das hilft uns jetzt aktuell nicht weiter, da die Kinder diese Woche kein Mittagessen haben werden. Sie werden leiden, aggressiv reagieren und manche werden völlig unterzuckert während des Unterrichts einschlafen. Nur sehr wenige Kinder werden die Gelegenheit haben nach Hause zu gehen und dort etwas Warmes zu erhalten.

Zu Hause angekommen kochte ich mir was, checkte Mails, denn heute „durfte“ ich das Modem mit nach Hause nehmen und legte mich hin, aber leider ging mehrfach die Alarmanlage von dem Auto, was vor meinem Fenster geparkt hatte an, so dass ich im Halbschlaf leise vor mich hin jammerte und dann nach einer halben Stunde etwas entnervt aufstand. Danach war ich mehrere Stunden am Computer tätig.



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Montag, der 6.6.

Heute hat meine Schwester Angelika Geburtstag und da ich heute Morgen noch das Modem hatte, gratulierte ich ihr gleich zweimal: einmal per Mail und einmal per facebook. In der Schule bastelten wir heute die Eistüten fertig. Es kam heute wieder Besuch von den belgischen Mitarbeiterndie an der homepage der Schule arbeiten. Von einem der beiden war die Mutter und die Großmutter da. Sie hatten 2 schöne Bälle und ein großes Springseil mitgebracht. Die Kinder waren völlig aus dem Häuschen und rund um die Bälle knäulte es sich, und Kinder purzelten über einander. Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig Verletzungen es hier gibt. Danach sangen die Vorklassenkinder noch was vor und sagten viele ihrer Sprüche auf. Gegen Mittag machten sich alle durch den slum hindurch wieder auf. Ich ging mit Jeanne zum Mittagessen in die Stadt, und wir tauschten dort unsere Neuigkeiten aus. Danach ging ich wieder ins Internetcafe, weil Naum dringend das Modem gebraucht hatte. Morgen will er es allerdings wieder mir überlassen. Zu Hause angekommen gab es nichts weiter Berichtenswertes außer das Übliche : langer Mittagsschlaf, Duschen, Bericht schreiben, Abendessen kochen und abends schauten wir uns noch eine schöne Komödie auf dem Labtop an.



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